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Elektronikproduktion | 25 Mai 2010

Restrukturierung im deutschen Maschinen- und Anlagenbau

"Das Produktionsvolumen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau liegt immer noch circa 30% unter Vorkrisenniveau. Die weitere Marktentwicklung ist offen – eine schnelle RĂŒckkehr auf das Vorkrisenniveau aber unwahrscheinlich", heisst es bei Oliver Wyman.
Nach den drastischen ProduktionseinbrĂŒchen 2009 hat der deutsche Maschinen- und Anlagenbau zuletzt Erholungstendenzen gezeigt. Die Krise ist damit aber keineswegs ausgestanden, denn der Markt wird voraussichtlich in den nĂ€chsten Jahren noch deutlich unter dem hohen Niveau von 2008 bleiben. Den wirkungsvollen Sofortmaßnahmen zur Kostensenkung und LiquiditĂ€tssteigerung, die viele Unternehmen konsequent umgesetzt haben, mĂŒssen nun je nach Unternehmenssituation weitere Strukturanpassungen oder Investitionen in neue Wachstumsfelder folgen. Gleichzeitig ist die Finanzierung sicherzustellen. Ein aktives Krisenmanagement sowie die kontinuierliche und professionelle Kommunikation mit Kapitalgebern sind unverzichtbar, um die Krise nachhaltig zu ĂŒberwinden. Dies sind Ergebnisse der aktuellen Restrukturierungsstudie von Oliver Wyman “RĂŒckkehr zu Wachstum und ProfitabilitĂ€t im deutschen Maschinen- und Anlagenbau”. Von 2003 bis 2008 hat das Produktionsvolumen im deutschen Maschinen- und Anlagenbau kontinuierlich zugenommen. Die Boomjahre 2007 und 2008 waren getrieben durch ein starkes Wachstum in den SchwellenlĂ€ndern und ein hohes Investitionsaufkommen aufgrund gĂŒnstiger Kredite. In Erwartung anhaltenden Wachstums bauten viele Fertigungsunternehmen zudem weitere KapazitĂ€ten auf. Doch 2009 erlebte die Branche einen Abschwung bislang nicht gekannten Ausmaßes. Gemessen am Vorjahr ist die Produktion um rund 26% eingebrochen, das Volumen fiel damit in etwa auf das Niveau von 2003 zurĂŒck. Haupttreiber fĂŒr den drastischen Einbruch war die InvestitionszurĂŒckhaltung auf Kundenseite. Dies belastete insbesondere den Export. Im deutschen Maschinen- und Anlagenbau machen 10 Hauptsektoren rund 70% des gesamten Produktionsvolumens aus. Sie bedienen nicht nur Branchen mit unterschiedlichen Konjunkturzyklen wie die KonsumgĂŒterindustrie und Industrieproduktion. Auch die Beschaffungszeiten und Lebensdauer der Maschinen differieren deutlich. Entsprechend waren die ProduktionsrĂŒckgĂ€nge in den einzelnen Segmenten unterschiedlich intensiv. Die stĂ€rksten EinbrĂŒche verzeichneten Textilmaschinen (-35%) und Werkzeug- sowie Kunststoffmaschinen (jeweils -33%). Glimpflicher davon kamen Segmente wie Maschinen fĂŒr die Nahrungs- und Genussmittelbranchen mit einem Minus von 15%. Ausgeblieben sind 2009 vor allem Investitionen in Maschinen und Anlagen zur KapazitĂ€tserweiterung oder ProduktivitĂ€tssteigerung. Schnelle Erholung ist nicht in Sicht “Der Investitionsblase im Jahr 2008 folgte ein sehr harter Einbruch”, erklĂ€rt Lutz JĂ€de, Partner und Restrukturierungsexperte bei Oliver Wyman. “Die kĂŒnftige Entwicklung hĂ€ngt von vielen Faktoren ab, etwa der Entwicklung des Euros, dem Tempo der Erholung in wichtigen Abnehmerbranchen und der Entwicklung der BRIC-Staaten. Sollte sich der Markt jedoch in Ă€hnlichen Zyklen wie in den 90er-Jahren erholen, kann die Branche nicht mit einer schnellen RĂŒckkehr auf das Vorkrisenniveau rechnen.” In diesem Fall wĂ€re fĂŒr 2010 bestenfalls ein schwaches Wachstum des Produktionsvolumens zu erwarten. Bis 2013 ist mit derselben