Die nächsten zwei Jahre bringen keine Abkürzungen – Realitätsschock für den Speichermarkt
Nach seinem Vortrag auf der Evertiq Expo Zürich sprach Nikolaos Florous von Memphis Electronics mit Evertiq ausführlicher über die aktuelle Entwicklung des Speichermarktes. Seine Einschätzung: Die Bedingungen bleiben schwierig – und Einkaufsabteilungen, die ihre Strategien bislang nicht angepasst haben, verlieren zunehmend Zeit.
Laut Florous befindet sich der Speichermarkt nicht nur in einer vorübergehenden Schwächephase, sondern durchläuft einen grundlegenden strukturellen Wandel, dessen Konsequenzen viele Unternehmen noch nicht vollständig verstanden haben.
„Wir sehen einen Speichermarkt, dessen Regeln sich in jüngster Zeit verändert haben“, sagte Florous. „Getrieben von der KI-Ökonomie entstehen neue Standards bei Versorgung, Investitionen und Produktionskapazitäten. Nichts kommt heutzutage einfach.“
Seiner Einschätzung nach werden die angespannten Marktbedingungen – sowohl bei älteren als auch bei modernen Fertigungsprozessen – mindestens noch zwei weitere Jahre anhalten.
Warum erst 2027 Entspannung erwartet wird
Die Ursache liegt laut Florous vor allem im Investitionszyklus der Branche. Bedeutende Kapazitätserweiterungen basieren auf Investitionsentscheidungen aus den Jahren 2021 und 2022. Der Aufbau neuer Fertigungslinien benötige jedoch mindestens fünf Jahre bis zur vollständigen Produktionsreife.
„Diese Investitionen benötigen mindestens fünf Jahre bis zur vollständigen Umsetzung“, sagte Florous. „Mit spürbaren zusätzlichen Kapazitäten rechnen wir frühestens Ende 2027.“
Ein Markt teilt sich in zwei Welten
Die aktuelle Situation sei zudem deshalb komplex, weil der Markt nicht mehr einheitlich funktioniere. Große Speicherhersteller wie Samsung, SK Hynix und Micron konzentrieren sich zunehmend auf margenstärkere Produkte wie DDR5, HBM, LPDDR5-basierte SOCOMs und DDR5X. Ältere Plattformen werden dagegen immer stärker von anderen Anbietern übernommen.
„Wir sehen eine Art Zweiteilung des Marktes“, erklärte Florous.
Taiwanesische Hersteller wie Nanya, Winbond und Intelligent Memory halten weiterhin Produktionslinien für DDR3, DDR4 und LPDDR4 aufrecht, während sich die großen Hersteller aus diesen Bereichen zurückziehen. Beide Seiten des Marktes bergen laut Florous jedoch Risiken: Kunden moderner Speichertechnologien kämpfen mit Kapazitätsengpässen und Preisdruck, während Nutzer älterer Plattformen mit schrumpfenden Lieferantenbasen und unsicheren Langfristperspektiven konfrontiert sind.
„Es gibt keine einfache kurzfristige Entlastung. Unternehmen müssen strategisch darüber nachdenken, wie sie ihre langfristige Versorgung absichern.“
Wer besonders betroffen sein wird
Nicht alle Marktsegmente würden gleichermaßen unter Druck geraten. Besonders gefährdet seien jedoch Einkaufsabteilungen, die weiterhin stark auf Spotmärkte oder unpräzise Bedarfsprognosen setzen.
„Lieferanten, die ihre Beschaffungsstrategien ausschließlich auf Schätzungen oder Spot-Trading aufgebaut haben, werden die ersten sein, die unter den neuen Marktbedingungen leiden.“
Was Einkaufsabteilungen jetzt tun sollten
Florous formulierte konkrete Empfehlungen:
- mindestens drei bis vier Lieferanten qualifizieren
- Hardwaredesigns überdenken, um die Abhängigkeit von einzelnen Speichertypen zu reduzieren
- Prioritäten bei Plattformen klar definieren
- Ressourcen gezielt verteilen
- Doppelbestellungen vermeiden
„Doppelbestellungen treiben die Branche nur weiter in das schlimmstmögliche Szenario“, warnte Florous.
Sein wichtigster Rat sei Disziplin und Diversifikation:
„Es ist wie bei einem Pferderennen. Man muss auf mehrere Pferde setzen – und diszipliniert bleiben. Das ist der grundlegende Rat.“
Nikolaos Florous wird auf der Evertiq Expo Berlin am 18. Juni erneut auftreten und dort seinen Vortrag „The Global Memory Market Reset“ präsentieren.


