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© vinnstock dreamstime.com Analysen | 23 April 2018

Maschinenbau erwartet höhere Produktion

"Die Maschinenbauer in Deutschland rechnen für das laufende Jahr mit einer anhaltend guten Konjunktur. Das Wachstum der vergangenen Monate dürfte sich national und international trotz vieler Unsicherheiten fortsetzen", sagte VDMA-Präsident Carl Martin Welcker.
"Angesichts recht dynamischer Auftragseingänge, die jetzt nach und nach zu Umsatz werden, sowie guter Perspektiven fĂĽr die Nachfrage erhöht der VDMA seine Produktionsprognose von bisher real plus 3 auf plus 5 Prozent“, erläuterte Welcker.

Der Maschinenbau in Deutschland lebt insbesondere vom Export, mehr als drei Viertel aller produzierten GĂĽter werden ausgefĂĽhrt. „Wir erwarten hier ein Wachstum auf breiter Basis mit Unterschieden im Detail“, sagte der VDMA-Präsident. Der größte Einzelmarkt, die Vereinigten Staaten, werden sich weiterhin expansiv entwickeln. Die amerikanische Unternehmenssteuerreform mit ihren deutlich verbesserten Abschreibungsbedingungen könnte neue Investitionen ankurbeln, zumal Amerika viele Maschinen importieren muss. „Allerdings schwebt ĂĽber uns das Damoklesschwert des aktuellen Handelskonflikts, dessen Auswirkungen speziell auf den Maschinenbau heute noch nicht abschätzbar sind. Hier liegt sicher ein nicht zu unterschätzendes Risiko fĂĽr unsere Produktionsprognose“, warnte Welcker.

FĂĽr China rechnet der VDMA mit einem Tempoverlust der Exporte, auch weil 2017 ein besonders hohes Ausfuhrwachstum gebracht hatte. Die Lieferungen in die EU-Partnerländer werden nach Ansicht der VDMA-Volkswirte dagegen weiter zulegen. „Einzig fĂĽr das Geschäft mit GroĂźbritannien rechnen wir mit einem stärkeren RĂĽckgang als 2017, als die Exporte um 3 Prozent sanken. Selbst ein Minus in zweistelliger Größenordnung schlieĂźen wir nicht aus - der Brexit wird deutliche Spuren bei den Investitionen auf der Insel hinterlassen“, sagte der VDMA-Präsident.

Offene Grenzen sind unverzichtbar

FĂĽr eine exportstarke Industrie wie den Maschinenbau sind offene Grenzen unverzichtbar, um weiterhin Arbeitsplätze und Wohlstand zu sichern. „Eine weltweite Welle des Protektionismus wĂĽrde uns unmittelbar treffen“, warnte der VDMA-Präsident. „Unsere Forderung an die Politik in BrĂĽssel und Deutschland ist somit ganz klar: Verteidigt den regelbasierten freien Handel! Niemand kann ein Interesse an einer Eskalation von Handelskonflikten haben, bei dem am Ende alle Seiten verlieren – die USA, China und Europa. Um den Teufelskreis des Protektionismus zu durchbrechen, sollten die EU und die USA wieder einen Anlauf fĂĽr ein neues – schlankeres - Freihandelsabkommen nehmen“, forderte Welcker.

Zudem benötige der industrielle Mittelstand in Deutschland ganz konkrete Hilfe in der Exportförderung. FĂĽr „kleine Tickets“ bis 5 Millionen Euro – essentiell fĂĽr viele Betriebe - bieten deutsche Banken nur noch in Ausnahmefällen eine Exportfinanzierung an. „Wir brauchen hierfĂĽr ein verlässliches Bankangebot. Deshalb erwarten wir von der Bundesregierung eine Vereinfachung der Hermes-Deckung fĂĽr Kredite bis 5 Millionen Euro“, sagte der VDMA-Präsident.

Wandel durch Digitalisierung

Maschinen und Anlagen sind der Motor von Industrie 4.0, die Software ist das Gehirn und die Intralogistik ist der Blutkreislauf im Produktionssystem. In einer digitalen Produktionswelt kommen alle drei zusammen und müssen gleichermaßen beherrscht werden. Die Hannover Messe ist hierfür das ideale Schaufenster, weshalb der VDMA sowohl die Zusammenführung der weltgrößten Industrieschau mit der Intralogistikmesse CeMAT maßgeblich unterstützt hat, als auch die Einführung der künftig jährlich stattfindenden Leitmesse Integrated Automotion, Motion & Drives (IAMD). Zahlreiche Beispiele auf dem Messegelände zeigen, wie die intelligente Vernetzung von Produktion und Intralogistik die Produktivität in den Fabriken steigern kann – etwa fahrerlose Transportsysteme oder kollaborative Roboter, die zusammen mit Menschen die Produktion und die Logistik effizienter und einfacher machen.

