KI-Boom verändert MLCC-Markt – chinesische Hersteller gewinnen an Bedeutung
Japanische und südkoreanische MLCC-Hersteller verlagern ihre Kapazitäten zunehmend von Consumer-Anwendungen hin zu margenstärkeren KI-Anwendungen. Laut TrendForce eröffnet diese Entwicklung chinesischen Anbietern neue Chancen in den Lieferketten internationaler Elektronikhersteller.
Der Markt für Multi-Layer Ceramic Capacitors (MLCCs) befindet sich nach Einschätzung von TrendForce in einem strukturellen Wandel. Die steigende Nachfrage aus dem KI-Sektor verdrängt zunehmend traditionelle Anwendungen. Führende japanische und südkoreanische Hersteller reduzieren daher das Angebot von MLCCs für Consumer-Produkte und verlagern Produktionskapazitäten auf Anwendungen rund um KI-Server und Rechenzentren.
Ein Beispiel dafür ist Murata. Das Unternehmen kündigte am 10. September an, bestimmte Produkte einzustellen, darunter allgemeine GRM-Typen für Consumer-Anwendungen sowie einige Komponenten für den Automobilbereich. Betroffen sind laut TrendForce insbesondere Produkte mit Bruttomargen von weniger als fünf Prozent. Stattdessen will sich Murata stärker auf fortschrittliche, miniaturisierte MLCCs mit hoher Kapazität für KI-Server, Rechenzentren und Automobilelektronik konzentrieren.
Bestellungen für die betroffenen Produkte sollen noch bis 2028 angenommen werden, die letzten Auslieferungen sind für 2029 vorgesehen. Der dreijährige Übergangszeitraum soll Lieferengpässe wie im Jahr 2018 vermeiden. Gleichzeitig sieht TrendForce darin einen langfristigen Trend japanischer und südkoreanischer Anbieter, das Angebot bei Consumer-MLCCs und Komponenten für weniger anspruchsvolle Automotive-Anwendungen zu reduzieren.
Davon könnten insbesondere chinesische MLCC-Hersteller profitieren. Nach Angaben von TrendForce führen die durch KI verursachte Verlagerung von Produktionskapazitäten und der damit verbundene Kostendruck dazu, dass internationale Hersteller verstärkt alternative Lieferanten prüfen. Dell, HP, ASUS und Acer haben demnach bereits chinesische Speicheranbieter qualifiziert. Über ODMs wie Huaqin, LCFC und Luxshare haben die Unternehmen zudem mit der Qualifizierung von MLCCs chinesischer Hersteller wie Viiyong und Chaozhou Three-Circle begonnen. Auch Quanta und Pegatron haben Chaozhou Three-Circle besucht und entsprechende Qualifizierungsverfahren eingeleitet.
TrendForce erwartet, dass sich das Angebot an Consumer-MLCCs mit mittlerer bis hoher Kapazität weiter verknappen wird, wenn japanische und südkoreanische Hersteller ihre Produktionskapazitäten verstärkt auf hochwertige KI-Anwendungen ausrichten. Dadurch könnten zusätzliche Aufträge an chinesische Anbieter gehen.
Bei hochwertigen MLCCs für KI-Server dürften chinesische Hersteller aufgrund begrenzter Produktionskapazitäten und Herausforderungen bei der Ausbeute kurzfristig allerdings noch nicht mit den führenden japanischen und südkoreanischen Unternehmen konkurrieren können. Als alternative Bezugsquellen für Standardserver, Unterhaltungselektronik und weniger anspruchsvolle Automotive-Anwendungen dürften sie laut TrendForce jedoch zunehmend von internationalen OEMs und ODMs berücksichtigt werden.




