Anthropic prüft Zusammenarbeit mit KI-Chip-Startup MatX
Anthropic hatte offenbar eine milliardenschwere Übernahme des KI-Chip-Startups MatX erwogen. Die Gespräche haben sich inzwischen laut Reuters in Richtung einer möglichen Partnerschaft entwickelt. Der Schritt ist Teil der Bemühungen des KI-Unternehmens, eigene Chips zu entwickeln und seine Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren.
Der KI-Entwickler Anthropic hat über eine Übernahme des Chip-Startups MatX für rund 7 Milliarden US-Dollar gesprochen. Das berichtet Reuters unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Die Übernahmegespräche seien inzwischen nicht mehr aktiv und hätten sich laut einer weiteren Quelle zu Gesprächen über eine mögliche Partnerschaft entwickelt.
MatX wurde von ehemaligen Entwicklern der Tensor Processing Units (TPUs) von Google gegründet und arbeitet an Prozessoren, die für das Training großer KI-Modelle eingesetzt werden können. Das Startup bemüht sich Reuters zufolge derzeit um neues Kapital bei einer Bewertung von rund 4 Milliarden US-Dollar. Anthropic wollte sich zu den Gesprächen nicht äußern, MatX reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters.
Hinter den Gesprächen steht Anthropics wachsendes Interesse an eigener Halbleitertechnologie. Das Unternehmen baut derzeit ein internes Silicon-Team auf, das maßgeschneiderte Chips entwickeln soll, auf denen die Claude-KI-Modelle schneller und effizienter ausgeführt werden können. Gleichzeitig will Anthropic weiterhin auf mehrere Chipanbieter setzen, darunter Nvidia und Google.
Eine Übernahme eines Chip-Startups wie MatX könnte Anthropic zusätzliche Entwicklungskompetenz verschaffen und langfristig die Kosten für die benötigte Rechenleistung reduzieren. Die Entwicklung eigener Chips ist allerdings aufwendig: Laut Reuters kann es mindestens ein Jahr dauern, einen einsatzfähigen Prozessor zu entwickeln, während die Entwicklungskosten einer einzigen Generation mehrere hundert Millionen US-Dollar erreichen können.
Anthropic investiert bereits massiv in Rechenkapazitäten. Das Unternehmen plant unter anderem den Kauf von Google-KI-Chips im Wert von 36 Milliarden US-Dollar und hat einen Vertrag über 45 Milliarden US-Dollar für KI-Cloud-Rechenleistung mit Nscale geschlossen. Hinzu kommen weitere Vereinbarungen zur Sicherung von Rechenkapazitäten für seine KI-Modelle.
MatX ist dabei offenbar nicht der einzige mögliche Partner. Anthropic hat Reuters zufolge in den vergangenen Wochen Gespräche mit mehreren KI-Chip-Startups geführt, bislang jedoch keine Entscheidung über eine Übernahme getroffen. Die Treffen sollen dem Unternehmen dabei helfen, unterschiedliche Ansätze für zukünftige Chipdesigns zu bewerten.
Gleichzeitig verstärkt Anthropic sein eigenes Hardware-Team. In dieser Woche verpflichtete das Unternehmen den ehemaligen Google-Chipentwickler Amir Salek. Bereits im Juni kam der frühere OpenAI-Chipingenieur Clive Chan hinzu.
Mit eigenen Prozessoren könnte Anthropic nicht nur Leistung und Kosten seiner KI-Infrastruktur optimieren, sondern sich auch gegen mögliche Lieferengpässe bei Nvidia-Chips absichern. Nvidia hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass das Angebot seiner Prozessoren voraussichtlich bis 2027 knapp bleiben werde.





