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Elektronikproduktion | 07 Januar 2010

Autobranche setzt Hoffnung auf Schwellenländer

SchwellenlĂ€nder wie Brasilien, Russland, Indien und China werden als AutomobilmĂ€rkte im Zuge der gegenwĂ€rtigen Krise deutlich an Bedeutung gewinnen. So planen viele Hersteller und Zulieferer, in den kommenden fĂŒnf Jahren in den BRIC-Staaten erstmals oder verstĂ€rkt zu investieren.
Damit einher geht allerdings bereits die Sorge, dass es dort aufgrund des Booms schon bald zu ÜberkapazitĂ€ten kommen dĂŒrfte - vor allem in Russland. ÜberkapazitĂ€ten sind auf den etablierten MĂ€rkten weiterhin ein ernstes Problem. Das hat eine internationale KPMG-Umfrage unter 200 fĂŒhrenden Vertretern der Automobil- und Zulieferindustrie ergeben. Über die HĂ€lfte der befragten Unternehmen plant, in den kommenden fĂŒnf Jahren erstmals oder verstĂ€rkt auf dem chinesischen Markt zu investieren (58,5%), 43% wollen dies in Indien tun. Auch Russland und Brasilien sehen die Unternehmen als attraktive MĂ€rkte an. Hier wollen immerhin ein Drittel beziehungsweise ein Viertel der Befragten in den kommenden fĂŒnf Jahren erstmals investieren oder ihr Engagement verstĂ€rken. Allerdings befĂŒrchtet jeweils rund die HĂ€lfte der Unternehmen, dass in Brasilien, Russland und China spĂ€testens in drei bis fĂŒnf Jahren ÜberkapazitĂ€ten auftreten. FĂŒr Indien geht jeder Dritte davon aus, und 12% der Experten wollen schon heute ÜberkapazitĂ€ten in Russland ausgemacht haben. Deutliche ÜberkapazitĂ€ten in Westeuropa und USA Obwohl die Produktionszahlen in den traditionellen MĂ€rkten bereits zurĂŒckgefahren wurden, sehen hier fast alle Branchenexperten immer noch deutliche ÜberkapazitĂ€ten. So sagen 80% der Befragten, es gebe derzeit in Westeuropa ÜberkapazitĂ€ten. Diese bewegen sich nach Ansicht von zwei Dritteln der Umfrageteilnehmer zwischen 11% und 30%. Weitere 14% gehen sogar von noch höheren Werten aus. Auf dem nordamerikanischen Markt sehen sogar 88% der Experten die KapazitĂ€ten als ĂŒberschritten an, fast ebenso viele in Japan. Dieter Becker, Leiter des Segments Automotive bei KPMG: "Es ist bemerkenswert, dass die Befragten von weiter steigenden ÜberkapazitĂ€ten in den meisten Regionen sprechen, obwohl bereits zahlreiche Pleiten am Markt zu verzeichnen waren. Deshalb ist davon auszugehen, dass vielerorts noch zahlreiche Restrukturierungen zu erwarten sind und die Konsolidierung der Branche voranschreitet." ProfitabilitĂ€t der Branchenakteure sinkt Fast die HĂ€lfte der Befragten geht davon aus, dass die Zulieferer (Tier 1, 2 und 3) in den kommenden fĂŒnf Jahren "etwas" oder "deutlich" weniger profitabel sein werden als bisher. Jeder Dritte meint, dass auch Hersteller und HĂ€ndler mit rĂŒcklĂ€ufigen Profiten werden rechnen mĂŒssen. Lediglich fĂŒr die Finanzdienstleister der Autokonzerne sehen die Befragten die Lage vergleichsweise optimistisch. In diesem Segment rechnen immerhin 40% der Branchenexperten bis 2014 mit leicht oder deutlich steigenden Profiten. Am besten meistern werden die Situation nach Überzeugung der Befragten jene Unternehmen, denen es gelingt, möglichst viele Stufen der Wertschöpfungskette selbst abzudecken. Möglichkeiten zu Einsparungen werden vor allem im Einsatz innovativer Materialien und durch die Verlagerung von KapazitĂ€ten in LĂ€nder mit niedrigeren Kosten gesehen (jeweils knapp zwei Drittel der Befragten). Dieter Becker: "Die Unternehmen stehen angesichts der Wirtschaftskrise vor einem schwierigen Spagat: Sie mĂŒssen in Innovationen investieren und dabei berĂŒcksichtigen, dass ihre Kunden derzeit weniger bereits sind, fĂŒr Autos auszugeben. Das fĂŒhrt sowohl auf Technologie- als auch auf Kostenseite zu einem harten Wettbewerb. Strukturell wird sich hier einiges Ă€ndern mĂŒssen - der Branche dĂŒrfte hier noch ein erheblicher Wandel bevorstehen." Verschuldung und Insolvenzgefahr sind Treiber fĂŒr Konsolidierung FĂŒr Asien (außer Japan), Europa und Nordamerika rechnet eine deutliche Mehrheit der Fachleute mit einer Zunahme von Allianzen, Fusionen und Übernahmen bis 2014 - vor allem auf Seiten der Hersteller und Tier 1-Zulieferer. Wichtigste GrĂŒnde fĂŒr die fortschreitende Konsolidierung sind nach Meinung der Fachleute Verschuldung und Insolvenzgefahr der Unternehmen (89%), der Zugang zu neuen Technologien und Produkten (84%), potenzielle Synergieeffekte im Produktportfolio (83%) sowie die Erschließung neuer MĂ€rkte und Kundensegmente (82%). Volkswagen und Hyundai/Kia als Gewinner In den kommenden fĂŒnf Jahren werden es nach Ansicht von ĂŒber zwei Dritteln der Branchenexperten vor allem die Hyundai/Kia-Gruppe und VW schaffen, ihren Marktanteil auszubauen. Etwas mehr als die HĂ€lfte der Fachleute traut dies auch Toyota zu (57%). Am skeptischsten sind die Fachleute bei den US-Marken Chrysler und General Motors; hier rechnen ĂŒber zwei Drittel der Experten damit, dass diese Konzerne bis 2014 Marktanteile verlieren werden. Kunden wollen alternative Antriebe und preiswerte Autos Um sich am Markt behaupten zu können, werden Hersteller und Zulieferer weitere Einsparmöglichkeiten finden mĂŒssen und ihre Investitionen noch stĂ€rker auf die KundenbedĂŒrfnisse abstellen mĂŒssen, so die vorherrschende Meinung der Experten. Die Branchenfachleute sind sich weitgehend einig, dass die Bedeutung von Hybridautos und batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen fĂŒr die Branche in den kommenden fĂŒnf Jahren steigen wird (84,5% bzw. 68%). Fast ebenso viele gehen davon aus, dass preiswerte Autos und Basisfahrzeuge kĂŒnftig stĂ€rker nachgefragt werden. 80% der Experten gehen davon aus, dass die Umweltfreundlichkeit der Fahrzeuge fĂŒr Kunden kĂŒnftig eine wichtige Rolle spielt (2008: 70%). Quelle: KPMG
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