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© Schaeffler
Elektronikproduktion |

Schaeffler plant Abbau von 3.460 Stellen in Europa, vier deutsche Standorte vor Schließung

Der deutsche Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hat ein weiteres Restrukturierungsprogramm angekündigt, in dessen Rahmen europaweit rund 3.460 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Davon entfallen etwa 2.660 Stellen auf Deutschland. Zudem plant das Unternehmen die Schließung von fünf Standorten in Europa, darunter vier in Deutschland. Mit den Maßnahmen will Schaeffler ab 2030 jährlich rund 300 Millionen Euro einsparen.

Wie Schaeffler am 3. November 2026 mitteilte, reagiert das Unternehmen damit auf die anhaltend schwierige Lage in der europäischen Automobilindustrie. Insbesondere die rückläufige Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, der verzögerte Hochlauf der Elektromobilität und der zunehmende Wettbewerbsdruck belasten das Geschäft.

Das neue Ergebnisverbesserungsprogramm folgt auf die bereits im November 2024 angekündigten Strukturmaßnahmen sowie den Abschluss von 1.800 Altersteilzeitverträgen Anfang Oktober. Ziel ist es, Überkapazitäten abzubauen, Entwicklungskapazitäten anzupassen, Personalkosten zu senken und die Organisationsstruktur zu vereinfachen.

Werke in Dortmund, Morbach, Berlin und Schwalbach betroffen

Von den geplanten 3.460 Stellenstreichungen entfallen rund 50 Prozent auf die Produktion, 30 Prozent auf Forschung und Entwicklung sowie 20 Prozent auf weitere Unternehmensbereiche. Insgesamt sind 16 europäische Standorte betroffen.

In Deutschland sollen unter anderem die Werke in Dortmund und Morbach geschlossen werden. Am Standort Dortmund beschäftigt Schaeffler derzeit rund 430 Mitarbeiter, in Morbach etwa 160. Beide Werke gehören zur Sparte Powertrain & Chassis und produzieren Komponenten für Verbrennungsmotoren.

Darüber hinaus plant Schaeffler, die Aktivitäten am Standort Berlin mit rund 270 Beschäftigten einzustellen und den Standort Schwalbach aufzugeben. Ein Großteil der etwa 385 Mitarbeiter in Schwalbach soll an den Standort Frankfurt wechseln. Insgesamt sind dort rund 190 Stellen vom Abbau betroffen.

Weitere Anpassungen sind im Werkzeugbau am Standort Höchstadt sowie im Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt vorgesehen. Auch in Herzogenaurach, Bühl, Nürnberg und Regensburg sollen Kapazitäten und Strukturen angepasst werden.

Außerhalb Deutschlands betreffen die Maßnahmen unter anderem die französischen Standorte Haguenau und Toulouse sowie Skalica und Kysuce in der Slowakei. Der belgische Produktionsstandort Herstal mit rund 15 Beschäftigten soll ebenfalls geschlossen werden.

Freiwilliger Gehaltsverzicht soll Stellenabbau begrenzen

Neben den strukturellen Maßnahmen plant Schaeffler einen sogenannten Solidaritätsbeitrag. Dieser soll unter anderem einen vorübergehenden freiwilligen Gehaltsverzicht umfassen, der beim Vorstand beginnt und sich über sämtliche Hierarchieebenen erstreckt.

Mit dem Beitrag will das Unternehmen die Personalkosten pro Mitarbeiter reduzieren und damit zusätzliche Stellenstreichungen sowie Restrukturierungskosten begrenzen. Die Maßnahme muss noch mit den zuständigen Gremien abgestimmt werden und soll sich insbesondere in den Jahren 2027 und 2028 positiv auf das Ergebnis auswirken.

Nach Unternehmensangaben entsprechen die geplanten 2.660 Stellenstreichungen in Deutschland rund neun Prozent der Stammbelegschaft, die Ende September 2026 insgesamt 31.957 Mitarbeiter umfasste. Unter Berücksichtigung früherer Programme und bereits vereinbarter Altersteilzeitregelungen steigt dieser Anteil auf etwa 18 Prozent.

Jährliche Einsparungen von 300 Millionen Euro ab 2030

Schaeffler erwartet durch das Programm ab 2030 jährliche Ergebnisverbesserungen von rund 300 Millionen Euro. Gleichzeitig rechnet das Unternehmen mit einmaligen Restrukturierungskosten von etwa 480 Millionen Euro. Der überwiegende Teil soll bereits 2026 als Rückstellung verbucht werden.

Die strukturellen Maßnahmen sollen hauptsächlich in den Jahren 2027 und 2028 umgesetzt werden. Nach Angaben des Unternehmens soll der Stellenabbau möglichst sozialverträglich und in enger Abstimmung mit Arbeitnehmervertretungen und Betriebsräten erfolgen.

Trotz der Einschnitte bekräftigt Schaeffler sein Bekenntnis zum Produktionsstandort Deutschland. Das Unternehmen will seine Fertigungs- und Entwicklungskompetenzen stärker in regionalen Clustern bündeln und die Zahl der Hierarchieebenen reduzieren.

Robotik und Verteidigung als neue Wachstumsfelder

Parallel zur Restrukturierung setzt Schaeffler seine Strategie fort, sich zu einem breiter aufgestellten Motion-Technology-Unternehmen zu entwickeln. Dabei sollen neue Geschäftsfelder die rückläufigen Aktivitäten im klassischen Automobilgeschäft zumindest teilweise ersetzen.

Besondere Wachstumschancen sieht der Konzern in der humanoiden Robotik und der Verteidigungsindustrie. Nach Angaben von Produktionsvorstand Jochen Schröder kann Schaeffler dabei auf technologische Kompetenzen zurückgreifen, die ursprünglich im Kerngeschäft entwickelt wurden.

Mit der Diversifizierung will das Unternehmen seine Abhängigkeit vom Automobilmarkt verringern und langfristig neue Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen.


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