BYDs Milliardenfabrik in der Türkei auf Eis gelegt – oder doch nicht?
Widersprüchliche Aussagen sorgen für Unsicherheit über die Zukunft der geplanten Milliardeninvestition von BYD in der Türkei. Während lokale Vertreter davon sprechen, dass das Projekt pausiert wurde, weist die türkische Regierung entsprechende Berichte entschieden zurück.
Der chinesische Automobilkonzern BYD hatte im Juli 2024 den Bau einer Elektroauto-Fabrik im Wert von rund einer Milliarde US-Dollar in der Türkei angekündigt. Die Anlage sollte eine jährliche Produktionskapazität von 150.000 Fahrzeugen erreichen und gilt als die bislang größte EV-Investition des Landes. Neben der Fahrzeugproduktion waren Impulse für Exporte sowie die Schaffung tausender Arbeitsplätze vorgesehen.
Nach Angaben von Ali Suat Ertosun, Vorsitzender der Manisa-Vereinigung zum Schutz von Kultur- und Naturwerten und ehemaliger Richter am obersten Berufungsgericht der Türkei, sollen die Investitionspläne jedoch pausiert worden sein. Unter Berufung auf eigene Quellen erklärte Ertosun, eine offizielle Entscheidung könne bereits im Februar oder März 2026 bekannt gegeben werden.
Dem widerspricht die türkische Regierung. Handelsminister Ömer Bolat erklärte, BYD habe die Investition nicht ausgesetzt und befinde sich weiterhin in Gesprächen mit dem Industrieministerium. Berichte über einen Stopp des Projekts wies er zurück und betonte, es gebe keine Probleme im Zusammenhang mit der Fabrikplanung.
Zur Absicherung der Investition hatte die Regierung ein strategisches Förderpaket in Aussicht gestellt, darunter Steuererleichterungen und Sonderregelungen bei der Verbrauchssteuer (ÖTV). Die Maßnahmen sind Teil einer umfassenderen Strategie, die Transformation hin zu elektrischer Mobilität und lokaler Produktion zu beschleunigen.
BYD äußert sich nicht
BYD selbst hat die Berichte bislang weder bestätigt noch dementiert. Geplant ist der Standort im organisierten Industriegebiet Manisa (MOSB). Die bislang fehlende sichtbare Bauaktivität hat jedoch Spekulationen zusätzlich angeheizt.
Parallel treibt BYD seine erste europäische Elektroauto-Fabrik in Szeged (Ungarn) voran. Die Anlage ist auf eine Kapazität von bis zu 300.000 Fahrzeugen pro Jahr ausgelegt. Nach Angaben des Unternehmens soll die Serienproduktion im zweiten Quartal 2026 starten, nachdem die Vorserienfertigung im Januar angelaufen ist.
Offen bleibt, ob es sich bei der Situation in der Türkei um eine zeitliche Verzögerung ähnlich wie in Ungarn handelt – oder ob das Projekt stillschweigend vor dem Aus steht.
Im Jahr 2025 war BYD die meistverkaufte Elektroautomarke in der Türkei: 45.537 Fahrzeuge entsprachen einem Marktanteil von rund 24 Prozent bei insgesamt 191.960 verkauften E-Autos im Land.


