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© Liviorki for Evertiq
Analysen |

KI-Infrastrukturboom verändert die Elektronik-Lieferkette, sagt in4ma

Laut einer neuen Analyse von in4ma und EMSNOW verändert die beispiellose Investitionswelle in KI-Infrastruktur die globale Elektronik-Lieferkette grundlegend. Die steigende Nachfrage der Hyperscaler treibt die Preise für Leiterplatten (PCBs) nach oben, verlängert Lieferzeiten und lenkt Fertigungskapazitäten zunehmend auf KI-Anwendungen um.

„Die aktuellen Engpässe bei Leiterplatten, Laminaten und spezialisierten Rohmaterialien sind keine vorübergehende zyklische Erscheinung. Sie sind die direkte Folge einer Investitionswelle einer kleinen Gruppe von Hyperscalern“, so in4ma.

Den Analysten zufolge werden die Investitionsausgaben der vier größten US-Hyperscaler – Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft – im Jahr 2026 voraussichtlich 700 bis 725 Milliarden US-Dollar erreichen. Im Vorjahr lagen sie noch bei rund 410 Milliarden US-Dollar. Damit übersteigen die Investitionen den Jahresumsatz der weltweiten EMS-Industrie und verdeutlichen das Ausmaß, in dem KI-Infrastruktur den Elektronikmarkt verändert.

Neben den vier Technologiekonzernen investieren laut in4ma auch Oracle, xAI, OpenAI über die Stargate-Initiative, Anthropic, CoreWeave, Nebius, Lambda und Apple massiv in den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur. Gleichzeitig erweitern chinesische Hyperscaler wie Alibaba Cloud, Tencent, ByteDance, Baidu und Huawei Cloud ihre Kapazitäten, wodurch zusätzlicher Druck auf asiatische PCB- und Substratlieferanten entsteht, die auch internationale Kunden beliefern.

Nach Einschätzung von in4ma führt diese Konzentration der Investitionen dazu, dass Fertigungskapazitäten zunehmend den profitabelsten Anwendungen folgen. Traditionelle Elektronikmärkte müssten dadurch um die verbleibenden Produktionsressourcen konkurrieren.

Der Engpass reicht über Halbleiter hinaus

Der Bericht argumentiert, dass die größte Herausforderung der Branche inzwischen nicht mehr allein der Zugang zu modernen Halbleitern sei. Stattdessen weiteten sich die Engpässe entlang der gesamten Lieferkette aus und beträfen unter anderem Hochleistungslaminate, ABF-Substrate, Kupferfolien, Glasgewebe sowie Leiterplatten für KI-Server.

Leistungsfähige KI-Systeme benötigen in der Regel Leiterplatten mit mehr als 20 Lagen, verlustarme M8- und M9-Laminate sowie moderne Substrattechnologien. Diese basieren auf denselben Produktionslinien und Rohstoffen, die auch für Produkte der Automobil-, Industrie- und Unterhaltungselektronik verwendet werden.

„Wenn vier Unternehmen in einem einzigen Jahr mehr als 700 Milliarden US-Dollar investieren, folgt zusätzliche Produktionskapazität zwangsläufig dem Geld“, erklären die Analysten.

Laut in4ma haben einige Leiterplattenhersteller bestehenden Kunden bereits mitgeteilt, dass sie die Fertigung von Standard-Leiterplatten zugunsten von Projekten für KI-Server einstellen werden, da dort deutlich höhere Margen erzielt werden können.

Auch weiter vorgelagert in der Lieferkette zeigt sich der Druck. Die Nachfrage nach speziellen Glasgeweben – darunter die Typen 1080, 106 und 104 –, nach T-Glass-Materialien sowie nach Kupferfolien mit sehr geringer Oberflächenrauheit steigt weiter an, da Hersteller leistungsfähigere Materialien für KI-Server benötigen.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch Produktionsprobleme bei Harzherstellern. in4ma weist darauf hin, dass Störungen beim Unternehmen SABIC, das rund 70 Prozent des weltweiten Angebots an hochreinem PPE-Harz liefert, die Produktionskosten erhöht und dazu beigetragen haben, dass die Preise für Leiterplatten in der ersten Hälfte des Jahres 2026 um bis zu 40 Prozent gestiegen sind.

