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© evertiq Analysen | 07 Oktober 2016

Ostdeutscher Maschinenbau lebt von Weltoffenheit

Der jüngste Jahresbericht der Bundesregierung zum Stand der Deutschen Einheit hat insbesondere mit seinen Aussagen zum Thema Fremdenfeindlichkeit hohe Wellen geschlagen. Das ist jedoch nur eine Herausforderung von vielen, verdeutlicht Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost.

In der ostdeutschen Industrie hat sich seit dem tiefgreifenden Umbruch 1989/90 eine Menge getan. Lag die Industrie in der Wendezeit nahezu am Boden, zeigt sich heute wieder ein vielfältiges, dynamisches Bild. Maßgeblichen Anteil daran haben auch die Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus. Integration in Gesellschaft setzt realitätsnahe Politik voraus Gerade sie stehen dem Verband zufolge für Weltoffenheit und eine internationale Ausrichtung. Dies seien wesentliche Merkmale der deutschen exportorientierten Industrie. "„Fremdenfeindlichkeit gefährdet ganz klar Arbeitsplätze und damit Standorte in Ostdeutschland. Die besorgniserregende Entwicklung darf nicht kleingeredet werden", erklärt Pätz. Kunden auf allen Kontinenten, globale Lieferketten, internationale Fachkräfte in deutschen Unternehmen sowie ausländische Mitarbeiter in der Forschungs- und Hochschullandschaft – all dies stehe auf dem Spiel. "Aber wir müssen aufpassen: Das ist kein alleiniges Problem Ostdeutschlands", betont der VDMA-Geschäftsführer. Er lehnt daher eine Stigmatisierung einzelner Regionen ab und plädiert vielmehr für eine gesamtdeutsche Auseinandersetzung mit der Thematik. Notwendig sei vor allem eine sachliche und realitätsnahe Politik. Nur so ließen sich die Schwierigkeiten rund um Migration und Flüchtlinge lösen sowie die Ängste in der Bevölkerung abbauen. Einen ersten positiven Ansatz für eine erfolgreiche Integration sieht Pätz in der Arbeitsmarktpolitik. Er befürwortet, dass die Vorrangprüfung bei der Beschäftigung von Asylbewerbern und Geduldeten für die Dauer von drei Jahren ausgesetzt wurde. "Immer im Auge behalten muss die Regierung aber auch die Notwendigkeit einer gezielten Zuwanderung bereits qualifizierter Fachkräfte", sagt Pätz. Erfolgreiche Entwicklung – aber Strukturdefizite Ausdruck des wirtschaftlichen Erfolgs in Ostdeutschland sind enorme Zuwachsraten. So verzeichnete der ostdeutsche Maschinenbau im Jahr 2015 mit 16,8 Milliarden Euro ein Allzeithoch im Umsatz – das war mehr als doppelt so viel wie 1991. Deutlich gesteigert hat sich auch die Exportquote: 1991 waren es 28 Prozent – 2015 bereits 50 Prozent. Die Beschäftigtenzahl kletterte erstmals seit Mitte der 1990er-Jahre wieder über die Marke von 80.000 (2015: 81.000). Im Vergleich zu Nord-, Süd- und Westdeutschland bestehen dennoch weiterhin Defizite in der Wirtschaftsstruktur. "Die ostdeutsche Unternehmenslandschaft ist sehr kleinteilig. Dies führt zu Nachteilen in der Wettbewerbsfähigkeit, da zum Teil finanzielle und personelle Ressourcen fehlen", schildert Pätz. Die Mehrheit der wenigen größeren Betriebe sind Tochtergesellschaften westdeutscher oder ausländischer Firmen, eigenständige Großunternehmen hingegen fehlen weitgehend. Neue Impulse für Wachstum erforderlich "Wir benötigen daher neue Impulse für weiteres Wachstum. Grundlage hierfür sind bessere, wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen", mahnt Pätz. Dazu gehören Investitionen in eine leistungsfähige Verkehrs- und digitale Netzinfrastruktur, der Abbau von Bürokratie, die steuerliche Forschungsförderung, eine nachhaltige Bildungs- und Fachkräftepolitik sowie eine pragmatische Arbeitsmarktpolitik. An die ostdeutschen Maschinenbau-Unternehmen appelliert er, künftig häufiger den Schritt auf internationale Märkte zu wagen. Sie konzentrieren sich teils auf Marktnischen mit vergleichsweise geringen Expansionsmöglichkeiten sowie auf einseitig ausgerichtete geografische Märkte. Dem Verbandsgeschäftsführer zufolge könne eine stärkere Exportunterstützung den Unternehmen dabei helfen, sich breiter aufzustellen und somit Krisen in einzelnen Absatzmärkten wie Russland besser aufzufangen. "Der Angleichungsprozess zwischen den ost- und westdeutschen Regionen ist auch nach 26 Jahren deutscher Einheit noch nicht abgeschlossen. Die hiesige Industrie ist zwar auf einem guten Weg – gelingen wird eine Angleichung jedoch nur mithilfe einer wachstumsfreundlichen Wirtschafts- und Arbeitsmarktpolitik", lautet das Fazit von Pätz.
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