KI in der Fertigung: Limtronik will Erfahrungswissen besser verfügbar machen
Der deutsche EMS-Dienstleister Limtronik nutzt KI-basierte Assistenzsysteme, um Industrieingenieure bei Fertigungsentscheidungen zu unterstützen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Unternehmens vom 28. April hervor. Limtronik reagiert damit auf die Gefahr, dass Erfahrungswissen mit dem Ausscheiden erfahrener Fachkräfte verloren geht. In der variantenreichen Elektronikfertigung soll KI helfen, vorhandenes Prozesswissen schneller auffindbar zu machen und neue Mitarbeiter zügiger in komplexe Abläufe einzubinden.
KI-Assistenz soll frühere Fertigungsfälle nutzbar machen
In der EMS-Fertigung entsteht wertvolles Prozesswissen direkt am Produkt: bei Serienanläufen sowie bei Störungen im laufenden Betrieb. Limtronik will solche Erfahrungen mit KI-basierter Assistenz für Industrieingenieure leichter zugänglich machen. Die technische Grundlage liefern Traceability-Systeme und MES. Vernetzte Fertigungsprozesse bringen weitere Daten aus dem Produktionsalltag ein.
Die Assistenzsysteme sollen helfen, Fehlerbilder einzuordnen und Änderungen zu bewerten. Aus früheren Fällen lassen sich dadurch passende Maßnahmen für aktuelle Situationen ableiten. Ein Baustein ist der „Digital Industrial Engineer“, den Limtronik mit German Edge Cloud, great2know und ScheerPAS umsetzt. Die Erprobung läuft in der eigenen Fertigung in Limburg. Über den SEF Smart Electronic Factory e. V. nutzt Limtronik diese Produktion auch als Entwicklungsumgebung unter realen Bedingungen.
Fachkräftemangel erhöht den Druck auf den Wissenstransfer
Der KI-Einsatz soll Limtronik dabei helfen, Produktionswissen über wechselnde Teams hinweg verfügbar zu halten. Fachkräfte fehlen. Erfahrene Mitarbeiter gehen perspektivisch in den Ruhestand. Internationale Teams brauchen einen schnellen Zugang zu Abläufen, die in der EMS-Fertigung durch viele Varianten und kurze Produktzyklen geprägt sind.
Gerade bei Produktänderungen und Abweichungen zählt Erfahrung aus früheren Fällen. Wenn einzelne Fachkräfte dieses Wissen allein tragen, verlängern sich Einarbeitung und Abstimmung mit Kunden. Limtronik will die Assistenzsysteme deshalb für den Wissenstransfer nutzen: Neue Mitarbeiter sollen zügig in komplexe Abläufe hineinfinden. Industrieingenieure sollen Rückmeldungen an Kunden auf eine breitere Daten- und Erfahrungsbasis stützen.
Gerd Ohl, Geschäftsführer bei Limtronik, erklärte: „Wir sehen täglich ganz konkret, wie entscheidend der schnelle Zugriff auf belastbares Wissen für stabile Prozesse ist. Unser Ziel ist es, dieses Know-how zum einen zu bewahren, und zum anderen so verfügbar zu machen, dass es im Tagesgeschäft unmittelbar genutzt werden kann.“ Er ergänzte: „Wir haben über Jahre hinweg eine sehr starke Datenbasis aufgebaut. Der nächste logische Schritt ist, diese intelligent nutzbar zu machen. KI hilft uns dabei, Zusammenhänge schneller zu erkennen und Entscheidungen besser abzusichern. Als mittelständischer EMS-Dienstleister ist es unser Anspruch, die Produkte unserer Kunden kontinuierlich zu verbessern.“