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Elektronikproduktion | 06 Januar 2010

Kann die EMS-Branche im Jahr 2010 wieder gesunden?

Die extremen Wachstumsjahre der EMS-Branche sind vorbei. Die Prognosen der einzelnen Marktforschungsunternehmen – bei der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate (CAGR) – könnten unterschiedlicher nicht sein: 7,8% (Electronic Trend Publications), 1,8% (International Data Corp.) oder 0% (InForum).
Wenn man diese drei Prognosen mischt, dann kommt man auf eine CAGR von 4,0% – weit entfernt vom Rock & Roll der späten 90er Jahre. Damals war die EMS-Industrie der Liebling der Wall Street und Prognosen lagen routinemassig im zweistelligen Bereich. Der Grund für diese Verlangsamung geht weit über die gegenwärtigen (weltweiten) Turbulenzen hinaus. Das derzeitige EMS-Modell hat sein eigenes Potential ausgereizt. Oder wie es Charlie Barnhart ausdrückt: Die ‚Outsourcing-Dividende’ ist aufgebraucht. Die OEM-Unternehmen, welche die Produktion nicht auslagern, sehen diese Lösung als unattraktiv an. Andere OEM-Unternehmen gehen wieder zu einer eigenen Produktion zurück. Letzteres ist zwar noch kein deutlicher Trend, zeigt aber, dass einige OEM-Unternehmen die EMS-Industrie als unzureichend für die eigenen Produktionsanforderungen ansehen – aus welchen Gründen auch immer. Die Realität ist, dass der größte Teil der Elektronik-Fertigung von den OEM-Unternehmen selbst bewältigt wurde – und das wird wahrscheinlich auch so bleiben. Dies kann man an der so genannten Penetration Rate (Vermittlungsquote) deutlich erkennen (von den meisten Industrie-Experten schon seit fast 20 Jahren beobachtet). Sie vergleicht die EMS-Umsätze mit den Fertigungskosten (Cost of Goods Sold) der OEM-Unternehmen. Sie wuchs auf rund 20% und scheint sich nun auf ein Niveau eingependelt zu haben – und zwar unabhängig von der Expansion der EMS-Unternehmen in andere Bereiche. OEMs lagern hauptsächlich den ‚Massenwaren-Anteil’ (wie etwa die Bestückung der Leiterplatten (PCBA) an EMS-Unternehmen aus. Die von den EMS-Unternehmen begehrte Box-Build Fertigung hingegen ist schwerer zu bekommen. Zudem haben sich die so genannten ODM-Unternehmen als ernsthafte Konkurrenten in diesem Bereich etabliert. Beide – EMS- und auch und ODM-Unternehmen – werden auch in Zukunft ihrem Zweck innerhalb der Elektronik-Industrie dienen. Sie haben jedoch bei der Penetration Rate eine Sättigungsgrenze erreicht – ausgenommen innerhalb der Elektronik-Branche treten gravierende Veränderungen auf. So wie ich es sehe, gibt es im Wesentlichen drei Möglichkeiten, die zu einer Verbesserung und Gesundung (definiert als höhere Rentabilität) der EMS-Branche beitragen könnten: eine neues ‚Killer-App’, eine drastische Verringerung der verfügbaren Kapazitäten und / oder eine Änderung der grundlegenden Outsourcing-Praxis. Neue elektronische Produkte sind in der Regel sehr gut für die EMS-Branche. Das Wachstum der Branche wurde durch Computer, Mobiltelefone oder auch Spielkonsolen angetrieben. Die Vorteile neuer Produkte für die Branche können erheblich, in einigen Fällen jedoch auch sehr kurzlebig, sein. Die Elektronik produzierende Branche – sowohl EMS als auch ODM – wird von zu viel verfügbarer Kapazität heimgesucht. Basierend auf unseren eigenen Einschätzungen gibt es etwa 450 – 500 Millionen Quadratfuß (42 – 46 Millionen Quadratmeter) Kapazität weltweit (genutzt oder ungenutzt; ausgeschlossen bei dieser Einschätzung ist Indien). Mit einem Ausgangswert von $1M pro Jahr pro 1K Quadratfuß sollte die Branche pro Jahr etwa $450 – 500 Milliarden erwirtschaften – letztes Jahr wurden jedoch nur etwa die Hälfte erreicht ($230 Milliarden [gemäß dem Marktforscher InForum]). Das Überangebot an Kapazität erlaubt es den OEM-Unternehmen einen enormen Preisdruck auf die Branche auszuüben – und es wird immer einen geben, der gewillt ist den Markt zu untergraben. Dies ist die primäre Herausforderung der Branche und eine drastische Reduzierung der Kapazitäten ist notwendig, wenn die Industrie ihre Wirtschaftlichkeit verbessern will. Kapazitäten können durch eine Kombination aus Konsolidierungen und Insolvenzen angepasst werden. Veränderungen beim Outsourcing durch OEM-Unternehmen könnten der EMS-Branche am meisten helfen. OEMs müssen sich stärker auf eine komplette Analyse der Gesamtbetriebskosten (TCO) konzentrieren – und nicht auf den billigsten Lohntarif. Wir befürworten diesen Ansatz schon seit Jahren und Gott sei Dank beginnen die Leute dieser Forderung nachzukommen. Es muss jedoch noch mehr getan werden. Die meisten OEMs geben intern viel zu viel für die Überwachung der ausgelagerten Produktion aus. Nur sehr Wenige leiten jedoch auch die erforderlichen Maßnahmen ein. Verschärft wird die Inkongruenz dadurch, dass viele EMS-Unternehmen Unmengen an Zeit auf die Optimierung der ‚Definition’ des eigenen Wertangebots verwenden, ohne dabei tatsächlich systemische Innovationen in den eigenen Ansätzen und / oder Service-Angeboten einzuführen. Nach unserer Erfahrung, versprechen fast alle EMS-Wertangebote eine Kombination des folgenden: - Kundenorientiertheit - Pro-aktiv - Qualitativ hochwertige Geschäftseinheiten - Kostensenkung - Verbesserung der Produkteinführungszeit Diese Eigenschaften sind keine wirklichen Unterscheidungsmerkmale, sondern vielmehr der kleinste gemeinsame Nenner eines jeden Unternehmens in der Branche. Ich erinnere an einen alten Far-Side-Comic, welcher diesen Umstand hervorragend eingefangen hat: Er zeigt eine Gruppe von Pinguinen – alle sehen gleich aus; ein einsamer Pinguin in der Mitte singt „ Ich muss ich sein, oh, ich muss nur ich sein …..!“ Um die Wahrheit zu sagen; es gibt viele EMS-Unternehmen, die wirklich gut sind bei dem was sie tun. Und es gibt viele innovative OEM-Unternehmen in allen Branchen. Die Herausforderung und die Schwierigkeiten liegen im Bereich der Überlappung beider Bereiche. Autor: Eric Miscoll; Charlie Barnhart & Associates
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