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RoHS-Juhana-Jaatinen
© Liviorki for Evertiq
Analysen |

SCIP-Compliance: Warum Daten – nicht Gesetzgebung – weiterhin der eigentliche Engpass sind

Fünf Jahre nach Einführung der SCIP-Datenbank kämpfen viele Elektronikhersteller noch immer damit, gesetzliche Anforderungen in den betrieblichen Alltag zu integrieren. Während die regulatorischen Vorgaben längst etabliert sind, bleibt die Unsicherheit bestehen – weniger darüber, was das Gesetz verlangt, sondern vielmehr darüber, wie sich die Anforderungen erfüllen lassen, ohne daraus eine dauerhafte administrative Belastung entstehen zu lassen.

Juhana Jaatinen, CEO von RoHS Management Oy, erklärte im Gespräch mit Evertiq, dass das größte Hindernis nicht mangelndes Bewusstsein oder Fehlinterpretationen der Verordnung seien – sondern die Daten selbst.

„In der Praxis besteht die größte Herausforderung nicht darin zu verstehen, dass SCIP existiert“, sagt Jaatinen. „Die größte Herausforderung ist es, die Daten in einer nutzbaren Form zu erhalten.“

Informationen vorhanden – aber nicht im richtigen Format

Moderne Elektronikprodukte bestehen aus Hunderten oder Tausenden weltweit bezogener Komponenten. Zwar liefern Zulieferer häufig Materialdeklarationen, doch sind diese oft unvollständig, uneinheitlich oder basieren auf unterschiedlichen Standards. Die Aufbereitung dieser fragmentierten Informationen in die stark strukturierte Form, die für die SCIP-Datenbank erforderlich ist, kostet Unternehmen erhebliche Zeit und Ressourcen.

Hinzu kommt, dass die Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe (SVHC) zweimal jährlich aktualisiert wird. „Jedes Mal, wenn neue Stoffe hinzugefügt werden, müssen Unternehmen erneut prüfen, ob ihre Produkte betroffen sind“, so Jaatinen. „Compliance ist also kein einmaliger Vorgang.“

Damit verschiebt sich der Fokus weg von juristischen Fragestellungen hin zu internen Prozessen. Entscheidend sei die Frage, wie sich ein praktikables System aufbauen lasse, das regulatorische Anforderungen dauerhaft handhabbar macht.

Kleine und mittlere Unternehmen häufig unvorbereitet

Trotz jahrelanger behördlicher Leitlinien kommen SCIP-Verpflichtungen für viele Unternehmen weiterhin überraschend – insbesondere für kleine und mittelständische Hersteller oder Importeure. Oft werde angenommen, dass die Regelung nur große Konzerne oder Chemieunternehmen betreffe.

„Tatsächlich gilt die Verpflichtung für jedes Unternehmen, das Erzeugnisse mit SVHC-Stoffen über 0,1 Prozent auf den EU-Markt bringt“, erklärt Jaatinen.

Dies betrifft sowohl EU-basierte Hersteller als auch Importeure von Produkten aus Drittstaaten. Eine häufige Fehlannahme sei, dass die Verantwortung bei Zulieferern oder Markeninhabern liege. „Die Verpflichtung gilt auf jeder relevanten Ebene der Lieferkette und kann nicht übertragen werden“, betont er.

Auch der Gedanke, SCIP werde erst relevant, wenn Kunden nach Meldungsnummern fragen, sei irreführend. Die rechtliche Pflicht entstehe bereits mit dem Inverkehrbringen auf dem EU-Markt.

Schwachstelle: Datensammlung in komplexen Lieferketten

In komplexen Elektroniklieferketten scheitert der Prozess häufig schon bei der Beschaffung vollständiger SVHC-Informationen – insbesondere bei kundenspezifischen Komponenten, Auftragsfertigung oder Produktionschemikalien, die im Endprodukt verbleiben.

Selbst wenn Zulieferer Deklarationen bereitstellen, müssen diese analysiert, konsolidiert und interpretiert werden. Bei komplexen Produkten kann dies die Auswertung Tausender Dokumente bedeuten.

Zu spät erkannt – teuer bezahlt

Nach Ansicht von Jaatinen entstehen viele Kosten und Verzögerungen, weil SVHC-Probleme erst kurz vor der Markteinführung eines Produkts erkannt werden.

Enthält ein Produkt SVHC-Stoffe oberhalb des Schwellenwerts, muss die SCIP-Meldung vor dem Inverkehrbringen erfolgen. Wird dies erst in letzter Minute festgestellt, kann dies Produkteinführungen verzögern und zusätzliche Kosten verursachen.

Die Lösung bestehe darin, SCIP-Prüfungen frühzeitig in die Produktentwicklung zu integrieren – parallel zu anderen Konformitätsbewertungen. So werde Compliance planbar statt disruptiv.

Der immer gleiche Fehler

Trotz jahrzehntelanger Branchenerfahrung beobachtet Jaatinen immer wieder denselben Fehler: Aufschieben.

„Die häufigste Fehlentscheidung ist, die Verpflichtung zu ignorieren, weil sie als zu kompliziert oder arbeitsintensiv wahrgenommen wird“, sagt er.

In den meisten Fällen sei Compliance nicht unmöglich – vielmehr fehle es an klar definierten internen Verantwortlichkeiten und praktikablen Prozessen. Sind diese etabliert, werde die SCIP-Berichterstattung zu einem normalen Bestandteil regulatorischer Routine.

Weitere Einblicke in die SCIP-Anforderungen für Elektronikhersteller wird Juhana Jaatinen auf der Evertiq Expo Tampere am 26. März geben.


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