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© blotty dreamstime.com Analysen | 12 Oktober 2016

Fallendes Pfund und Angst vor dem 'harten Brexit'

Fallendes Pfund und Angst vor dem "harten Brexit": seit dem Referendum suchen Briten Jobs im Ausland; und das auf höchstem Niveau.
Die Anzahl der Briten, die im Ausland nach Jobs sucht, ist derzeit auf dem gleichen hohen Niveau wie unmittelbar nach dem Referendum. Dies zeigen neue Daten der weltweit grĂ¶ĂŸten Jobseite Indeed. Die Analyse von Millionen von Jobsuchen aus Großbritannien belegt auch, dass Briten sich zunehmend fĂŒr Arbeit in anderen EU-LĂ€ndern interessieren seit der Euro sich immer stĂ€rker im Vergleich zum Pfund entwickelt. Das Pfund erreichte am letzten Freitag den niedrigsten Wert zur GemeinschaftswĂ€hrung seit fĂŒnf Jahren. Dies könnte ein Beleg dafĂŒr sein, dass die Briten der eigenen Wirtschaft und deren Zukunftsaussichten weniger vertrauen und sich stattdessen anderweitig orientieren. Am meisten profitiert Irland vom Fernweh der Briten. Die Jobsuchen liegen hier seit dem Referendum um 20% höher als im Durchschnitt vor der Abstimmung. In Deutschland liegt das Niveau britischer Jobsuchen 9% ĂŒber dem Schnitt vor der Brexit-Abstimmung. Das macht Deutschland zum viertbeliebtesten Ziel der britischen Jobsuchenden im Ausland, nur die englischsprachigen LĂ€nder Irland, Australien und Kanada liegen mit zweistelligen Anstiegen noch besser. Im Kontrast dazu hat das Interesse britischer Jobsuchender an Frankreich um 6% nachgelassen. Interessanterweise ziehen die USA, eines der beliebtesten Auslandsziele nicht nur von Briten, 100 Tage nach dem Brexit keine erhöhten Suchen mehr an. Hier blieb es bei einem kurzen Anstieg unmittelbar nach dem Referendum. Ein Blick auf die Jobsuchen aus UK in alle anderen EU-LĂ€nder zusammengenommen zeigt, dass sich der Anstieg auf bescheidene 7% summiert. Allerdings belegt die Analyse bemerkenswerte Parallelen zwischen UK-Jobsuchen in die EU und der Entwicklung des Pfund. Am Tag des Referendums entsprach ein Euro 76 britischen Cents, nun kann man mit einem Euro ganze 90 Cents kaufen. Mariano Mamertino, EMEA-Ökonom bei Indeed, kommentiert: "Innerhalb weniger Stunden nach dem Referendum begannen Jobsuchende aus Großbritannien, online nach Jobmöglichkeiten in anderen LĂ€ndern zu schauen. In den ersten, hektischen Tagen nach der Abstimmung sahen wir hier teilweise sprunghafte Anstiege. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hatte, war die Erwartung, dass die Briten das Interesse an Stellen im Ausland wieder verlieren wĂŒrden. Unsere Analysen zeigen nun aber, dass das Interesse hoch bleibt. Bei den beliebtesten LĂ€ndern entspricht das Level der Jobsuchen in den zurĂŒckliegenden 100 Tagen ziemlich genau dem Wert unmittelbar nach dem Referendum." "Deutschland gehört zu den Gewinnern dieses Anstieges. Nicht nur suchen viele Briten in Deutschland nach Jobs, auch Jobsuchende aus anderen EU-LĂ€ndern interessieren sich nun 17% mehr fĂŒr Deutschland. Großbritannien war lange Jahre ein Magnet fĂŒr internationale Talente, aber der drohende Brexit und damit einhergehende Unsicherheit bringen viele Bewerber dazu, sich in anderen LĂ€ndern umzusehen. Unter diesen anderen LĂ€ndern steht Deutschland auf Platz 1 der nicht englischsprachigen LĂ€nder." "Die britische Wirtschaft zeigte sich nach der Wahl zunĂ€chst robust, mit einem stabilen Konsumklima und fast unverĂ€nderten BeschĂ€ftigungszahlen. Jetzt ist ein RĂŒckgang der Ausschreibungen durch Arbeitgeber zu beobachten - gleichzeitig sorgen die Diskussionen um einen "harten Brexit" fĂŒr Unsicherheit. Viele Briten, die vorher nur mit dem Gedanken gespielt haben, könnten nun ernsthaft nach einer Stelle im Ausland suchen", so Mamertino. In Deutschland fĂŒhrt Berlin wenig ĂŒberraschend die Liste der StĂ€dte an, fĂŒr die sich Jobsuchende aus UK interessieren. Berlin erhĂ€lt doppelt so viele Jobsuchen wie der Zweitplatzierte, MĂŒnchen. "Wenn wir die Beliebtheit von Frankfurt und Stuttgart betrachten, und gleichzeitig in den Daten sehen, dass Finance-Stellen und Ingenieursjobs besonders hĂ€ufig gesucht werden, könnte dies ein positives Signal fĂŒr die deutsche Wirtschaft sein. Zumindest wenn es darum geht, hochqualifizierte und schwer zu findende Talente anzuwerben," schlussfolgert Mamertino. Durchschnittliche VerĂ€nderung von UK-Jobsuchen im Ausland nach der Brexit-Abstimmung (Prozentuale VerĂ€nderung des Interesses britischer Jobsuchenden seit dem Referendum)
  1. Irland +20%
  2. Australien +13%
  3. Kanada: +10%
  4. Deutschland: +9%
  5. EU Durchschnitt: +7%
  6. Frankreich: -6%
Die beliebtesten deutschen StÀdte bei britischen Jobsuchenden:
  • Berlin
  • MĂŒnchen
  • Frankfurt am Main
  • Hamburg
  • Stuttgart
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2019.02.20 12:04 V12.2.3-2