Annahme eine jĂ€hrliche Steigerung von 3 - 5% möglich. Mittelfristig mĂŒssen sich die Unternehmen in diesem Szenario auf ein um 15 - 20 % niedrigeres Produktionsvolumen als im Ausnahmejahr 2008 einstellen. Daran Ă€ndert auch die leichte Markterholung zu Beginn dieses Jahres nichts. Zwar stieg der Auftragseingang im Februar 2010 gegenĂŒber dem vergleichbaren Vorjahresmonat um 29%. Doch insgesamt liegt der Markt noch immer gut 30% unter dem hohen Niveau von 2008. “Der freie Fall ist erstmal gestoppt”, so Herr JĂ€de. “Aber der Weg aus dem Tal heraus wird lĂ€nger sein als vielfach erwartet.” Insgesamt ist der Maschinen- und Anlagenbau bislang gut durch die Krise gekommen, die die schwerste seit dem Zweiten Weltkrieg war. Aufgrund der Boomjahre 2007 und 2008 mit einer guten Umsatz- und Ertragslage ist der Verschuldungsgrad vieler Unternehmen gering. Die Branche hat eine starke Technologieposition sowie stabile Kundenbeziehungen. Zudem haben viele Unternehmen die interne Transparenz und Managementprozesse verbessert und Kostenstrukturen flexibilisiert. Entsprechend schnell und entschlossen haben die meisten Maschinen- und Anlagenbauer auf den dramatischen Markteinbruch reagiert und mit Sofortmaßnahmen kurzfristig Kosten gesenkt sowie die LiquiditĂ€t gesichert. Ein vielfach genutztes Instrument war die Kurzarbeit. Teilweise befanden sich 2009 mehr als ein Viertel der BeschĂ€ftigten im Maschinen- und Anlagenbau in Kurzarbeit. Damit konnten viele Unternehmen betriebsbedingte Entlassungen erfolgreich vermeiden. Entsprechend ging die Zahl der BeschĂ€ftigten lediglich um 3% zurĂŒck. Zudem erfolgte im Zuge des geringeren Umsatzvolumens ein starker Abbau von Working Capital. Ein wesentlicher Faktor war dabei die Reduktion von BestĂ€nden, die insbesondere ab Jahresmitte vorgenommen wurde. “Mit den Sofortmaßnahmen wurde oft die gewĂŒnschte Wirkung erzielt”, so Herr JĂ€de. “Personalkosten wurden schnell gesenkt, und der Abbau des Working Capital hat die Nettoverschuldung begrenzt. Auf diese Weise konnten viele Unternehmen das Krisenjahr 2009 noch mit relativ guten Zahlen abschließen.” Die Krise nachhaltig ĂŒberwinden Neben dem nachhaltig reduzierten Marktvolumen wird der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in den nĂ€chsten Jahren mit zahlreichen weiteren Herausforderungen konfrontiert sein. So wĂ€chst der Margendruck, da die geringe Produktionsauslastung starke PreisnachlĂ€sse auslöst und auch Kunden den Preisdruck erhöhen. DarĂŒber hinaus wird die Finanzierung deutlich schwieriger werden. “Die Banken sind kritischer geworden”, erklĂ€rt Herr JĂ€de. “Angesichts schlechterer JahresabschlĂŒsse und geringerer BonitĂ€t werden sie zunehmend Kreditlinien kĂŒrzen oder bei der Kreditvergabe zögern.” Da aber zahlreiche Unternehmen spĂ€testens ab 2011 wieder in neues Wachstum investieren mĂŒssen, wird es in vielen FĂ€llen zu LiquiditĂ€tsengpĂ€ssen kommen. Entsprechend steigt das Insolvenzrisiko. Der Markt bietet in den nĂ€chsten Jahren aber auch Chancen. Dazu zĂ€hlen Wachstum in den BRIC-Staaten oder in neuen Abnehmerbranchen sowie das Angebot von innovativen Produkten. Unternehmen, die finanzstark genug sind, um in diesen Segmenten investieren zu können, haben gute Möglichkeiten, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Die Wege aus der Krise sind unterschiedlich. FĂŒr Unternehmen, deren Kostenstruktur noch nicht an das mittelfristige Marktniveau angepasst wurde und deren Wachstumsmöglichkeiten ausgeschöpft sind, steht eine