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Elektronikproduktion | 13 Oktober 2009

Melecs: Neustart ist gelungen

Nach dem MBO im April 2009 sprach evertiq nun mit dem österreichischen EMS-Dienstleister über den geglückten Start in die EMS-Industrie und über die Zukunftsaussichten des Unternehmens.


Wie sind die ersten Monate für Melecs verlaufen? Bernhard Pulferer: Man ist sicherlich nicht verwundert, wenn wir sagen, dass die ersten Monate nicht einfach waren. Tatsache ist, dass uns die Wirtschaftskrise leider nicht verschont hat. Speziell in den Monaten April und Mai hatten wir in den Volumina durchaus Probleme. Dies bezog sich nicht nur auf eine Branche, sondern betraf alle – von uns bedienten – Segmente. Mittlerweile ziehen die Geschäfte und Volumina wieder an, und das ist natürlich für die Produktivität und die Auslastung des Werks von großer Bedeutung. Wie haben die Wirtschaftskrise und der damit verbundene Rückgang in der Auslastung die Mitarbeiterzahlen bei Melecs beeinflusst? Bernhard Pulferer: Wir haben die Elektronikfertigung von Wien verlagert und in Siegendorf konzentriert. Leider gab es – mit diesem Verlagerungsprozess – den einen oder anderen Mitarbeiter, dem es nicht möglich war uns zu begleiten. Dies trifft insbesondere auf manche Produktionsmitarbeiter zu. Dadurch ist Melecs in Siegendorf mit weniger Mitarbeitern als notwendig gestartet. Als positiv ist anzumerken, dass wir nun auch erfolgreich einen Werksbus eingeführt haben der zwischen Wien und Siegendorf pendelt und unsere Produktionsmitarbeiter unterstützt. Schlussendlich mussten wir keinen Mitarbeiter ‚aktiv’ freisetzen und haben ein gesundes Verhältnis zwischen Leiharbeitern und eigenem Personal. Wie sieht es in Zukunft mit den Mitarbeiterzahlen aus? Bernhard Pulferer: Wir sehen in den nächsten Monaten eine gute Auslastung. Wir sehen vernünftige Neuanläufe bei Bestandskunden – aber auch bei Neukunden. Das gibt uns die Zuversicht, dass wir uns bei den Voluminas und damit auch im Mitarbeiterstand weiter nach oben entwickeln werden. Welche Industrie-Segmente werden von Melecs bedient? Bernhard Pulferer: Wir bedienen vier Hauptsegmente. Das eine ist White Goods. Durch dieses Segment sind wir ursprünglich hier in Siegendorf gelandet. Ein kurzer Rückblick in die Geschichte: den Standort Siegendorf gibt es seit 2002, als die Siemens AG Österreich eine Fertigung für Weiße Ware -Elektroniken aus Frenstat in Tschechien übernahm. Damals wurde dieses Werk in Siegendorf gebaut und als modernes Elektronikwerk konzipiert. White Goods war das erste Segment das hier bedient wurde und ist nach wie vor ein wesentlicher Bestandteil unseres Geschäftes. In Zahlen ausgedrückt sind das ungefähr 50% vom Gesamtvolumen. Das zweite Segment ist Telekommunikation. Wir wollen nicht der Anbieter sein, der die Mobiltelefone dieser Welt produziert. Wir bewegen uns in diesem Bereich in Nischen und haben auch einige lukrative und interessante Geschäfte für uns gefunden. Der Bereich macht ungefähr 25% des Gesamtvolumens aus. Der dritte Bereich ist Automotive. Obwohl in der Presse in den letzten Monaten zu lesen war, wie schlecht es dieser Branche geht, sehen wir hier durchaus auch positive Tendenzen. Vor allem weil Elektronik im Automobilbereich stark im Kommen ist. Auch hier haben wir uns Nischen ausgesucht – zum Beispiel die Getriebesteuerungen für Allradgetriebe oder die Beleuchtungstechnik in LED. Dieser Bereich steuert rund 10% bis 15% des