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He-Tingbo
© Huawei
Elektronikproduktion |

Huawei schlägt Tau-Scaling-Gesetz als Nachfolger von Moores Gesetz vor

Auf dem IEEE International Symposium on Circuits and Systems in Shanghai hat Huawei am 25. Mai das sogenannte Tau-Scaling-Gesetz (τ Scaling Law) vorgestellt – ein neues Konzept für die Weiterentwicklung von Halbleitern, das nach Ansicht des Unternehmens Moores Gesetz ablösen könnte, welches die Branche seit mehr als fünf Jahrzehnten geprägt hat.

Das τ-Scaling-Gesetz wurde in einer Keynote von He Tingbo, Präsidentin von Huaweis Semiconductor Business Department, präsentiert. Der zentrale Ansatz besteht darin, den Fokus von geometrischer Skalierung – also der Verkleinerung von Transistoren gemäß Moores Gesetz – hin zu einer zeitbasierten Skalierung zu verschieben.

Anstatt Fortschritt anhand immer kleinerer Transistorstrukturen zu messen, bewertet τ Scaling die Verringerung von Signalverzögerungen innerhalb des gesamten Systems. Ziel ist es, die Zeitkonstante τ über alle Ebenen hinweg zu reduzieren – vom einzelnen Transistor über Interconnects und Chips bis hin zu kompletten Rechensystemen.

Huawei argumentiert, dass Moores Gesetz zunehmend an physikalische Grenzen und sinkende wirtschaftliche Effizienz stößt. Die weitere Verkleinerung von Transistoren werde immer schwieriger und teurer, während die jahrzehntelang entscheidenden Kostenvorteile pro Transistor weitgehend verloren gingen.

Im Zentrum von Huaweis Ansatz steht eine Technologie namens „LogicFolding“. Diese soll die physischen Grenzen klassischer Schaltungsdesigns aufbrechen und kritische Signalwege deutlich verkürzen. Zusätzlich beschreibt Huawei einen mehrstufigen Co-Optimierungsansatz über Geräte-, Schaltungs-, Chip- und Systemebene hinweg – einschließlich eines neuen Interconnect-Protokolls namens „UnifiedBus“ für KI-Rechensysteme.

Nach Angaben des Unternehmens wurden in den vergangenen sechs Jahren bereits 381 Chips auf Basis des τ-Scaling-Gesetzes entwickelt und in Serienproduktion gebracht. Die für Herbst 2026 geplanten Kirin-Chips sollen die ersten Produkte mit LogicFolding-Architektur sein.

Bis 2031 erwartet Huawei laut eigenen Angaben, dass Hochleistungschips auf Basis des τ-Scaling-Gesetzes eine Transistordichte erreichen könnten, die einem 1,4-Nanometer-Prozess entspricht.

„Kein einzelnes Unternehmen kann den gesamten Weg der Halbleiterentwicklung allein bewältigen“, sagte He Tingbo laut Pressemitteilung. „Mit dem τ-Scaling-Gesetz freuen wir uns auf eine enge Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern, Ingenieuren und Industriepartnern weltweit.“

Huawei betont jedoch selbst, dass das τ-Scaling-Gesetz bislang ein unternehmenseigenes Konzept ist, das noch nicht unabhängig validiert oder von der Halbleiterindustrie allgemein übernommen wurde. Auch die Prognosen zur Transistordichte bis 2031 basieren auf internen Schätzungen des Unternehmens.


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