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Leiterplatten | 15 Januar 2010

5Q/5A: Norbert Krütt beantwortet unsere Fragen

5 Fragen / 5 Antworten: Norbert Krütt, Geschäftsführer der FELA Leiterplattentechnik GmbH, hat sich an unserer Interview-Serie beteiligt.


• Wie gut haben Sie das Jahr 2009 und den wirtschaftlichen Abschwung verkraftet? Ich möchte hier nicht, wie manch anderer, die Situation schön reden. Die Leiterplattenbranche in Deutschland hat in 2009 einen katastrophalen Einbruch erlebt, mit einem Umsatzrückgang von weit über 30%. Auch FELA, als privates eigentümergeführtes Unternehmen ist davon nicht verschont worden. Der Rückgang im Auftragseingang von 2008 zu 2009 betrug 17%. Jedoch ist es uns gelungen, die Kosten sehr schnell anzupassen. Als Folge daraus haben wir in der zweiten Hälfte 2009 wieder Gewinne erwirtschaftet. Unser Ziel für 2009, ein ausgeglichenes Ergebnis zu erreichen, werden wir sehr knapp verfehlen. Dass wir uns besser als der Branchenschnitt entwickelt haben, liegt vor allem an unseren Produktgruppen FELAM Thermoline und FELAM Glasline, die in 2009 trotz Krise zweistellige Wachstumsraten hatten und an unserer Unternehmensstrategie "Automotiv wird gefahren, aber nicht beliefert". So haben wir in 2009 kräftig abgespeckt, ohne dabei Arbeitsplätze abzubauen und stehen fit vor den Herausforderungen für 2010. • Welche Maßnahmen sind notwendig, so dass die europäische Leiterplatten-Industrie überleben kann? Wenn wir die europäische Leiterplattenindustrie als europäische Produzenten von Leiterplatten verstehen, glaube ich nicht, dass dieser Industriezweig in der heutigen Form überleben wird. Es existieren derzeit ca. 280 Leiterplattenproduzenten in Europa. Davon sind vielleicht 40 nennenswerte Unternehmen mit einem Produktionsvolumen von mehr als 10 Mio. € pro Jahr. Zieht man jetzt die Unternehmen ab, die angeschlagen sind oder keine überlebensfähige Nachfolgeplanung haben, fällt noch einmal ein Drittel weg. Ich persönlich glaube, dass in 5 bis 7 Jahren nur noch ein kleiner Club von Leiterplattenhersteller existieren wird, der sich lokal, technologisch oder im Dienstleistungsangebot auf Nischen konzentriert hat, der Kernkompetenzen besitzt und nicht, wie ein Krämerladen von der Einseitigen, Multilayer, Starrflex Impedanz kontrollierte bis zur Aluminiumleiterplatte alles anbietet, und nichts richtig beherrscht. Die Masse der Leiterplatten wird auch zukünftig aus Asien importiert bzw. dort direkt bestückt werden. In Europa haben 2009 ca. 30 Leiterplattenbetriebe geschlossen. Durch die jetzt ansteigende Konjunktur kommt in der Branche die erste Euphorie auf, da die noch vorhandenen Kapazitäten schon ausgelastet sind. Tatsache ist, dass die Branche sich mit ihrem Umsatz auf dem Niveau von 2006 bewegt und das bedeutet kein Wachstum. Für die Kunden gibt es eine neue, bisher nicht gekannte Situation, nämlich erhebliche Versorgungsengpässe mit Leiterplatten aus Europa. Echte strategische Partnerschaften zwischen Kunden und Leiterplattenherstellern müssen geschlossen werden, um die Versorgungssicherheit langfristig zu gewährleisten. Die Berechenbarkeit des Lieferanten wird ein neues Entscheidungskriterium für die Auftragserteilung. Die Seriosität von Unternehmer und Management spielt nach den Ereignissen der letzten Jahre eine immer wichtigere Rolle. Es würde mich auch nicht wundern, wenn der eine oder andere Leiterplattenhersteller von seinem Kunden übernommen wird. • In welchen Bereichen sehen Sie die größten Wachstumschancen für Ihr Unternehmen? Unser Unternehmen hat eine klare Strategie für die nächsten 5 Jahre erarbeitet. Vier Produktbereiche bilden die Basis. 