Oder die Systeme der Antriebs- und Fluidtechnik, die als Träger von Steuerungstechnik, Sensoren und Konnektivität die SchlĂĽsselkomponenten fĂĽr „Connect & Collaborate“ liefern.

Künstliche Intelligenz – der Weg der EU-Kommission stimmt

KĂĽnstliche Intelligenz und die Teildisziplin Machine Learning bahnen sich immer stärker ihren Weg auch in den Maschinen- und Anlagenbau. „Noch wissen wir alle nicht, wie genau sich diese Entwicklung vollziehen wird – aber sie hat begonnen. KĂĽnstliche Intelligenz kann aber nicht durch nationale Alleingänge geregelt werden. Sowohl die Größe der Herausforderung als auch der Ehrgeiz unserer globalen Wettbewerber erfordern eine mutige europäische Strategie“, sagte Welcker. Der VDMA unterstĂĽtzt daher den Ansatz der EU-Kommission, die Chancen von KĂĽnstlicher Intelligenz fĂĽr die Wettbewerbsfähig der Industrie zu betonen. „Die derzeitige öffentliche Debatte etwa um eine Roboter- oder Maschinensteuer birgt die Gefahr, dass Risiken ĂĽberbetont werden“, mahnte Welcker. „In unseren Fabriken werden maschinelles Lernen und Datenanalytik in klar definierten Aufgabenstellungen eingesetzt. KĂĽnstliche Intelligenz hier zu nutzen, bietet erhebliche Chancen fĂĽr Innovation, aber wenig Anlass fĂĽr dystopische Szenarien. Wir fordern die deutsche Politik daher auf, dem Ansatz der EU-Kommission zu folgen.“

„Der Wandel durch Digitalisierung, der auch unsere Industrie prägt und verändert, geschieht mit enormen Tempo. Das ist insbesondere fĂĽr unsere Mittelständler eine riesige Herausforderung – die sie aber meistern können, wenn wir von der Politik die nötige UnterstĂĽtzung dafĂĽr bekommen“

Digital Factory und Plattformökonomie

Das kräftige Wachstum der Digital Factory auf der Hannover Messe zeigt die enorme Bedeutung der Digitalisierung fĂĽr die gesamte Industrie. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die belegte Fläche noch einmal um 50 Prozent erhöht. „Damit hat sich die Digital Factory als ein Zentrum fĂĽr Digitalisierung auf der Hannover Messe etabliert“, bekräftigte der VDMA-Präsident. Neben datentechnischen Fragen rĂĽckt die Suche nach neuen Geschäftsmodellen immer mehr in den Fokus. FĂĽr den Maschinenbau lautet die Herausforderung, sich mit den Regeln der Plattformökonomie vertraut zu machen:

Wertschöpfungsketten werden sich verschieben hin zu digitalen Services, digitale Angebote müssen entwickelt werden, für die Kunden auch bezahlen, es muss geklärt werden, wie solche neuen Services auf digitalen Plattformen angeboten werden.

Ergebnisse und Handlungsempfehlungen hierzu bietet der VDMA seiner Studie „Plattformökonomie im Maschinenbau“, die der Verband zusammen mit der Deutschen Messe AG und Roland Berger erstellt hat. Die Studie wird auf der Hannover Messe vorgestellt, ebenso der neue VDMA-Leitfaden „Industrie 4.0 trifft Lean“, der sich als Hilfsmittel versteht, Abläufe in der Industrie 4.0-Welt in Kombination mit klassischen Managementmethoden wie „Lean“ effizient zu gestalten.

Erfolg braucht Technologieoffenheit

Der VDMA-Präsident warnte die Politik, den Erfolg der Digitalisierung in der Industrie als selbstverständlich vorauszusetzen. „Der Wandel durch Digitalisierung, der auch unsere Industrie prägt und verändert, geschieht mit enormen Tempo. Das ist insbesondere fĂĽr unsere Mittelständler eine riesige Herausforderung – die sie aber meistern können, wenn wir von der Politik die nötige UnterstĂĽtzung dafĂĽr bekommen“, betonte Welcker. Dazu zählt ein Abbau der vielen bĂĽrokratischen HĂĽrden: Nötig wären zum Beispiel praxistaugliche Visa-Regelungen zur Qualifikation ausländischer Fachkräfte oder eindeutige Verantwortlichkeiten in Zollverfahren. „Auch Technologieoffenheit ist hier ein ganz wichtiges Stichwort – der Markt und die Kunden mĂĽssen ĂĽber den Erfolg neuer Technologien entscheiden, nicht Regierungsbeamte!“, forderte er.
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2018.11.21 11:24 V11.9.8-2