Hyperscaler verändern die Elektronikfertigung – was bedeutet das für Europa?
Wenn vier Unternehmen in einem einzigen Jahr Investitionen von 700 Milliarden US-Dollar planen, folgt die Fertigungskapazität dem Geld. Das ist eine der zentralen Erkenntnisse aus den Untersuchungen, die in4ma und EMSNOW im Laufe des Jahres 2026 vorgestellt haben und der Ausgangspunkt für Mareike Haass von in4ma bei ihrem Vortrag auf der Evertiq Expo Göteborg am 17. September.
Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft werden voraussichtlich 700 bis 725 Milliarden US-Dollar in KI-Infrastruktur im Jahr 2026 investieren mehr als der Jahresumsatz der gesamten globalen EMS-Industrie. Hinzu kommen chinesische Hyperscaler wie Alibaba Cloud, Tencent und ByteDance, die ihre eigene KI-Infrastruktur ausbauen und damit zusätzlichen Druck auf asiatische Hersteller ausüben.
Die Auswirkungen sind in der gesamten Lieferkette zu spüren. Leiterplattenhersteller reduzieren die Produktion von Standard-PCBs zugunsten margenstärkerer Projekte für KI-Server. Die Preise für Laminate stiegen im ersten Halbjahr 2026 um bis zu 40 Prozent. Gleichzeitig verlängern sich die Lieferzeiten, und Anbieter verlangen zunehmend Vorauszahlungen.
Der Engpass hat sich damit verlagert. Es geht längst nicht mehr nur um Halbleiter, sondern zunehmend um fortschrittliche Laminate, ABF-Substrate, Kupferfolien und Glasfasergewebe.
Das Wachstum findet vor allem in Asien statt. Taiwan und China stehen zusammen für 82,7 Prozent des weltweiten Produktionswerts im EMS- und ODM-Bereich. Im Jahr 2025 verzeichnete Taiwan ein Wachstum von 42,3 Prozent, während Foxconn allein um 20,3 Prozent zulegte. Europa wuchs dagegen lediglich um 5,8 Prozent – der schwächste Wert unter allen großen Regionen.
Auf Grundlage der neuesten Zahlen aus den Global EMS Top 100 wird Haass untersuchen, wo das Wachstum derzeit stattfindet, welche Regionen und EMS-Anbieter am stärksten davon profitieren und wie die Nachfrage der Hyperscaler die globale Fertigungslandschaft verändert.
Die Ergebnisse präsentiert sie am 17. September auf der Evertiq Expo Göteborg.
Doch was bedeutet diese Entwicklung für Europa und insbesondere für die nordische und schwedische Elektronikindustrie? Wie wirkt sich die Verschiebung des globalen EMS-Marktes auf eine Region aus, deren Kunden- und Fertigungsstruktur sich deutlich von derjenigen in Asien unterscheidet?


