TOP500-Liste der Supercomputer: China übernimmt die Spitzenposition, Europa behauptet sich
Die neueste Ausgabe der TOP500-Liste der leistungsstärksten Supercomputer der Welt bringt einen Wechsel an der Spitze. Chinas LineShine hat den US-amerikanischen Supercomputer El Capitan überholt. Gleichzeitig ist die Zahl der Exascale-Systeme auf fünf gestiegen. Europa behauptet sich weiterhin als eine der weltweit führenden Regionen im Bereich Hochleistungsrechnen (HPC).
Die 67. Ausgabe der TOP500-Rangliste bewertet die leistungsstärksten Supercomputer der Welt anhand ihrer Rechenleistung. Neuer Spitzenreiter ist LineShine, installiert im National Supercomputing Center in Shenzhen. Die TOP500-Liste misst die Leistung in Exaflops (EFLOPS) – also der Fähigkeit, eine Trillion (10¹⁸) Gleitkommaoperationen pro Sekunde auszuführen.
LineShine erreichte im High Performance Linpack (HPL)-Benchmark eine Leistung von 2,198 Exaflops und ist damit der erste Supercomputer in der Geschichte der TOP500, der mit ausschließlich CPUs mehr als zwei Exaflops an nachhaltiger Rechenleistung erzielt. Gleichzeitig ist es das erste chinesische System seit 2017, das die Rangliste anführt. LineShine basiert auf der in China entwickelten LingKun-Architektur, verfügt über mehr als 13,7 Millionen Rechenkerne und nutzt die proprietäre LingQi-Interconnect-Technologie.
Der bisherige Spitzenreiter El Capitan am Lawrence Livermore National Laboratory in Kalifornien fiel auf den zweiten Platz zurück. Das System vom Typ HPE Cray EX255a erreichte im HPL-Benchmark 1,809 Exaflops. Es verfügt über 11,34 Millionen Rechenkerne, AMD EPYC-Prozessoren der vierten Generation mit 24 Kernen und 1,8 GHz, AMD Instinct MI300A-Beschleuniger sowie das Cray Slingshot 11-Netzwerk. Die Energieeffizienz liegt bei 60,94 Gigaflops pro Watt.
Den dritten Platz belegt weiterhin Frontier am Oak Ridge National Laboratory in Tennessee mit einer HPL-Leistung von 1,353 Exaflops. Das System basiert auf der HPE Cray EX235a-Architektur, nutzt AMD EPYC-Prozessoren der dritten Generation mit 64 Kernen und 2 GHz und umfasst insgesamt 9.066.176 Rechenkerne. Auch Frontier verwendet das Cray Slingshot 11-Netzwerk.
Auf Rang vier folgt Aurora am Argonne Leadership Computing Facility in Illinois mit 1,012 Exaflops. Das von Intel entwickelte System basiert auf der HPE Cray EX – Intel Exascale Compute Blade-Architektur und kombiniert Intel Xeon CPU Max Series-Prozessoren mit Intel Data Center GPU Max Series-Beschleunigern, verbunden über Cray Slingshot-11.
Europa bleibt wettbewerbsfähig
Europa behauptet seine Position unter den führenden HPC-Regionen dank JUPITER Booster, der mit einer HPL-Leistung von 1,000 Exaflop den fünften Platz belegt. Das System ist Europas erster Exascale-Supercomputer und wurde am Jülich Supercomputing Centre in Deutschland installiert. Es basiert auf der flüssigkeitsgekühlten BullSequana XH3000-Plattform von Eviden und wird von NVIDIA Grace Hopper Superchips angetrieben.
Trotz dieses Erfolgs liegt Europa weiterhin hinter dem neuen Spitzenreiter LineShine (2,198 Exaflops) sowie den drei führenden US-Systemen El Capitan (1,809 Exaflops), Frontier (1,353 Exaflops) und Aurora (1,012 Exaflops).
Die 67. Ausgabe der TOP500 bestätigt damit, dass sich der globale Wettbewerb im Supercomputing zunehmend zu einem Duell zwischen China und den USA entwickelt hat. China übernimmt mit LineShine erstmals seit 2017 wieder die Spitzenposition, während die USA mit drei der fünf leistungsstärksten Supercomputer der Welt ihre führende Rolle im Hochleistungsrechnen behaupten.
Weitere asiatische Länder folgen mit Abstand
Auch andere asiatische Länder sind in der Rangliste vertreten, allerdings auf niedrigeren Plätzen. Japan bleibt dank seiner langjährigen Erfahrung im Supercomputing und seiner Forschungsinfrastruktur gut positioniert. Nach dem Ende der Dominanz von Fugaku belegt das japanische System inzwischen jedoch nur noch Platz neun.
Das leistungsstärkste System Südkoreas, Nipa, rangiert auf Platz 20, während Nano aus Taiwan den 33. Platz belegt. Beide Länder betreiben moderne HPC-Zentren, die vor allem die Halbleiter-, Elektronik- und KI-Industrie unterstützen. Im Hinblick auf die reine Rechenleistung gehören ihre Systeme derzeit jedoch nicht zur Weltspitze.
Die aktuelle TOP500-Ausgabe markiert eine neue Phase im weltweiten Wettbewerb um Hochleistungsrechner. Erstmals sind Exascale-Systeme gleichzeitig in China, den USA und Europa im Einsatz – wobei der leistungsstärkste Supercomputer vollständig auf in China entwickelter Technologie basiert.
Für Europa wird die Fortführung des EuroHPC-Programms entscheidend sein, um die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Hochleistungsrechnen langfristig zu sichern. Für Polen besteht die zentrale Herausforderung darin, eine Recheninfrastruktur aufzubauen, die künftig in der höchsten Liga des Exascale-Computings mithalten kann.