Gesamtgeschäftes bei. Der vierte Bereich ist Industrial. Hier stellen wir z.B. die Elektronik für Rolltreppen oder für Anwendungen in der Gebäudetechnik her. Das sind dann noch einmal 10% bis 15% vom Volumen. In welchem Bereich sehen Sie die größten Wachstumschancen für Melecs? Bernhard Pulferer: Wir sehen den Industriebereich als Wachstumsmarkt, aber auch Automotive zählt bei uns definitiv zu den Bereichen mit Potential. Auch die Weiße Ware ist definitiv als Wachstumsbereich für uns zu nennen. Waren wir in der Vergangenheit exklusiv an einen Kunden gebunden, steht uns zukünftig die gesamte Branche offen. Sie haben Kooperationspartner in Rumänien und in Tschechien. Wie sieht es mit einem eigenen Melecs-Standort in Osteuropa aus? Bernhard Pulferer: Auf der Elektronik-Seite haben wir einen Kooperationspartner in Sibiu, Rumänien. Der tschechische Partner bedient den Melecs - Schaltschrankbau. Zur Zeit sondieren wir die Möglichkeiten bezüglich eines eigenen Standortes in Osteuropa, dies jedoch ohne zeitlichen Druck. Wir haben mit Sibiu – der Standort ist in Siemens-Besitz – mittel- bis langfristig einen kompetenten und wettbewerbsfähigen strategischen Partner. Die EMS-Industrie in Europa ist momentan sehr stark von der allgemeinen Wirtschaftsschwäche betroffen. Gibt es eine Zukunft für EMS-Standorte in Europa? Bernhard Pulferer: Aus meiner Sicht wird die EMS-Industrie aus Europa nicht abwandern. Die Vorteile einer europäischen Fertigung und von europäischen Herstellern von Elektronik liegen klar auf der Hand. Wenn wir z.B. die Weiße Ware betrachten, ist es sehr schwer vorstellbar, dass diese Produkte einmal in großem Stil aus Asien nach Europa importiert werden. Diese Produkte sind voluminös und potentielle Einsparungen bei den Lohnkosten würden durch höhere Logistikkosten wieder kompensiert. Das heißt für mich, dass auch die Fertigung der Elektroniken für Weisse Ware hier in Europa bleiben wird. Ein Argument dafür ist die Nähe zu den Kunden und die damit im Zusammenhang stehende Flexibilität europäischer Elektronikfertiger. Natürlich kann ich nicht in die Zukunft sehen, aber ich würde eher prognostizieren, dass mittelfristig ein Rückwärtstrend von Asien nach Europa einsetzen wird. Wo sieht Melecs denn die eigenen Wettbewerber? Bernhard Pulferer: Als mittelständisches Unternehmen möchte man sich sicherlich nicht mit den Großen der EMS-Industrie auf globaler Ebene messen wollen. Die großen ‚Global Player’ sind auch nicht unsere größten Wettbewerber. Diese sind eher im mittelständischen Bereich in West- und Osteuropa zu finden. Viele EMS-Unternehmen bieten verstärkt auch F&E-Dienstleistungen an. Wie ist das bei Melecs? Wird Melecs auch mit eigenen Produkten in den Markt einsteigen? Bernhard Pulferer: Melecs hat eine eigene innovative Entwicklungsabteilung, die in Wien angesiedelt ist. Strategisch wollen wir unsere Entwicklungsarbeiten dort konzentrieren, wo wir im späteren Verlauf auch die Fertigung der Produkte durchführen können. Eigene Melecs-Produkte herzustellen und zu vermarkten steht derzeit nicht in unserem Fokus. Wir wollen auf Basis von Produktideen unserer Kunden Lösungen entwickeln und produzieren. Wir wollen mit innovativer Umsetzung von Produktideen, qualitativ hochwertiger sowie flexibler Produktion und hervorragender Logistikleistung ein langfristiger Partner unsere Kunden sein. ----- Das Interview mit Herrn Pulferer als pdf-Datei.
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