Frankenburg eröffnet Raketenfabrik in Lettland
Frankenburg Technologies hat in Riga eine neue Produktionsstätte für Flugabwehrraketensysteme und Lenkflugkörper eröffnet. Es handelt sich um die erste Raketenfabrik in den baltischen Staaten und gleichzeitig um den ersten Standort des neuen Produktionsmodells „FieldFoundry“, mit dem das Unternehmen die kostengünstige Serienfertigung von Flugabwehrwaffen ermöglichen will.
Das Werk in Riga übernimmt die Montage der Raketenelektronik, den Zusammenbau der Waffensysteme, die Integration der Feuerleitsysteme sowie Produktionstests und die Qualitätskontrolle. Die Fabrik wurde innerhalb von zwölf Monaten errichtet, umfasst rund 1.000 Quadratmeter und soll künftig bis zu 50 Mitarbeiter beschäftigen. Für 2026 plant Frankenburg die Produktion von 1.500 Flugkörpern und will die Fertigung schrittweise von Kleinserien auf Massenproduktion ausweiten.
Hergestellt wird der Flugkörper Mark I – das erste von Frankenburg entwickelte Lenkflugabwehrsystem zur Bekämpfung von Drohnen und anderen Luftzielen. Nach Angaben des Unternehmens soll die Lösung die Kosten für das Abfangen eines Ziels im Vergleich zu bestehenden Systemen um mehr als das Zehnfache senken und gleichzeitig eine großskalige Produktion für europäische Staaten und ihre Verbündeten ermöglichen.
„Das Zeitalter erschwinglicher Flugabwehrraketen hat begonnen. Zu lange waren Lenkflugkörper knapp, teuer und nur langsam nachproduzierbar. Frankenburg zeigt, dass es auch anders geht: mit der Geschwindigkeit und Präzision moderner Flugkörper, kombiniert mit einer industriellen Serienfertigung, die die Kosten deutlich senkt. Riga zeigt, wie dieses Modell in der Praxis aussieht – kompakt, schnell aufzubauen, kapitaleffizient und in verbündeten Ländern skalierbar“, sagte Kusti Salm, CEO von Frankenburg Technologies.
Die Fabrik in Riga bildet den ersten Baustein des sogenannten FieldFoundry-Modells, das auf dezentralen Produktionskapazitäten basiert. Das Konzept setzt auf modulare Montagelinien, standardisierte Prozesse und Lean-Manufacturing-Methoden. Die Fertigung kann sowohl in bestehenden Industriegebäuden als auch in temporären Einrichtungen oder Containeranlagen eingerichtet werden.
„Europa muss den Wandel von einer begrenzten und kostspieligen Produktion hin zu bezahlbaren Verteidigungssystemen in großen Stückzahlen schaffen. Das Werk von Frankenburg in Riga ist ein Beispiel für den industriellen Ehrgeiz und das neue Denken, das Europa benötigt, um seine Verteidigungsbereitschaft zu stärken“, sagte Andrius Kubilius, EU-Kommissar für Verteidigung und Raumfahrt.
Als nächster Schritt ist die Inbetriebnahme eines Endmontagewerks im lettischen Ādaži geplant. Gemeinsam mit der Fabrik in Riga soll dort das erste vollständige FieldFoundry-Produktionssystem entstehen.
Nach Unternehmensangaben sollen beide Standorte bis Ende 2026 eine Produktionskapazität von bis zu 100 Flugkörpern pro Tag erreichen. Das Konzept soll verbündeten Staaten helfen, lokale Produktionskapazitäten schneller aufzubauen, die Abhängigkeit von komplexen Lieferketten zu reduzieren und Munitionsbestände näher am Einsatzort aufzufüllen.
„Die Verteidigungsindustrie tritt in das Zeitalter der Massenproduktion ein. Es gibt bereits Millionen bewaffneter Drohnen, und die freie Welt benötigt nun die industrielle Kapazität, um ihnen zu begegnen. Eine Million Flugkörper pro Jahr erscheint unmöglich – bis jemand ein System entwickelt, das genau das ermöglicht. Frankenburg baut dieses Netzwerk bereits auf und eröffnet weitere FieldFoundry-Standorte“, sagte Taavi Madiberk, Vorsitzender des Aufsichtsrats von Frankenburg Technologies.


