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Elektronikproduktion | 03 Juni 2010

Dying Young: Suizide & Chinas boomende Wirtschaft

Teil 2 von 2: Seit Anfang des Jahres 2010, hat sich eine verblüffende Zahl von 10 Foxconn Mitarbeitern in Shenzhen versucht das Leben zu nehmen [zum Zeitpunkt des Schreibens]. 8 Menschen starben, 2 überlebten mit schweren Verletzungen. (Ein Bericht von SACOM).


Probleme eher persönlicher Natur oder doch eher am Arbeitsplatz zu suchen? Als Reaktion auf den öffentlichen Aufschrei nach ‚9 aufeinander folgenden Sprüngen zwischen Januar und Mai’, erklärte der Foxconn-Sprecher Edmund Ding, dass einige der Arbeiter mit persönlichen Problemen zu kämpfen hatten. (BBC, 18. Mai 2010). Darum hat das Unternehmen ein Management-Zentrum und eine 24-Stunden Service-Hotline eingerichtet, um den Mitarbeiten psychischen Problemen Hilfe anzubieten. (China Daily, 13. Mai 2010). Das Senior-Management hat zudem eine Gruppe von Psychologen in die Produktionsanlage in Shenzhen eingeladen. Auf Grund der Empfehlungen der Experten, würde die Union sich bemühen, sich der ‚psychologischen und emotionalen Bedürfnisse’ der jungen Arbeitnehmer anzunehmen (Southern Weekly, 12. Mai 2010). Wir hinterfragen die Aussage von Foxconn, dass es sich bei den Selbstmorden um isolierte Einzelfälle handelt. Die unternehmensweiten Vorschriften in dieser Richtung lassen soziale Probleme am Arbeitsplatz außer Acht. Erstens. Trotz des hohen Status als Chinas größter Exporteur zahlt Foxconn seine Low-Level Arbeitern in Shenzhen den gesetzlichen Mindestlohn von CNY 900 pro Monat. Ma Liquan, ein ehemaliger Arbeiter und Schwester von Ma Xiangqian (er starb im Januar 2010), erklärte gegenüber China Central Television (CCTV, 11. Mai 2010): "Nach Abzug der obligatorischen Sozialversicherungen verdienen wir nur etwa CNY 800 pro Monat. Niemand scheint uns zu zwingen … und doch haben wir keine andere Wahl als Überstunden zu arbeiten." Eine Schicht dauert in der Regel 10 - 12 Stunden. Die Arbeitnehmer müssen die Last der geringen Bezahlung und der langen Arbeitszeiten tragen. Zweitens: Die Produktion bei Foxconn ist angespannt und ‚atomarisiert’. Jeder Arbeitnehmer in der Produktion ist auf eine ganz bestimmte Aufgabe spezialisiert, welche in immer wieder kehrenden und monotonen Bewegungen ausgeführt wird. Die Arbeit ist schnell und intensiv. Zwischen April und Anfang Mai 2010 einen Journalisten führte eine Undercover Recherche durch und arbeitete 28 Tage lang bei Foxconn in Shenzhen. Er erklärte: "Die Arbeitnehmer fühlen sich dermaßen erschöpft, dass sie ihre kranken Kollegen beneiden. Warum? Diese können sich etwas Ruhe gönnen und sich erholen.“ (Southern Weekly, 12. Mai 2010). Foxconn Arbeitnehmer bezeichneten sich selbst nicht als menschliche Wesen, sondern als ein Rädchen in einer Maschine. Drittens. Wanderarbeitnehmer missen generell eine effektive soziale Unterstützung. Hier ist Foxconn keine Ausnahme. Das Senior-Management räumt ein, dass die Personalfluktuation bei den Low-Level Arbeitnehmern relativ hoch ist. (Global Times, 13. Mai 2010) Während einige Arbeitnehmer ihre Zimmergenossen kennen lernen, sind es für andere völlig Fremde. Einige wenige mieten—mit Freunden oder Verwandten—kleine Wohnungen außerhalb des Campus an; wenn man es sich denn leisten kann. Sie begegnen zahlreichen Schwierigkeiten wenn sie auf grundlegende, kommunale Dienstleistungen zugreifen wollen. Sie sind nicht als Stadtbewohner anerkannt. Unter dem Jahrzehnte alten Haushalts-Registrierungssystem werden Migrationsarbeiter als ‚Floaters’ eingestuft (mit ständigem Wohnsitz auf dem Land). Es sind ausgegrenzte Arbeiter; sowohl innerhalb als auch außerhalb von ‚Foxconn-City’. Foxconn ist Mitglieder der Electronic Industry Citizenship Coalition (EICC) und verpflichtet sich einen hohen Arbeits- und Sozialstandard aufrechtzuerhalten. Die Unternehmensführer müssen mit den lokalen Regierungen und Organisationen zusammenarbeiten, um sowohl Arbeitsrechte, als auch den Industrieweiten Verhaltenskodex umzusetzen. Zum Zeitpunkt des Schreibens (21. Mai 2010) at sich leider ein weiterer Mitarbeiter in den Tod gestürzt. (Reuters, 21. Mai 2010). Unternehmen und Regierungen müssen jetzt verantwortungsvoll handeln China Labor Watch befürwortet eine Überarbeitung der Arbeitsbedingungen der Produktionsarbeiter bei Foxconn. (China Labor Watch, 18. Mai 2010). Am 25. Mai 2010, protestierte die in Hong Kong ansässige Organisation SACOM (Students & Scholars against Corporate Misbehavior) vor der Firmenzentrale von Foxconn in Hong Kong. Die Selbstmorde bei Foxconn haben eine große Medienaufmerksamkeit auf sich gezogen, aber viele andere chinesischen Arbeitnehmer sind immer noch unter schrecklichen Bedingungen beschäftigt. Es ist allgemein bekannt, dass Unfälle am Arbeitsplatz und sogar Todesfälle routinemäßig verschleiert werden. Image-bewusste Käufer und die globalen Zulieferer zeigen manchmal eine gewisse Besorgnis über die Arbeitsbedingungen. Aber oft scheint dies nur ‚Business-as-usual’ zu ein in der Rhetorik der Corporate Social Responsibility. Präsident Hu Jintao und Premier Wen Jiabao haben die soziale Stabilität und Harmonie—neben dem Erreichen der nationalen Wirtschaftsziele—hervorgehoben. Eine ausgewogene Stadt-Land Entwicklung und eine auf den Menschen ausgerichtete Politik ist bitter nötig. ----- Autor: Jenny Chan, SACOM Advisor
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