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© vdma Analysen | 06 Oktober 2016

VDMA: Auf Stagnation folgt leichtes Wachstumsplus

Allen Schwierigkeiten auf vielen wichtigen AuslandsmĂ€rkten zum Trotz rechnen die Maschinenbauer fĂŒr das kommende Jahr mit einer leichten Belebung ihrer GeschĂ€fte.
„Wir setzen auf die Widerstandskraft sowie Anpassungs- und InnovationsfĂ€higkeit unserer Maschinenbauunternehmen“, zeigt sich VDMA-PrĂ€sident Dr. Reinhold Festge kĂ€mpferisch. „Unsere Produktionsprognose fĂŒr 2017 lautet daher: real plus 1 Prozent.“ FĂŒr das laufende Jahr bekrĂ€ftigen die VDMA-Volkswirte ihre Prognose, der zufolge es lediglich zu einem Nullwachstum in der realen Produktion reichen wird. „Angesichts eines schwachen weltwirtschaftlichen Umfeldes und anhaltender politischer Störungen, die unsere GeschĂ€fte spĂŒrbar beeintrĂ€chtigen, betrachten wir dieses Ergebnis als Erfolg. Aber mehr als die Null ist aktuell einfach nicht drin“, betont Festge. 2016: Wachstum der Weltwirtschaft reicht nicht aus Nach aktuellen Prognosen wird das Welt-Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 2,7 Prozent zulegen – das wĂ€re die niedrigste Rate seit der Finanzkrise 2009. „Das reicht fĂŒr den Maschinenbau nicht aus, um richtig auf Touren zu kommen, dazu mĂŒsste die Wachstumsrate mehr als 3 Prozent erreichen“, erlĂ€utert VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. Insbesondere China fĂ€llt als Wachstumsmotor fĂŒr die Welt in diesem Jahr weitgehend aus, mit teils empfindlichen Folgen nicht nur fĂŒr den deutschen Maschinenbau. Andere LĂ€nder oder Regionen können diese InvestitionsschwĂ€che nur unvollstĂ€ndig kompensieren. Hinzu kommen neue Unsicherheiten in wichtigen AbsatzmĂ€rkten wie Großbritannien oder der TĂŒrkei. Folgerichtig ging der Maschinenexport aus Deutschland im Zeitraum Januar bis Juli 2016 um real 3,4 Prozent zum Vorjahr zurĂŒck. Zuletzt hat sich das Exportklima in der Maschinenbaubranche aber wieder etwas aufgehellt, so dass weitere RĂŒckgĂ€nge der Ausfuhren wohl vermieden werden können. Produktion nach sieben Monaten nur knapp unter Vorjahr Im ersten Halbjahr 2016 konnten die Maschinenbauer in Deutschland ihre reale Produktion sogar leicht um 1,1 Prozent steigern. Aufgrund eines außerordentlich schlechten Juli-Wertes (minus 9,3 Prozent) steht fĂŒr den Sieben-Monats-Zeitraum Januar bis Juli nun ein leichter RĂŒckgang von 0,3 Prozent in den BĂŒchern. „Aufgrund von Kalendertageffekten sehen wir durchaus Chancen, das Juli-Minus im August wieder ausgleichen zu können“, prognostiziert Wiechers. „Die KapazitĂ€ten dafĂŒr sind vorhanden.“ Die Maschinenbauer halten in Summe die Zahl der BeschĂ€ftigten weitgehend stabil nahezu auf Rekordniveau. Im Juli 2016 waren 1,01 Millionen Menschen im Maschinenbau in Deutschland beschĂ€ftigt.
© VDMA
Aussichten fĂŒr 2017 „Nach Jahren enttĂ€uschenden Wartens fĂ€llt es naturgemĂ€ĂŸ schwer, Hoffnung auf einen neuen weltweiten Aufschwung zu setzen“, beschreibt VDMA-PrĂ€sident Festge die Stimmung vieler Maschinenbauer im Land. „Die Liste der Wachstumsbremsen ist lang, und wir mĂŒssen achtgeben, dass Deutschland wegen seiner hartnĂ€ckigen InvestitionsschwĂ€che technologisch nicht zurĂŒckfĂ€llt.“ Unmittelbar negativ wirken sich die anhaltend niedrigen Rohstoffpreise auf einige rohstoffnahe Fachzweige aus. Mittelbar investitionshemmend und damit schĂ€dlich fĂŒr die Nachfrage nach praktisch allen Maschinenbauerzeugnissen wirken die vielen ungelösten geopolitischen Krisen, aber auch der offene Ausgang der PrĂ€sidentenwahl in den USA sowie die vielen noch ausstehenden Antworten rund um den Brexit. In Deutschland steht zudem eine Bundestagswahl an. „Wachstum kommt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit bislang in erster Linie durch den Konsum und den Bau“, erlĂ€utert VDMA-Chefvolkswirt Wiechers. Chancen auf neues Wachstum hat der Maschinenbau rund um den Globus ĂŒberall dort, wo Produktion automatisiert wird und die Digitalisierung voranschreitet. Als Treiber dieser Entwicklung können die Maschinenbauer ĂŒberproportional von diesen Trends profitieren. Eine wachsende Nachfrage fĂŒhrt so automatisch zu einer steigenden WettbewerbsfĂ€higkeit der Kunden. Daran partizipieren