Frankenburg eröffnet Raketenmontagewerk für Flugabwehrsysteme in Riga
Der estnische Rüstungsspezialist Frankenburg Technologies hat in Riga eine Montagefabrik für Flugabwehrraketen eröffnet. Das teilte das Unternehmen am 23. Juni mit. Der Standort soll Teil eines neuen Fertigungssystems für bezahlbare Raketenproduktion in hohen Stückzahlen werden. Bis Ende 2026 will Frankenburg in Lettland eine Kapazität von bis zu 100 Raketen pro Tag erreichen.
Montage und Systemintegration für das Flugabwehrraketensystem Mark I
Die neue Fabrik in Riga ist der erste operative Baustein für Frankenburgs Mark-I-Produktion. Nach Unternehmensangaben montiert das Unternehmen dort Raketenelektronik und Teile des Waffensystems. Die neue Anlage übernimmt auch die Einbindung der Feuerleittechnik und die Prüfung der Baugruppen während der Fertigung. Auf einer Fläche von rund 1.000 Quadratmetern plant Frankenburg bis zu 50 Arbeitsplätze.
Aus der neuen Anlage in Riga soll nach Unternehmensangaben ein Zwei-Standort-System in Lettland entstehen. Frankenburg plant dafür eine zweite Produktionsstätte im lettischen Ādaži, an der die Endmontage stattfinden soll. Beide Werke zusammen sollen den Kern des ersten vollständigen FieldFoundry-Produktionssystems des Unternehmens bilden. Bis Ende 2026 peilt Frankenburg damit die Herstellung von bis zu 100 Raketen pro Tag an. Im Jahr 2026 sollen zunächst 1.500 Raketen entstehen; danach soll die Produktion schrittweise wachsen.
Kusti Salm, CEO von Frankenburg Technologies, sagte: „Die Ära bezahlbarer Verteidigungsraketen ist angebrochen. Zu lange waren gelenkte Raketen knapp, teuer und nur langsam wieder nachzuliefern. Frankenburg zeigt, dass sie anders gebaut werden können: mit der Geschwindigkeit und Präzision von Raketen, aber mit einer Produktionslogik der Skalierung, die Kosten senkt. Riga zeigt, wie dieses Modell in der Praxis aussieht: kompakt, schnell aufzubauen, mit geringerem Kapitalbedarf und skalierbar über verbündete Länder hinweg.“
Bezahlbare Flugabwehr in hohen Stückzahlen
Europa benötigt nach Darstellung von Frankenburg deutlich mehr industrielle Kapazität für die Flugabwehr. Aus Unternehmenssicht trifft Europas Luftverteidigung auf ein Mengenproblem: Bewaffnete Drohnen sind in großer Zahl verfügbar, gelenkte Abfangraketen bleiben dagegen knapp, teuer und nur langsam nachlieferbar. Mark I soll eine Antwort auf diese Bedrohungslage liefern: Das System ist für massenhafte Drohnen- und Luftbedrohungen entwickelt und soll die Kosten pro Abfangvorgang um mehr als den Faktor zehn senken.
Mit FieldFoundry will Frankenburg nach eigenen Angaben verbündeten Staaten helfen, Raketensysteme schneller lokal zu fertigen. Das Modell setzt auf modulare Produktionsstationen und soll Fertigungsschritte so vereinheitlichen, dass neue Linien schneller anlaufen können. Damit will das Unternehmen lange Lieferketten verkürzen und Bestände näher am Einsatzbedarf auffüllen. Weitere FieldFoundry-Standorte sind in Estland, Großbritannien und Polen geplant; langfristig strebt Frankenburg eine Jahreskapazität von einer Million Raketen an.
Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Weltraum, sagte: „Europa muss in der Lage sein, von begrenzter und teurer Produktion zu bezahlbaren Systemen überzugehen, die in größeren Stückzahlen hergestellt werden. Frankenburgs Arbeit in Riga ist ein Beispiel für den industriellen Anspruch und das neue Denken, das Europa braucht, um seine Verteidigungsbereitschaft zu stärken.“





