Samsung und SK Hynix testen chinesische Chipanlagen als Absicherung gegen US-Exportkontrollen
Laut einem Bericht von Reuters prüfen die südkoreanischen Speicherchiphersteller Samsung Electronics und SK Hynix Chipfertigungsanlagen des chinesischen Ausrüsters Advanced Micro-Fabrication Equipment (AMEC). Hintergrund sind wachsende Sorgen über mögliche weitere Verschärfungen der US-Exportkontrollen für Halbleitertechnologie.
Wie Reuters unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtet, begannen beide Unternehmen bereits vor rund zwei Jahren damit, AMEC-Ätzanlagen zu testen. Zu diesem Zeitpunkt war unklar, ob Washington den Unternehmen auch künftig den Import westlicher Chipfertigungsanlagen für ihre Werke in China erlauben würde.
Sowohl Samsung als auch SK Hynix wiesen gegenüber Reuters jedoch zurück, AMEC-Anlagen für den Einsatz in ihren chinesischen Fabriken zu testen. Dennoch zeigen die Evaluierungen laut Reuters, wie sich die Unternehmen auf mögliche weitere Einschränkungen vorbereiten.
Die USA hatten den chinesischen Werken von Samsung und SK Hynix zunächst den Status eines „Validated End User“ (VEU) eingeräumt, wodurch bestimmte US-Halbleiteranlagen ohne Einzelgenehmigung importiert werden konnten. Diese Regelung wurde jedoch 2025 aufgehoben. Für das Jahr 2026 erhielten beide Unternehmen stattdessen eine jährlich zu erneuernde Exportlizenz. Reuters zufolge befürchten die Hersteller, dass künftige Beschränkungen nicht nur neue Anlagen, sondern auch Wartung, Reparaturen oder Ersatzteile für bereits installierte westliche Ausrüstung betreffen könnten.
Vor diesem Hintergrund dienen chinesische Ausrüster als mögliche Absicherung, um bestehende Produktionslinien in China weiterhin betreiben und modernisieren zu können – nicht jedoch, um die Fertigungskapazitäten auszubauen. Samsung betreibt ein NAND-Flash-Werk in Xi'an, während SK Hynix NAND-Speicher in Dalian sowie DRAM-Chips in Wuxi produziert. Diese Fabriken sind bislang stark auf Ätzanlagen von US-Unternehmen wie Applied Materials und Lam Research angewiesen.
Für AMEC wäre eine Zulassung durch Samsung oder SK Hynix ein wichtiger Meilenstein. Reuters zufolge haben chinesische Hersteller in Bereichen wie Ätz-, Beschichtungs-, Reinigungs- und Planarisierungstechnik technologisch deutlich aufgeholt und bieten ihre Anlagen häufig 20 bis 30 Prozent günstiger an als internationale Wettbewerber. AMEC-Anlagen kommen bereits bei chinesischen Speicherherstellern wie Yangtze Memory Technologies (YMTC) zum Einsatz.
Marktbeobachter sehen darin eine langfristige Herausforderung für etablierte Ausrüster wie Applied Materials, Lam Research, KLA sowie japanische und europäische Hersteller. Laut einer Schätzung der Deutschen Bank, auf die sich Reuters beruft, könnten chinesische Anbieter wie Naura, AMEC, Piotech und ACM Research im Jahr 2026 jeweils einen Jahresumsatz von mehr als 1 Milliarde US-Dollar erzielen. Zusammen könnten sie 25 bis 30 Prozent des chinesischen Marktes für Wafer-Fertigungsanlagen erobern – ohne Lithografie- und Messtechnik sogar bis zu 40 Prozent.