strukturelle Verbesserung der Ertragskraft im Vordergrund. Die Handlungsfelder sind vielfĂ€ltig. Es gilt, das Produktportfolio und die eigene Wertschöpfungstiefe kritisch zu prĂŒfen, die Produktionsstruktur zu optimieren, Fixkosten zu senken und die Produktkosten zu reduzieren, zum Beispiel durch Einkaufsoptimierung oder Vereinfachungen im Produktdesign. Hier haben viele Maschinen- und Anlagenbauer noch Handlungsbedarf. Unternehmen, deren ProfitabilitĂ€t auch bei reduziertem Umsatz gesichert ist und denen die notwendigen Mittel fĂŒr Investitionen in neues Wachstum zur VerfĂŒgung stehen, können jetzt durch eine VorwĂ€rtsstrategie Marktanteile gewinnen. Hierzu gehören die Optimierung des Vertriebs, Innovationen und die Neuausrichtung des Produktportfolios sowie Mergers & Acquisitions. Hohen Stellenwert hat zudem die Positionierung in Wachstumsregionen, insbesondere in China. Oft fehlt jedoch eine geeignete Marktstrategie, zu der nicht nur ein lokales Kundennetzwerk oder eine wettbewerbsfĂ€hige Kostenstruktur zĂ€hlen, sondern auch passende Produkte. Offene Kommunikation mit Banken notwendig Im Rahmen eines aktiven Krisenmanagements kommt der Sicherung der Finanzierung eine SchlĂŒsselrolle zu. Durch den starken UmsatzrĂŒckgang haben viele Unternehmen trotz einer guten LiquiditĂ€tsposition die Kreditvereinbarungen (“Covenants”) verletzt. Dies ermöglicht einigen Banken eine außerordentliche KĂŒndigung der Kredite. Zudem besteht die Finanzierung in vielen FĂ€llen aus bilateralen und kurzfristigen Kreditzusagen. Diese Situation ist Ă€ußerst labil und im schlimmsten Fall existenzbedrohend. Die Unternehmen sind daher gefordert, jetzt mit den Banken und anderen Kapitalgebern proaktiv und kontinuierlich zu kommunizieren. Dies setzt ein schlĂŒssiges Restrukturierungskonzept voraus, das bereits vollzogene wie geplante operative und strategische Maßnahmen darlegt, Wachstumsstrategien dokumentiert, aber auch Marktumfeld und Segmentspezifika erklĂ€rt. Wichtig sind zudem Best- und Worst-Case-Szenarien fĂŒr die Ergebnisentwicklung. “Wer glaubhaft, strukturiert und professionell aufzeigt, wie sich die Krise ĂŒberwinden lĂ€sst, schafft Vertrauen in die Zukunft des Unternehmens”, betont Herr JĂ€de. “Die Krise ist noch nicht vorĂŒber, aber der deutsche Maschinen- und Anlagenbau hat bei konsequentem Handeln alle Voraussetzungen, um sie erfolgreich zu meistern.” RĂŒckkehr zu Wachstum und ProfitabilitĂ€t FĂŒr jedes Unternehmen sind auf Basis der Kostenposition und der Wachstumschancen individuelle Schwerpunkte zu definieren: 1. Position bestimmen: Kritische Betrachtung des mittelfristigen Martvolumens (inklusive Worst-Case- sowie Best-Case-Szenarien) und der eigenen Wachstumschancen vornehmen. 2. Konzept zur KrisenbewĂ€ltigung erstellen: SchlĂŒssigen Plan zur Anpassung der Kostenstruktur beziehungsweise Erschließung neuer Wachstumfelder mit dem Ziel der nachhaltigen ProfitabilitĂ€t entwickeln. 3. Finanzierung sichern: LiquiditĂ€tsplan ĂŒber die nĂ€chsten drei Jahre erstellen und Konzept zur Absicherung der Finanzierung auch im Worst-Case-Szenario erarbeiten. 4. Transparenz und Kontrolle ermöglichen: Geeignete Instrumente zum Controlling von Umsatz, Kosten und LiquiditĂ€t sowie zur Steuerung des Restrukturierungsprozesses einfĂŒhren. 5. Vertrauen schaffen: Laufende und proaktive Kommunikation mit allen Stakeholdern aufbauen, insbesondere mit Fremdkapitalgebern und Kreditversicherern. ----- Quelle: Oliver Wyman
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