Halbleiter-Datecodes bei langlebiger Elektronik richtig verstehen
Die Elektronikindustrie hat über Jahre gelernt, Engpässe, gefälschte Komponenten und End-of-Life-Mitteilungen zu fürchten. Doch laut Ronny Nietzsche, Regional Sales Manager Nordic-Baltic Region bei Rochester Electronics, könnte ein weiteres Thema unbemerkt Einkaufsentscheidungen beeinflussen – ein überholtes Verständnis von Halbleiter-Datecodes.
Dies war eines der Themen, die Nietzsche während seiner Präsentation auf der Evertiq Expo Lund behandelte. Dabei stellte er langjährige Annahmen über die Verwendbarkeit und Lagerfähigkeit von Komponenten infrage.
Seit Jahrzehnten werden Datecodes in der Elektronikbeschaffung häufig als Warnsignal betrachtet. Komponenten mit älteren Kennzeichnungen gelten oftmals als riskant oder ungeeignet für den Einsatz – teilweise unabhängig von ihren Lagerbedingungen oder tatsächlich vorliegenden Qualitätsdaten. Nietzsche zufolge entspricht diese Denkweise jedoch nicht mehr den Realitäten der heutigen Halbleiterindustrie.
Während seiner Präsentation erläuterte Nietzsche, warum Datecodes allein kein zuverlässiger Indikator für die Qualität einer Komponente mehr sind und wie starre interne Vorschriften zu vermeintlichen „Verfallsdaten“ dazu führen können, dass Unternehmen einwandfrei verwendbare Bestände aussortieren.
Das Thema steht in engem Zusammenhang mit Nietzsches übergeordnetem Schwerpunkt auf dem Obsoleszenzmanagement, mit dem er sich bereits bei früheren Evertiq-Expo-Veranstaltungen mehrfach beschäftigt hat. In früheren Interviews mit Evertiq argumentierte er, dass Obsoleszenz keine Ausnahme, sondern ein unvermeidbarer Bestandteil des Lebenszyklus in der Halbleiterindustrie sei.
„Wenn man ein Produkt hat, das länger als ein oder zwei Jahre im Einsatz ist, wird man unweigerlich mit diesem Problem konfrontiert. Und wenn man weiß, dass es passieren wird, wie kann man die Risiken am besten minimieren und kontrollieren?“
Sein Ansatz konzentriert sich konsequent auf Vorbereitung statt Vermeidung. Anstatt End-of-Life-Ereignisse oder alternde Lagerbestände als isolierte Beschaffungsprobleme zu betrachten, sollten Unternehmen Nietzsche zufolge langfristige Komponentenstrategien direkt in die Produktentwicklung und Lebenszyklusplanung integrieren.
In der Präsentation ging es außerdem darum, wie ordnungsgemäß gelagerte Halbleiter deutlich länger zuverlässig und einsatzbereit bleiben können, als traditionelle Annahmen über ältere Datecodes vermuten lassen. In einem Markt, der weiterhin von volatilen Lieferketten, langen Produktlebenszyklen und wiederkehrenden Komponentenengpässen geprägt ist, wirft die Diskussion eine grundsätzliche Frage auf: Führen überholte Beschaffungspraktiken dazu, dass Hersteller unnötigerweise noch verwendbare Bestände ablehnen?
Die Diskussion wird auf der Evertiq Expo Gothenburg am 17. September fortgesetzt. Dort wird Ronny Nietzsche die Themen Halbleiter-Datecodes, Komponenten-Zuverlässigkeit und praktische Ansätze für das Lebenszyklusmanagement langlebiger Elektronik weiter vertiefen. Die Registrierung für die Veranstaltung ist bereits geöffnet.