1. Der Handel mit "grünen" Leiterplatten aus Asien. FELA kooperiert seit über 15 Jahren mit Leiterplattenherstellern aus Asien. Dieser Bereich wird in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. 2. Die Produktion von "grünen" Leiterplatten FR4 am Standort Deutschland. Hier erwarten wir ein qualitatives aber kein quantitatives Wachstum. 3. FELAM Thermoline. FELA erwirtschaftet heute schon mehr Umsatz mit Aluminiumleiterplatten als mit FR4 Multilayer. Die Zuwachsraten waren im letzten Jahr zweistellig. In diesem Produktbereich geht unsere Entwicklung weiter zu kompletten Systemen mit LED-Bestückung und Montage. FELA ist mehr System- und Technologielieferant für LED-Beleuchtungssysteme, als reiner Hersteller von Aluminiumleiterplatten. Aber auch hier gilt die klare Strategie, "Automotiv wird gefahren, aber nicht beliefert". Ein Handel mit IMS-Leiterplatten aus Asien lehnen wir aus Qualitätsgründen ab. 4. FELAM Glasline sind komplette Bedientastaturen auf Glas, die im hochwertigen Bereich Folientastaturen substituieren. Dieser Premiumbereich zeigt enorme Zuwachsraten. Durch Patente, Schutzrechte und technologische Überlegenheit ist unsere Marktführerschaft für die nächste Zeit gesichert. Somit haben wir drei Produktbereiche, die den Rückgang der Produktion von "grünen" Leiterplatten substituieren und darüber hinaus das zukünftige Wachstum unseres Unternehmens sicherstellen. • Sind für 2010 Investitionen geplant? Selbstverständlich werden wir in 2010 investieren. Für die Produktion von Aluminiumleiterplatten werden wir über die drei bestehenden Bearbeitungszentren hinaus noch zusätzlich investieren. Unsere Glasmanufaktur wird weiter ausgebaut. Letztlich konzentrieren wir unsere Investitionen, neben den klassischen Ersatzinvestitionen, auf die Expansion von FELAM Thermoline und FELAM Glasline. • Wo sehen Sie – als europäischer Leiterplatten-Hersteller – Ihre Wettbewerber? Ich glaube, dass sich an der Wettbewerbssituation der "grünen" Leiterplatte nichts wesentliches verändert hat, außer dem Marktaustritt einzelner Hersteller. Die größeren Stückzahlen stehen unter dem Druck der asiatischen Wettbewerber, die kleinen Stückzahlen unter dem der lokalen Lieferanten. Abhängig von der Auslastungssituation der Marktbegleiter verschieben sich die jeweiligen Wettbewerbsbedingungen. Im Bereich FELAM Glasline sehe ich noch keinen ernstzunehmenden Wettbewerb. Dafür ist das Produkt viel zu komplex. Aber der Wettbewerb fordert von der eigenen Mannschaft Höchstleistung und daher begrüße ich grundsätzlich den Wettbewerb. Im Bereich FELAM Thermoline / IMS-Leiterplatten gibt es in Europa die ersten Hersteller, auch wenn sie sich schwerpunktmäßig auf das Ätzen einseitiger, zugekaufter Substrate konzentrieren. Aber Marktbegleiter, die weniger als 1 Mio. € Umsatz pro Jahr mit dieser Produktgruppe machen, wissen nicht wirklich was sie tun und werden sich schnell aus dieser Technologie verabschieden, wenn einerseits genügend Lehrgeld bezahlt wurde und auf der anderen Seite die Wertschöpfung durch den wachsenden asiatischen Wettbewerb abnimmt. Asiatische Lieferanten bewegen sich genau in diesem technologisch einfachen Bereich und stellen für FELA momentan keinen wirklichen Wettbewerb dar. Das zeigt sich auch daran, dass wir inzwischen komplexe Beleuchtungssysteme mit Aluminiumleiterplatten nach Asien liefern.
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