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© Emil Otto Elektronikproduktion | 18 Januar 2016

115 Jahre Emil Otto – Eine deutsche Industriegeschichte

Im Jahr 2016 feiert die Emil Otto Flux- u. OberflĂ€chentechnik GmbH ihr 115. JubilĂ€um. Der Rheingauer Flussmittelhersteller kann dabei auf eine bewegte Firmengeschichte zurĂŒckblicken.
Im Jahre 1901 wurde das Unternehmen Emil Otto in Magdeburg gegrĂŒndet. Magdeburg entwickelte sich zur Jahrhundertwende zum Mittelpunkt des deutschen Schwermaschinen- und Anlagenbaus. Unternehmen wie Krupp-Gruson oder Buckau Wolf benötigten fĂŒr die industrielle Metallverarbeitung chemische Hilfsstoffe. Bohröle, Beiz- und Poliermittel sowie Flussmittel zum Weich- und Hartlöten von Eisenwerkstoffen sowie von Kupfer und Messing kamen zum Einsatz. Chemische Hilfsstoffe als ProzessunterstĂŒtzung fĂŒr die metallverarbeitende Industrie wurden immer wichtiger, um effizient und schnell zu fertigen. Das Unternehmen Emil Otto verschrieb sich der Herstellung dieser Verbrauchsstoffe und entwickelte und produzierte eine Vielzahl dieser Chemikalien. Dabei bildeten die Flussmittel den Schwerpunkt.
Lab in Magdeburg © Emil Otto
Das Unternehmen entwickelte sich stetig weiter und ĂŒberstand die Wirren des ersten und zweiten Weltkrieges. Bei einem Bombenangriff am 16.Januar 1945 wurden die ProduktionsgebĂ€ude schwer getroffen so dass die Fertigung in den KellerrĂ€umen provisorisch fortgesetzt werden musste. Nach dem Krieg wurden die FertigungsstĂ€tten neu aufgebaut, so dass auch die Produktion schnell wieder aufgenommen werden konnte. Im Jahre 1957 wurde das Unternehmen per Gesetz in eine halbstaatliche Kommanditgesellschaft umgewandelt. Dieser Schritt traf fast alle Unternehmen in der damaligen DDR. Im Zuge dessen, beschloss die GeschĂ€ftsfĂŒhrung eine Außenstelle in Hamburg zu grĂŒnden. Mit dem Mauerbau 1961 wurde dann auch die Teilung des Unternehmens zementiert. Die aus der GrĂŒnderfamilie hervorgegangenen persönlichen Gesellschafter des Unternehmens verließen zuvor endgĂŒltig die damalige DDR und gingen nach Hamburg. Im Jahre 1961 erwarben die Gesellschafter den jetzigen Standort in Erbach (Eltville) und bauten die zuvor als Konservenfabrik genutzten RĂ€umlichkeiten in eine chemische Fertigung um. Somit hatte das Unternehmen Emil Otto seinen neuen Standort gefunden und belieferte den deutschen Markt mit chemischen Produkten. In der DDR arbeitete die Emil Otto KG am Standort in Magdeburg mit je 50 Prozent privatem und 50 Prozent staatlichem Kapital weiter. Im Jahre 1972 wurde in der DDR per Gesetz die Umwandlung der mittelstĂ€ndischen Industrie in Volkseigene Betriebe (VEB) beschlossen. Die privaten Gesellschafter wurden ausbezahlt und verloren ihre Anteile. Aus der Emil Otto KG wurde der VEB Löt- und Poliermittelwerk. Neben dem Hauptstandort in der Magdeburger Maxim-Gorki-Straße wurde ein zweiter Standort in der Berliner Chaussee aufgebaut. Der VEB Löt- und Poliermittelwerk wurde in einigen zentralen Aufgaben, wie Anwendungsforschung, QualitĂ€tssicherung, Zentralbibliothek u. a. vom Fachgruppenleitbetrieb, dem VEB HĂ€rtol, betreut. Mit dem Mauerfall 1989 und der anschließenden Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurde das Kombinat HĂ€rtol durch die Firmenleitung entflochten und die ehemals eigenstĂ€ndigen Unternehmen ĂŒber die Treuhandanstalt den frĂŒheren Gesellschaftern zur Übernahme angeboten. Die EigentĂŒmerfamilien ĂŒbernahmen die Firma Emil Otto als RĂŒckĂŒbertragungsgemeinschaft mit den jeweiligen Anteilen der frĂŒheren Gesellschafterstruktur rĂŒckwirkend zum 01.01.1991. Die RĂŒckĂŒbertragungsgemeinschaft als Grundbesitzer organisierte sich als GbR. Die EMOPOL Flux- und OberflĂ€chentechnik GmbH wurde am den Standort in Magdeburg gegrĂŒndet. Das neue Unternehmen unterstand der GeschĂ€ftsfĂŒhrung von Herrn