Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige
© pichetw dreamstime.com Analysen | 08 Juni 2015

Die Russland-Krise hinterlässt immer tiefere Spuren

Die wirtschaftliche Krise in Russland und der politische Streit mit der EU hinterlassen im deutschen Maschinenbau immer deutlicher ihre Spuren.
Im ersten Quartal dieses Jahres sind die Maschinenexporte dorthin um weitere gut 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gesunken, Russland fiel damit in der Rangliste der wichtigsten AbnehmerlĂ€nder auf Rang 10 zurĂŒck. Im Jahr 2013, also vor Beginn der Russlandkrise, war das Land noch der viertgrĂ¶ĂŸte Absatzmarkt fĂŒr den deutschen Maschinenbau. „Leider hat sich der AbwĂ€rtstrend bei den Maschinenbauexporten zu Beginn dieses Jahres noch beschleunigt“, sagt der VDMA-PrĂ€sident Dr. Reinhold Festge.

Eine neue Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) unter fast 260 Mitgliedsunternehmen zeigt, dass die Russland-Krise vielfĂ€ltige Folgen fĂŒr die hiesige Industrie hat. 94 Prozent der Befragten gaben dabei an, von der Krise betroffen zu sein; zu spĂŒren bekommen die Unternehmen das vor allem in Form von AuftragsrĂŒckgĂ€ngen (83 Prozent) und sinkenden Anfragen (70 Prozent). Deshalb ist zu erwarten, dass die Exporte nach Russland in den kommenden Monaten stark zurĂŒckgehen werden.

Auch die Schwierigkeiten, eine Finanzierung fĂŒr den Export von Maschinen und Anlagen nach Russland zustande zu bekommen, werden immer grĂ¶ĂŸer. Gut die HĂ€lfte aller befragten Unternehmen leidet darunter, dass westliche Banken bei RusslandgeschĂ€ften sehr zögerlich geworden sind, wĂ€hrend die russischen Kunden sich Kredite von ihren Heimatinstituten aufgrund der hohen Zinsen kaum noch leisten können. „Der Mangel an Finanzierungen ist zur Zeit das grĂ¶ĂŸte Hemmnis“, erlĂ€utert Ulrich Ackermann, Leiter VDMA Außenwirtschaft.

Zoll- und Exportkontrollen belasten

Etwas ĂŒberraschend ist, dass Auftragsstornierungen (20 Prozent der Befragten berichten davon) und ZahlungsausfĂ€lle (15 Prozent) sich im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage im Jahr 2014 nur ganz leicht erhöht haben. Deutlich stĂ€rker machen sich dagegen Verzögerungen in der Zollabfertigung und in der Exportkontrolle bemerkbar (22 Prozent, beziehungsweise 24 Prozent). Hier belastet vor allem die KlĂ€rung, ob es sich bei den gelieferten Maschinen und Komponenten um „dual-use“-GĂŒter handelt, also Anlagen und Teile, die auch fĂŒr militĂ€rische Zwecke genutzt werden könnten. Davon fĂŒhlen sich insbesondere die Hersteller von Werkzeugmaschinen betroffen.

In den Unternehmen wĂ€chst nun auch die Sorge, den russischen Markt an die Konkurrenz aus China dauerhaft zu verlieren. In den vergangenen zehn Jahren haben chinesische Unternehmen den deutschen Maschinenbauern bereits 10 Prozent Marktanteil abnehmen können. Nun glaubt gut ein Drittel der Befragten, aufgrund der Krise und der Sanktionen weitere Kunden oder AuftrĂ€ge an chinesische Wettbewerber verloren zu haben. „Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bis China zum wichtigsten russischen Maschinenlieferanten wird“, sagt Monika Hollacher, Russland-Expertin im VDMA.

Kein RĂŒckzug - aber sehr viel ZurĂŒckhaltung

Die Verunsicherung sowohl der deutschen Maschinenbauer als auch ihrer russischen Kunden spiegelt sich auch in den Investitionsplanungen wider. Zwar geben 43 Prozent der Befragten an, bislang noch keine besonderen Maßnahmen getroffen zu haben, um auf die Krise zu reagieren. Allerdings baut ein FĂŒnftel der Unternehmen inzwischen Personal in Russland ab oder legt Projekte dort auf Eis. Mehr noch: Die Bereitschaft, sich in Russland mit einer eigenen Niederlassung oder gar einem eigenen Werk niederzulassen, ist deutlich gesunken. Nur 40 Prozent der Befragten gaben an, bis 2017 sowohl Service als auch Vertrieb in Russland ĂŒber eine eigene Niederlassung abwickeln zu wollen – ein RĂŒckgang um 12 Prozentpunkte im Vergleich zur vorangegangenen Umfrage. Damit unterscheidet sich die jetzige Russlandkrise von derjenigen der Jahre 2008/09, als viele deutsche Maschinenbauer antizyklisch in dem Land investierten.

Aufgeben oder gar flĂŒchten wollen die deutschen Maschinenbauer aber keineswegs. Lediglich 2 Prozent der befragten Unternehmen geben an, sich vom russischen Markt zurĂŒckziehen zu wollen. Auf der gerade zu Ende gegangenen Moskauer Metalloobrabotka, der wichtigsten Werkzeugmaschinenmesse des Landes, prĂ€sentierten sich mehr als 100 deutsche Hersteller in einem gemeinschaftlichen Auftritt beziehungsweise mit eigenen MessestĂ€nden – ein deutliches Zeichen fĂŒr die große Bedeutung dieser Partnerschaft. „Russland ist und bleibt ein SchlĂŒsselmarkt fĂŒr den deutschen Maschinenbau“, resĂŒmiert VDMA-PrĂ€sident Festge.
Anzeige
Anzeige
Weitere Nachrichten
2019.01.17 14:20 V11.11.0-2