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Gunter-HTV-Alter-Interview
© Evertiq
Elektronikproduktion |

Kürzere Lebenszyklen von Halbleitern stellen Obsoleszenzmanagement vor neue Herausforderungen

Da sich die Lebenszyklen von Halbleitern zunehmend an den kurzen Produktzyklen der Unterhaltungselektronik orientieren, wächst der Druck auf Hersteller in langlebigen Industrien, das Thema Komponenten-Obsoleszenz aktiv zu managen. Gunter Mößinger von HTV ALTER TECHNOLOGY sprach das Thema auf der Evertiq Expo Tampere offen an – und zeichnete dabei ein Bild, das die Branche laut ihm nicht länger ignorieren kann.

Das Grundproblem sei einfach: Komponenten, die früher über ein Jahrzehnt oder länger verfügbar waren, werden heute oft bereits nach wenigen Jahren abgekündigt. Besonders betroffen seien Prozessoren, deren Produktzyklen sich durch die hohe Nachfrage nach intelligenten, vernetzten und touchfähigen Consumer-Geräten deutlich verkürzt haben. Für Branchen wie Luft- und Raumfahrt, Medizintechnik oder Verteidigung, in denen Produkte über Jahrzehnte genutzt werden, entstehe dadurch ein strukturelles Ungleichgewicht.

„Die Industrie bewegt sich immer stärker in Richtung Consumer-Lebenszyklen“, sagte Mößinger im Anschluss an seinen Vortrag. „Diese Prozessoren sind nur sehr kurz in Produktion. Unternehmen stehen heute vor größeren Problemen als noch vor einigen Jahren und müssen Produktabkündigungen deutlich stärker im Blick behalten, Obsoleszenz einplanen und dafür Budgets vorsehen.“

Versteckte Risiken der Langzeitlagerung

Unternehmen, die Komponenten vorsorglich auf Vorrat kaufen, sehen sich laut Mößinger mit weiteren Risiken konfrontiert, die über Korrosion oder Feuchtigkeit hinausgehen. Eine weniger bekannte Gefahr sei das Wachstum intermetallischer Phasen. Dabei löst sich Kupfer aus den Anschlussbeinchen der Bauteile langsam in die Zinnschicht der Lötoberfläche auf.

„Wenn das Kupfer die Oberfläche des Bauteils erreicht, kann man es nicht mehr löten“, erklärte Mößinger. „Zum Löten wird eine verbleibende Zinnschicht benötigt, und das lässt sich nur durch reduzierte Lagertemperaturen verhindern. Dafür sind spezielle Prozesse notwendig.“

Langzeitlagerung bedeute daher nicht einfach nur zusätzlichen Lagerplatz, sondern erfordere kontrollierte Umgebungen und aktives Management, um die Integrität der Komponenten langfristig zu erhalten.

Reaktiv versus proaktiv

Auch das Obsoleszenzmanagement selbst befinde sich im Wandel. Während Unternehmen früher oft erst auf Produktabkündigungen reagierten und anschließend Last-Time-Buys tätigten, gewinne ein proaktiver Ansatz zunehmend an Bedeutung. Der Beruf des Obsoleszenzmanagers sei inzwischen etabliert, und das Thema werde stärker wissenschaftlich untersucht sowie systematisch geplant.

Mößinger betonte jedoch auch die Grenzen proaktiver Strategien. Wenn Hersteller Produktionslinien kurzfristig stilllegen oder ganz vom Markt verschwinden, würden selbst die besten Pläne hinfällig.

„Am Ende bleibt man dennoch bei reaktiven Maßnahmen und Last-Time-Buys“, sagte er. Die wichtigste Möglichkeit für echte proaktive Maßnahmen sei ein Redesign. Wenn Produkte ohnehin überarbeitet würden, sei es sinnvoll, gezielt Komponenten mit längeren Produktionszeiträumen auszuwählen.

Budgetierung als erster Schritt

Auf die Frage, wie Unternehmen den Einstieg in ein ernsthaftes Obsoleszenzmanagement schaffen können, fiel Mößingers Antwort pragmatisch aus: Budgets einplanen. Ob Lagerhaltung, Redesign oder eine Kombination aus beidem – alle Maßnahmen seien mit erheblichen Kosten verbunden, die die Branche erst langsam offen anerkenne.

„Obsoleszenzmanagement wird in Zukunft ein großes Thema sein“, sagte er. „Es wird in der Branche immer sichtbarer.“

Gunter Mößinger wird das Thema erneut auf der Evertiq Expo Lund am 21. Mai behandeln. Dort hält er den Vortrag „Managing semiconductor obsolescence: storage, ageing, and long-term reliability“.


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