Leitreuter, dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Emil Otto GmbH und dem Gesellschafter Herrn Dr. Herzog. Nach dem Tod von Herrn Dr. Herzog begann Herr Leitreuter, die als Erbengemeinschaft gefĂŒhrte Gewerbeeinheit zu entflechten und vollstĂ€ndig in seinen Besitz zu ĂŒberfĂŒhren. Die GmbH wurde liquidiert und der Emil Otto e.K. als Betriebsteil zugeordnet. Die von Herrn Leitreuter geleitete Firma Emil Otto mit dem Hauptsitz in Eltville/OT Erbach und der Niederlassung in Magdeburg traten erstmals wieder als Einheit auf. Im Verlaufe der Entwicklung verschob sich der Schwerpunkt der Entwicklung und Produktion von den klassischen Sortimenten der Polier- und Löttechnik zunehmend zu Flussmitteln fĂŒr die Elektronikindustrie. Beginnend in den 70-iger Jahren entwickelte die Emil Otto GmbH stetig die Produkte weiter, um der anhaltenden Weiterentwicklung in der Elektronikindustrie zu folgen. Der Prozess des Wellenlötens wurde von Anfang an begleitet, die Umstellung auf bleifreie Lötprozesse, neue Umwelttendenzen wie die wasserbasierenden Flussmittel und die Entwicklung von Selektivlötprozessen in grĂ¶ĂŸerem Umfang wurden nicht nur begleitet, sondern aktiv mitgeprĂ€gt. Durch eine schwere Erkrankung konnte Herr Leitreuter seine TĂ€tigkeit in den letzten Jahren nicht mehr im vollen Umfang wahrnehmen. Er organisierte das Unternehmen um und schuf mit der GrĂŒndung der Emil Otto GmbH die Möglichkeit, den GeschĂ€ftsbetrieb aus der Personengesellschaft herauszufĂŒhren. Nach seinem Tod ĂŒbernahm 2014 das Ehepaar Geßner das Unternehmen. Durch die vielen Umstrukturierungen der letzten 20 Jahre wurden nun dringende Investitionen in die Absatzentwicklung der Produkte notwendig. „Wir haben Emil Otto in einer Ă€ußert schwierigen Situation ĂŒbernommen“, blickt Barbara Geßner, GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Emil Otto GmbH zurĂŒck. Neben einem Neuaufbau der Marketing- und Vertriebsstrukturen wurde auch das komplette Produktsortiment bereinigt und dem heutigen Bedarf der Elektronikindustrie angepasst. 2015 wurden die ersten MesseaktivitĂ€ten durchgefĂŒhrt. Die Emil Otto GmbH wurde aus ihrem Dornröschenschaf befreit und ins Rampenlicht der Fachöffentlichkeit zurĂŒckgefĂŒhrt. Neue Produkte, wie die Reinigungsmedien und SMD-Kleber, wurden in das Produktportfolio aufgenommen. Partnerschaften mit KiWo und anderen Herstellern wurden ebenfalls eingegangen, um das Unternehmen auf ein breiteres Fundament zu stellen. Dieser Weg soll so auch weiter beschritten werden, bestĂ€tigt Markus Geßner. „Auch in Zukunft werden wir diesen Weg aktiv weitergehen und uns an den KundenbedĂŒrfnissen orientieren. So werden wir weiter an der Optimierung unserer Produktpalette arbeiten. Bereits zur SMT in April 2016 werden wir weitere innovative Produkte prĂ€sentieren. Das Vertriebsnetz wird weiter aktiv ausgebaut und optimiert. GesprĂ€che mit potenziellen Vertriebs- und Kooperationspartnern werden gefĂŒhrt, sodass der Markt bereits in naher Zukunft viele Neuigkeiten von Emil Otto erwartet darf“, fasst Geßner zusammen. Aber auch in einem weiteren Bereich wird die Emil Otto GmbH neue Schritte wagen. „Neben der Elektronikindustrie haben wir auch Produkte fĂŒr den Werkzeug- und Maschinenbau, fĂŒr das Hart- und Weichlöten sowie in den KĂŒhlerbau und die Bandverzinnung. Diese Branchen wurden in den letzten Jahren marketingtechnisch nicht gepflegt und auch hier wollen wir wieder stĂ€rker in den Fokus der Anwender rĂŒcken. Bisher sind diese hochqualitativen Produkte nur einem kleinen Kreis der Fachöffentlichkeit bekannt und kaum ein Kunde kennt das vollstĂ€ndige Sortiment von Emil Otto. Dies wird sich ab 2016 Ă€ndern. Diese Produktgruppen werden in Zukunft ebenfalls einer breiten Öffentlichkeit bekanntgemacht und aktiv prĂ€sentiert“, beschreibt Geßner.
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