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Elektronikproduktion |

Wacker-Werk in Tennessee gerät durch neue US-Handelsregeln unter Druck

Neue US-Handelsmaßnahmen zum Schutz der heimischen Halbleiter-Lieferkette könnten für Wacker Chemie unbeabsichtigte Folgen haben. Das Polysilizium-Werk des deutschen Konzerns in Charleston, Tennessee, hat laut Reuters seine beiden verbliebenen Kunden verloren. Wacker erklärte nach Veröffentlichung des Berichts allerdings, derzeit keine Pläne zur Schließung des Standorts zu haben.

Das US-Werk von Wacker Chemie in Charleston, Tennessee, steht unter zunehmendem wirtschaftlichen Druck. Wie Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, haben neue Handelsmaßnahmen der US-Regierung dazu geführt, dass die Fabrik ihre beiden verbliebenen Kunden verloren hat. In dem Werk arbeiten rund 600 Beschäftigte. Produziert wird Polysilizium, das unter anderem für Halbleiter und Solaranwendungen benötigt wird.

Nach Angaben der Reuters-Quellen soll Wacker in den kommenden Wochen über die Zukunft des Standorts entscheiden. Reuters konnte die Namen der beiden betroffenen Kunden nicht unabhängig bestätigen. Nach Veröffentlichung des Berichts erklärte Wacker jedoch ausdrücklich, dass das Unternehmen „keine Pläne“ habe, das Werk in Charleston zu schließen.

Hintergrund sind im August angekündigte US-Handelsmaßnahmen, die eigentlich den Einsatz von in den USA produziertem Polysilizium fördern sollen. Dazu gehören ein Mindestpreis sowie Zölle auf importierte Polysilizium-Ingots, Wafer, Solarzellen und Solarmodule. Die Regeln unterscheiden jedoch nicht danach, ob das für die Produkte verwendete Polysilizium aus den USA, China oder einem anderen Land stammt.

Damit bleibt ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil für US-Produzenten bestehen. Nach Angaben des Marktforschungsunternehmens Bernreuter Research kann amerikanisches Polysilizium bis zu viermal teurer sein. Wacker erklärte gegenüber Reuters, die derzeitige Ausgestaltung der Maßnahmen unterstütze den Einsatz von in den USA hergestelltem Polysilizium nicht effektiv. Das Unternehmen befinde sich jedoch in Gesprächen mit der US-Regierung über mögliche Lösungen.

Die Entwicklung ist auch für die amerikanische Halbleiter-Lieferkette von Bedeutung. Neben Wacker produziert nur noch Hemlock Semiconductor Polysilizium in den USA. Gleichzeitig haben chinesische Hersteller, die bereits den Markt für Polysilizium für Solaranwendungen dominieren, ihren Anteil bei dem höherwertigen Material für die Halbleiterindustrie ausgebaut.

Die US-Regierung kann Unternehmen, die in die heimische Polysilizium-Produktion investieren, zusätzliche Anreize anbieten. Diese müssen allerdings individuell mit den jeweiligen Unternehmen ausgehandelt werden. Eine Sprecherin beziehungsweise ein Sprecher der Regierung erklärte Reuters, dass weiterhin Gespräche mit der Industrie geführt würden, um die Strategie zur Rückverlagerung der Polysilizium-Produktion in die USA auszugestalten.

Wacker kämpft bereits seit längerem mit dem starken Wettbewerb aus China. Neben dem Standort in Tennessee betreibt der Münchner Konzern zwei Polysilizium-Werke in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte Wacker bereits Stellen in Charleston abgebaut. Das Werk wurde ursprünglich mit Investitionen von rund 2,5 Milliarden US-Dollar errichtet.

Wacker-Chef Christian Hartel hatte bereits vor Bekanntgabe der neuen US-Maßnahmen darauf hingewiesen, dass der Konzern möglicherweise über ein Polysilizium-Werk zu viel verfüge, falls die erwarteten handelspolitischen Maßnahmen keine ausreichende Unterstützung bringen sollten. Berenberg-Analyst Sebastian Bray hält laut Reuters die Schließung eines der drei Wacker-Standorte für möglich, allerdings nicht zwingend in Tennessee. Weitere Klarheit könnte der Kapitalmarkttag des Unternehmens am 17. September bringen.


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