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Analysen |

Europäischer EMS-Abschwung hält an – leichte Erholung für 2026 in Sicht

Auf der Evertiq Expo in Warschau am 23. Oktober 2025 präsentierten Mareike Haass vom Marktforschungsunternehmen in4ma und Christoph Solka von der Global Electronics Association aktuelle Daten zur europäischen EMS-Industrie. Die Zahlen zeigen, dass sich der Markt weiterhin nur langsam von der starken Korrektur nach dem Pandemie-Boom erholt.

Laut der jüngsten Primärforschung, die rund 87 % des europäischen EMS-Marktes abdeckt und mehr als 2.200 identifizierte Unternehmen umfasst, sind die Umsätze 2024 um etwa 7 % zurückgegangen. Für 2025 wird stagnierendes oder leicht negatives Wachstum erwartet. Zuvor hatte die Branche zwischen 2022 und 2023 außergewöhnlich stark von Lieferengpässen, Lageraufbau und dem sogenannten Bullwhip-Effekt profitiert.

Westeuropa stärker betroffen als CEE

Der Abschwung trifft die Regionen unterschiedlich. In Westeuropa sanken die EMS-Umsätze 2024 um nahezu 10 %, während Zentral- und Osteuropa (CEE) ein Minus von rund 4 % verzeichnete. Werden jedoch große Ausreißer wie Foxconn – deren Umsätze stark von Data-Servern und KI-Infrastruktur getrieben sind – herausgerechnet, fällt der Rückgang in CEE sogar stärker aus als im Westen.

Deutschland bleibt nach Umsatz und Unternehmenszahl der größte EMS-Markt Europas, gefolgt von Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen. Polen ist inzwischen gemessen an der Anzahl juristischer Einheiten der fünftgrößte EMS-Markt Europas, mit starken Clustern rund um Warschau, Danzig, Breslau und Krakau.

Deutlicher Stellenabbau – vor allem im Osten

Der Umsatzrückgang führte zu erheblichen Arbeitsplatzverlusten. Europaweit wurden mehr als 7.300 EMS-Stellen abgebaut, besonders stark betroffen war Zentral- und Osteuropa. Allein in Polen gingen über 1.800 Arbeitsplätze verloren, gefolgt von Rumänien und Tschechien. Prozentual verzeichnete Bulgarien den stärksten Rückgang.

Haass betonte, dass Personalreduzierungen in Osteuropa für westeuropäische Muttergesellschaften mit Tochtergesellschaften in der Region vergleichsweise einfacher umzusetzen seien.

Hohe Marktkonzentration und starke Auslandsdominanz

Der europäische EMS-Markt bleibt stark konzentriert. In Zentral- und Osteuropa entfallen nahezu zwei Drittel der Umsätze auf die zehn größten Anbieter. Foxconn und Flex allein repräsentieren mehr als 50 % der Erlöse in der Region. In Polen kontrollieren die Top-10-Unternehmen sogar über 80 % des Marktes.

Kleinere, inländische EMS-Anbieter zeigten sich 2024 zwar teilweise widerstandsfähiger, tragen jedoch trotz hoher Anzahl nur einen vergleichsweise geringen Anteil zum Gesamtumsatz bei.

Schwache Nachfrage, sinkende Lagerbestände

Eine Umfrage zur Jahresmitte 2025 unter 225 Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von rund EUR 11 Mrd. bestätigt die anhaltende Schwäche. Große EMS-Anbieter meldeten im ersten Halbjahr ein durchschnittliches Minus von 6,6 %, kleinere Unternehmen sogar rund 12 %.

Positiv ist jedoch der Rückgang der Lagerbestände um mehr als 6 %, was auf eine Normalisierung der Lieferketten nach der Phase überhöhter Vorratshaltung während der Chipknappheit hindeutet. Der Auftragsbestand bleibt jedoch – insbesondere in CEE – unter Druck.

Automotive schwach, Defence im Aufwind

Die Branchenexposition beeinflusst die Marktentwicklung maßgeblich. Länder mit hoher Abhängigkeit von der Automobilindustrie, wie Deutschland und Frankreich, sind besonders von der sinkenden Fahrzeugproduktion betroffen. Märkte mit geringerer Automotive-Quote, etwa Schweden, zeigen sich stabiler.

Gleichzeitig entwickeln sich Luft- und Raumfahrt sowie Verteidigungselektronik zu wichtigen Wachstumstreibern. Steigende Verteidigungsausgaben in Europa – insbesondere auch in Polen – kommen EMS-Anbietern mit entsprechenden Zertifizierungen zugute und kompensieren teilweise die Schwäche in Automotive und Industrie.

M&A bleibt hoch – vor allem durch Nordics

Trotz des Abschwungs bleibt die Übernahmeaktivität hoch. Seit 2019 verzeichnen Frankreich, Deutschland und Schweden die meisten Transaktionen. Besonders börsennotierte nordische EMS-Unternehmen wie Hanza, Inission, NOTE, Scanfil und Kitron treiben die Konsolidierung voran und stehen für rund 70 % aller Deals.

Als Beispiel wurde die Übernahme der deutschen BMK Group durch Hanza genannt – ein weiteres Signal für zunehmenden Konsolidierungsdruck.

Vorsichtiger Optimismus für 2026

Für 2026 rechnen in4ma und die Global Electronics Association mit einer moderaten Erholung. In Zentral- und Osteuropa erwarten die befragten Unternehmen Wachstumsraten von rund 10 %. Die Analysten betonten jedoch, dass es sich dabei um Erwartungen handelt und nicht um bestätigte Auftragseingänge.

Die Branche müsse sich stärker auf Margenmanagement, eine kritische Bewertung der Automotive-Abhängigkeit sowie strategische Partnerschaften und Akquisitionen konzentrieren. Der europäische EMS-Markt stabilisiere sich zwar, sei strukturell jedoch nicht mehr mit dem Vorkrisenniveau vergleichbar.

in4ma wird 2026 erneut als Keynote-Speaker bei mehreren Evertiq Expos auftreten, unter anderem in Zürich (23. April), Berlin (18. Juni) und Göteborg (17. September), wo weitere Marktanalysen erwartet werden.


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