ams OSRAM gibt Sensorgeschäft an Infineon ab
Der österreichische Sensorikspezialist ams OSRAM hat sein nicht-optisches Analog-/Mixed-Signal-Sensorportfolio für 570 Millionen Euro an den Münchner Halbleiterhersteller Infineon verkauft. Das geht aus Mitteilungen beider Unternehmen vom 1. Juli hervor. ams OSRAM setzt damit die Straffung seines Portfolios fort und richtet sich stärker auf Digital-Photonics aus. Der Erlös soll den Schuldenabbau voranbringen und finanzielle Spielräume für das Kerngeschäft freimachen.
Infineon übernimmt 230 Mitarbeitende und drei Standorte
Mit dem Verkauf gibt ams OSRAM Produkte aus den Bereichen Positioning & Temperature sowie Mixed Signal an Infineon ab. Infineon stärkt damit nach eigenen Angaben seine Kompetenzen bei hochpräzisen Positions-, Temperatur- und kapazitiven Sensoren für Automotive, Industrie, Consumer-Anwendungen und Medizintechnik. Das Anwendungsspektrum reicht von Fahrwerkspositionsmessung und Handkontakt-Erkennung am Lenkrad für teilautonomes Fahren über Winkel- und Positionserfassung in der Robotik bis zur kontinuierlichen Glukosemessung. Mit den Mixed-Signal-Produkten gehen Lösungen für Computertomographie, digitales Röntgen und Sensor-Interface-ASICs an Infineon über.
Rund 230 Mitarbeitende aus Forschung und Entwicklung sowie dem Management wechseln im Zuge der Transaktion zu Infineon. Auch die bisherigen ams-Standorte in Valencia in Spanien, Rapperswil in der Schweiz und Hyderabad in Indien gehen an den Münchner Halbleiterhersteller. Die Teams und Ressourcen werden Teil des Sensor- und Hochfrequenzgeschäfts der neuen Division Edge Systems. Dort verknüpft Infineon Sensorik, Rechenleistung, Konnektivität und Sicherheit für integrierte Systemlösungen im Edge-Bereich. Das übernommene Geschäft soll im Kalenderjahr 2026 rund 230 Millionen Euro Umsatz erzielen und sich ab dem Abschluss positiv auf den Gewinn je Infineon-Aktie auswirken.
Stephan Zizala, Division President Edge Systems bei Infineon, sagte: „Diese Akquisition passt hervorragend zur Wachstumsstrategie von Infineon im Bereich Sensoren und Radio Frequency. Das erworbene Geschäft ergänzt unser bestehendes starkes Portfolio. Zudem können wir durch die Kombination des Sensorportfolios von ams OSRAM mit den Wafertechnologien und der Mixed-Signal-IP von Infineon hochinnovative neue Produkte für unsere Kunden entwickeln. Wir freuen uns darauf, unser Geschäft gemeinsam mit rund 230 talentierten neuen Kolleginnen und Kollegen bei Infineon weiter zu skalieren und auszubauen.“
ams OSRAM baut Portfolio weiter um
ams OSRAM ordnet sein Geschäft seit Monaten neu und trennt sich dabei von mehreren Aktivitäten außerhalb des künftigen Kerngeschäfts. Im Februar hatte das Unternehmen sein Transformations- und Sparprogramm „Simplify“ vorgestellt, das bis zum Geschäftsjahr 2028 zusätzliche jährliche Einsparungen von 200 Millionen Euro ermöglichen soll. Rund 2.000 Mitarbeitende sind betroffen, etwa die Hälfte davon in Europa.
Im März schloss ams OSRAM den Verkauf der Entertainment-&-Industry-Lamps-Sparte an den japanischen Technologiekonzern Ushio für 114 Millionen Euro ab. Zwei Monate später vereinbarte das Unternehmen die Veräußerung seines CMOS-Bildsensorgeschäfts an indie Semiconductor für insgesamt rund 40 Millionen Euro. Die nun vollzogene Transaktion mit Infineon setzt diese Portfolio- und Bilanzstrategie fort.
Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM, sagte: „Mit dem erfolgreichen Abschluss dieser Transaktion haben wir einen entscheidenden Schritt zur Stärkung unserer Bilanz getan und gleichzeitig unseren strategischen Fokus weiter geschärft, um den weltweit führenden Anbieter im Bereich der digitalen Photonik aufzubauen. Die Veräußerung ermöglicht es uns, unsere Ressourcen konsequent auf unser Kerngeschäft und unsere Wachstumschancen zu konzentrieren. Zudem sind wir überzeugt, dass Infineon ein attraktives Zuhause für das veräußerte Geschäft und die übergehenden Mitarbeiter bietet.“





