Proxima Fusion plant eine der ersten großindustriellen HTS-Fertigungen Europas in Niedersachsen
Das Münchner Unternehmen für Stellarator-Fusion Proxima Fusion und das Land Niedersachsen wollen eine großindustrielle Produktion für fusionsgeeignetes Hochtemperatur-Supraleiter-Band (HTS-Band) aufbauen und dafür in den ersten beiden Projektphasen rund 140 Millionen Euro investieren. Das geht aus einer Mitteilung von Proxima Fusion vom 9. September hervor. Mit der Fertigung will Proxima einen zentralen Produktionsschritt der Stellarator-Lieferkette nach Europa holen. Bislang wird HTS-Band insbesondere in Asien im großen industriellen Maßstab hergestellt.
HTS-Band für Alpha und Stellaris
Die geplante Fabrik soll fusionsgeeignetes HTS-Band für die leistungsstarken Magnete von Stellaratoren herstellen. Das spezielle metallische Band wird bei vergleichsweise hohen Temperaturen supraleitend und kann elektrische Ströme dann praktisch ohne Widerstandsverluste transportieren. So lassen sich besonders starke und kompakte Elektromagnete bauen, die in Stellaratoren das extrem heiße Plasma einschließen und kontrollieren.
Proxima rechnet nach aktueller Planung mit rund 20.000 Kilometern HTS-Band für den Fusionsdemonstrator Alpha und weiteren 40.000 Kilometern für das geplante Kraftwerk Stellaris. Der künftige Produktionsstandort wäre laut Mitteilung einer der ersten seiner Art in Deutschland und Europa. Langfristig soll die Fertigung auch eine industrielle Grundlage für die Serienproduktion von Stellaratoren schaffen.
Europäische Lieferkette für Stellarator-Technik
HTS-Band wird bislang vornehmlich in Asien im großen industriellen Maßstab hergestellt. Proxima will deshalb Fertigungskapazitäten in Europa aufbauen und die Stellarator-Lieferkette nahezu vollständig hier ansiedeln. Langfristige Abnahmemengen sollen nach Unternehmensangaben den industriellen Hochlauf unterstützen, Produktions-Know-how sichern und die Kosten pro Meter senken. In der europäischen Industrieallianz Alpha Alliance arbeiten bereits mehr als 50 Unternehmen an Systemen, Fertigungsverfahren, Infrastrukturen und Integrationsleistungen für den Fusionsdemonstrator Alpha.
Die geplante HTS-Produktion könnte auch andere Hochtechnologiebereiche versorgen, etwa leistungsfähige Stromnetze, medizinische Bildgebung und Therapie sowie fortschrittliche Antriebssysteme und weitere Hochfeldmagnet-Anwendungen.
Dr. Francesco Sciortino, Mitgründer und CEO von Proxima Fusion, sagte: „HTS-Band ist eine der Schlüsseltechnologien dafür, um Fusion industriell schnell zu skalieren. Alpha und Stellaris schaffen die Nachfrage, um dieses Produktions-Know-how vor Ort aufzubauen.“
Falko Mohrs, Niedersachsens Minister für Wissenschaft und Kultur, erklärte: „Unsere Forschungseinrichtungen verfügen über gezielte Stärken in den Schlüsseltechnologien der Fusion, dazu zählen die Bereiche Laserphysik und Photonik. Die geplante Ansiedlung zeigt, wie wichtig die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft zur Bildung neuer Stärken für Niedersachsen ist.“
Proxima und das Land Niedersachsen prüfen geeignete Standorte und wollen eine meilensteinbasierte Unterstützungs- und Förderstruktur ausarbeiten. Die Absichtserklärung umfasst außerdem die Begleitung der Genehmigungsverfahren und Kooperationen mit Unternehmen, Kommunen und Forschungseinrichtungen. Für die ersten beiden Projektphasen bis Ende 2029 sind Investitionen von rund 140 Millionen Euro geplant. Die Finanzierung soll je zur Hälfte aus privaten Mitteln und öffentlicher Förderung kommen; Niedersachsen will dafür derzeit 21 Millionen Euro bereitstellen.




