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© Mercedes Benz
Analysen |

Mercedes-Chef warnt vor Wettbewerbsverlust des Industriestandorts Deutschland

Der Vorstandsvorsitzende von Mercedes-Benz, Ola Källenius, schlägt Alarm mit Blick auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Deutschland. In einem Interview mit Der Spiegel fordert Källenius eine grundlegende Anpassung der deutschen Wirtschafts- und Industriepolitik und warnt vor einem zunehmenden Verlust an Wettbewerbsfähigkeit.

Källenius, der zugleich Präsident des europäischen Automobilverbands ACEA ist, kritisiert insbesondere die hohen Arbeits-, Energie- und Steuerkosten in Deutschland. Ohne spürbare Korrekturen in diesen Bereichen werde es für Industrieunternehmen zunehmend unattraktiv, weiterhin in Deutschland zu investieren.

Mercedes-Benz hat in den vergangenen Jahren begonnen, Arbeitsplätze in Deutschland abzubauen, während gleichzeitig neue Kapazitäten in anderen Ländern aufgebaut wurden – unter anderem in Ungarn und China. Laut Källenius ist dies eine direkte Folge der im internationalen Vergleich sehr hohen Arbeitskosten. Zwar habe die deutsche Industrie diese Belastung lange Zeit durch hohe Produktivität ausgleichen können, doch dieser Mechanismus greife zunehmend weniger.

Der Konzernchef verweist zudem auf ein Missverhältnis zwischen Absatzmarkt und Investitionsvolumen. Lediglich 10 bis 12 Prozent der weltweit verkauften Fahrzeuge von Mercedes-Benz entfallen auf den deutschen Markt, während mindestens die Hälfte der globalen Investitionen weiterhin in Deutschland getätigt werde. Dies zeige zwar die starke Bindung des Unternehmens an den Standort, erhöhe jedoch zugleich den Druck, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verbessern.

Källenius warnt darüber hinaus vor politischen Folgen einer anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche. Eine fehlende Kurskorrektur könne populistischen Kräften Auftrieb geben und zu politischen Verschiebungen nach rechts in Europa führen. Diese Entwicklung bereite ihm Sorge, da sie seiner Einschätzung nach keine tragfähigen Lösungen für die strukturellen Probleme der Industrie biete.

Kritisch äußerte sich der Mercedes-Chef auch zur europäischen Regulierungspolitik. Maßnahmen der EU-Kommission würden den Automobilsektor zusätzlich belasten, ohne ausreichende Planungssicherheit zu schaffen. Eine fehlende langfristige und verlässliche industriepolitische Strategie könne den Abfluss von Investitionen aus Europa weiter beschleunigen.

Nach Einschätzung von Källenius steht Deutschland an einem Wendepunkt. Ohne schnelle und entschlossene politische Entscheidungen drohe dem Land ein weiterer Bedeutungsverlust als industrielles Zentrum. Selbst Unternehmen mit einer traditionell starken Verankerung in Deutschland könnten dann gezwungen sein, künftige Investitionen verstärkt ins Ausland zu verlagern.


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