beispielsweise die europĂ€ischen NachbarlĂ€nder, fĂŒr die 2017 mit einem leichten Wachstumsimpuls gerechnet wird. Gleiches gilt fĂŒr die USA. Selbst in einigen SchwellenlĂ€ndern regt sich Nachfrage. „Auf LĂ€nderebene hoffen wir, dass in Russland und Brasilien die Talsohle erreicht wird“, sagt VDMA-PrĂ€sident Festge. Die große Unbekannte ist und bleibt China: Kurzfristig dĂŒrften das aufgesetzte Konjunkturprogramm sowie der unverĂ€nderte Wunsch, die Industrie qualitativ höher zu positionieren, die Nachfrage nach deutschen Maschinen stabilisieren. Andererseits können zahlreiche Risiken wie zum Beispiel der große Schattenbankensektor oder eine enorm hohe Unternehmensverschuldung die wirtschaftliche StabilitĂ€t des Landes nachhaltig gefĂ€hrden. VDMA-Chefvolkswirt Wiechers resĂŒmiert: „Alles in allem spricht einiges dafĂŒr, dass es den deutschen Maschinenbauern 2017 selbst in einem von zahlreichen Unsicherheiten geprĂ€gten Umfeld gelingt, das Vorjahresniveau mindestens zu halten, wenn nicht zu toppen. Die Prognose fĂŒr die deutsche Maschinenproduktion lautet deshalb auf plus 1 Prozent real.“ Freihandel ist Grundvoraussetzung fĂŒr Wohlstand Mit großer Sorge sehen die Maschinenbauer in Deutschland das zunehmende Misstrauen gegenĂŒber freiem Handel. Dies zeigt sich auch in einer deutlich ĂŒberzogenen Kritik an den beiden transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP und Ceta. „Deutschland ist Vorreiter, wenn es darum geht, neue Produkte auf den Weltmarkt zu bringen, und das wollen wir auch bleiben. Dazu brauchen wir aber Freihandelsabkommen, gerade weil sie es kleineren und mittleren Unternehmen ermöglichen, in neue MĂ€rkte vorzudringen“, sagt VDMA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Thilo Brodtmann. Drei von vier Produkten der hiesigen Maschinenbauer werden exportiert, mindestens 600.000 Menschen arbeiten im deutschen Maschinenbau fĂŒr den Export. „Deshalb setzen wir uns auch weiterhin fĂŒr einen Abschluss von TTIP mit einem Maschinenbaukapitel ein“, betont Brodtmann. Der Wegfall von Zöllen und die Harmonisierung von technischen Regularien bietet eine große Chance zur Kostensenkung im Handel mit den USA (zwischen 5 und 18 Prozent je Maschine) und damit fĂŒr neues Wachstum. „Sollten die beiden Abkommen nicht zustande kommen, wĂ€re eine große Chance vertan, den transatlantischen Handel zu erleichtern und damit ArbeitsplĂ€tze zu sichern“, sagt Brodtmann. Von einem Scheitern ginge auch das fatale Signal aus, dass große Handelsabkommen mit der EU kaum noch attraktiv sind. „Das könnte uns auf Dauer ArbeitsplĂ€tze kosten“, warnt der VDMA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer. „Politik in Europa darf sich Populisten nicht beugen“ Sorgen bereitet der Maschinenbauindustrie in diesem Zusammenhang auch, dass sich nationalistische Tendenzen in den MitgliedslĂ€ndern der EU ausbreiten – auch in Deutschland. „Der Wirtschaftsraum EU und der Euro sind Garanten fĂŒr unsere Arbeit und fĂŒr unseren Wohlstand – jetzt und auch in Zukunft“, sagt Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft. FĂŒr die Maschinenbauer ist die EU die grĂ¶ĂŸte Absatzregion, fast 45 Prozent aller Exporte gehen ins EU-Ausland. Handelshemmnisse wie zum Beispiel Grenzkontrollen im Zuge der ungelösten FlĂŒchtlingsfrage belasten die Unternehmen. Auch der angekĂŒndigte Brexit könnte die Grundlagen fĂŒr den Handel mit Großbritannien – immerhin Exportmarkt Nummer vier und wichtiger Investitionsstandort – spĂŒrbar beeintrĂ€chtigen. Schon jetzt werden die Unternehmen durch die Ungewissheit bezĂŒglich des konkreten Austrittstermins verunsichert und damit werden InvestitionsplĂ€ne gefĂ€hrdet. Im ersten Halbjahr 2016 gingen die Exporte der deutschen Maschinenbauer nach Großbritannien um 0,8 Prozent zurĂŒck. Mit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU wird auch das gesamte EuropĂ€ische Projekt erschwert. „Die Politik darf in einem solchen Umfeld nicht kurzsichtig und mutlos agieren und sich dem Populismus beugen. Die Grundwerte der EuropĂ€ischen Union mĂŒssen auf jeden Fall verteidigt werden“, fordert VDMA-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Brodtmann.
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