Großprojekte verdeutlichen das Ausmaß

Als Beispiel für die Dimension der aktuellen Investitionen verweist der Bericht auf den geplanten 10-Gigawatt-KI-Campus in Pike County (Ohio). Das Projekt der SoftBank-Tochter SB Energy soll nach vollständigem Ausbau Investitionen von mehr als 500 Milliarden US-Dollar erfordern.

Die erste Ausbaustufe mit einer Leistung von 800 Megawatt ist laut Bericht für das Jahr 2028 vorgesehen und basiert auf einem langfristigen Mietvertrag mit OpenAI. Nvidia soll an Gesprächen über die Finanzierung sowohl des Baus als auch künftiger Chipkäufe beteiligt gewesen sein, endgültige Vereinbarungen wurden jedoch noch nicht bekannt gegeben.

Nach Ansicht der Analysten zeigen Projekte dieser Größenordnung, dass sich die Engpässe der Branche verschieben. Künftiges Wachstum werde nicht nur von der Verfügbarkeit moderner Halbleiter abhängen, sondern zunehmend auch von gesicherter Energieversorgung, Direct-to-Chip-Flüssigkühlung und Finanzierungsmöglichkeiten in bislang unbekannter Größenordnung.

Taiwan dominiert die Produktion von KI-Servern

Während die Nachfrage von den Hyperscalern ausgeht, konzentriert sich die Fertigung der KI-Server-Infrastruktur laut in4ma und EMSNOW vor allem auf taiwanische Unternehmen. Dazu zählen Foxconn, Wistron, Quanta Computer, Wiwynn, Inventec und Accton Technology. Unter den westlichen Herstellern wird Celestica als eines der wenigen Unternehmen genannt, das den Gesamtmarkt übertrifft.

Der Bericht betont jedoch, dass starkes Umsatzwachstum nicht automatisch zu höheren Gewinnen führt.

Foxconn profitiert zwar von der steigenden Nachfrage nach KI-Servern, erzielt jedoch weiterhin lediglich eine Nettomarge von 2,3 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Lagerbestände im Jahresvergleich um 31 Prozent, während sich die Gesamtverschuldung um 34 Prozent erhöhte – ein Hinweis auf den hohen Working-Capital-Bedarf solcher Projekte.

Wistron verzeichnete ein Umsatzwachstum von mehr als 108 Prozent. Rund 62 Prozent des Umsatzes stammen inzwischen aus Rechenzentrumsprodukten. Dennoch liegt die Nettomarge laut in4ma bei lediglich 1,25 Prozent und ist damit die niedrigste unter den wichtigsten Wettbewerbern.

Ein anderes Bild zeigt Inventec. Zwar stieg der Umsatz lediglich um 6,9 Prozent, der Gewinn vor Steuern erhöhte sich jedoch um mehr als 30 Prozent. Dies deutet laut Bericht auf eine Strategie hin, die stärker auf Profitabilität als auf Marktanteile ausgerichtet ist.

Längere Lieferzeiten und veränderte Zahlungsbedingungen

Das angespannte Marktumfeld verändert laut in4ma zunehmend auch die Geschäftsbedingungen in der Elektronikindustrie.

Lieferanten verlangen immer häufiger Teil- oder vollständige Vorauszahlungen, bevor sie Aufträge annehmen. Nach Einschätzung der Analysten dienen diese Maßnahmen dazu, spekulative Bestellungen zu begrenzen und gleichzeitig die Liquidität der Zulieferer während der anhaltenden Kapazitätsengpässe zu verbessern.

Ob strengere Zahlungsbedingungen auch den sogenannten Bullwhip-Effekt während Zuteilungsphasen verringern können, lasse sich derzeit jedoch noch nicht beurteilen.

Mit Blick auf die kommenden Jahre erwartet in4ma, dass die KI-getriebene Nachfrage bis zum Ende des Jahrzehnts hoch bleibt. Engpässe bei modernen Leiterplattentechnologien dürften voraussichtlich bis etwa 2028 anhalten und hohe Preise sowie attraktive Margen für Hersteller im KI-Segment unterstützen. Erst nach 2030 rechnen die Analysten mit einer schrittweisen Normalisierung des Wettbewerbs.

Interessierte können die neuesten Markteinschätzungen von in4ma auch auf den kommenden Evertiq Expo-Veranstaltungen verfolgen. Mareike Haass wird am 17. September auf der Evertiq Expo Göteborg die aktuellen Branchentrends vorstellen. Dieter G. Weiss und Anna Żurek-Kasiewicz sprechen am 22. Oktober auf der Evertiq Expo Warschau.


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