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© alexandragl dreamstime.com Analysen | 29 September 2014

Russische Sanktionen treffen Russland selbst am härtesten

Wirtschaftlicher Abschwung und politische Unsicherheiten f√ľhren seit Monaten zu sinkenden Ums√§tzen auf dem russischen Automobilmarkt.
In den ersten acht Monaten des Jahres brach der Markt um 12 Prozent ein; im Juli und August sogar um etwa 25 Prozent. Und eine baldige Erholung ist nicht in Sicht. Denn Russland k√§mpft mit einer schw√§chelnden Konjunktur, wachsender Inflation und einer stark schwankenden W√§hrung. Der ungewisse Ausgang im Ukraine-Konflikt sowie versch√§rfte Sanktionen seitens der Europ√§ischen Union und der USA erh√∂hen den Druck. Sollte Russland nun mit Gegenma√ünahmen reagieren und Pkw-Importe aus Europa und den USA sanktionieren, k√∂nnte dies die russische Wirtschaft zus√§tzlich weiter schw√§chen. In der Studie "Russian Automotive Market Update: what would be the real cost of sanctions?" zeigen die Experten von Roland Berger Strategy Consultants anhand von drei Szenarien die Auswirkungen von Sanktionen auf die russische Automobilindustrie. Import-Stopp f√ľr Autos ‚Äď drei Szenarien 1. Szenario: Erh√∂hung der Importz√∂lle f√ľr europ√§ische und amerikanische OEMs um zehn Prozentpunkte Das f√ľr 2015 prognostizierte Marktvolumen von 2,2 Millionen Neuwagen w√ľrde dadurch nur leicht sinken. "Europ√§ische und amerikanische OEMs mit Produktionsanlagen in Russland k√∂nnten ihre lokale Produktion st√§rken, um die h√∂heren Importz√∂lle zu umgehen. Dadurch w√ľrde das Preisniveau nur geringf√ľgig steigen", erkl√§rt Roland Berger-Partner J√ľrgen Reers. Russland w√ľrde dadurch sogar dazuverdienen: "Trotz geringerer Einnahmen aus der Umsatzsteuer, w√ľrde eine Erh√∂hung der Einfuhrz√∂lle dem russischen Haushalt Mehreinnahmen in H√∂he von 55 Millionen Euro bringen", erkl√§rt Roland Berger-Partner Uwe Kumm. 2. Szenario: Import-Stopp f√ľr Pkw Importe aus der EU und den USA mit einem Verkaufspreis bis 30.000 Euro Bei einem Import-Stopp f√ľr Pkw im unteren/mittleren Preissegment, d.h. mit einem Verkaufspreis bis 30.000 Euro, k√∂nnten die fehlenden St√ľckzahlen auf dem russischen Markt zu einem gro√üen Teil aufgefangen werden. Auch in diesem Fall k√∂nnten verst√§rkte Importe aus Asien und ein gr√∂√üeres Produktionsvolumen in den Werken der europ√§ischen und amerikanischen OEMs vor Ort die Marktlage wieder entlasten. 3. Szenario: Einfuhrverbot auf alle Pkw aus der EU und den USA Bei diesem Szenario w√ľrden auf dem russischen Markt im Jahr 2015 fast 110.000 Fahrzeuge weniger verkauft. Das Land m√ľsste dann mit sinkenden Einnahmen bei Umsatzsteuern und Importz√∂llen rechnen. "Durch solche Ma√ünahmen w√ľrde sich der russische Staat selbst am meisten schaden", sagt Uwe Kumm. "Nach unseren Berechnungen w√ľrden Russland so im Jahr 2015 ca. 1,4 Milliarden Euro an Steuer- und Zolleinnahmen verloren gehen." Auch die europ√§ischen und amerikanischen Autohersteller w√§ren stark betroffen: Der Gewinn aus ihrem Russland-Gesch√§ft k√∂nnte in den kommenden 12 Monaten um 550 Millionen Euro schrumpfen. "Gewinner in diesen Sanktionsszenarien sind nur die asiatischen Autobauer aus China oder Korea, die ihre Marktanteile in k√ľrzester Zeit stark ausbauen k√∂nnten", erg√§nzt Automotive-Experte Reers. Rahmenbedingungen f√ľr Autoindustrie in Russland verbessern Nach Einsch√§tzung der Roland Berger-Experten wird die Russland-Krise noch ein bis zwei Jahre weiter anhalten und so den russischen Automobilmarkt weiter schw√§chen. Westliche Automobilhersteller sollten sich daher schon jetzt darauf vorbereiten. "Automobilkonzerne sollten ihre Kostenbasis und ihre Kapazit√§ten dem schw√§chelnden Mark anpassen", r√§t Reers. "Au√üerdem sollten sie investitionsschonend die Wertsch√∂pfung im Land erh√∂hen und M√∂glichkeiten f√ľr F√∂rderprogramme ausloten." Doch auch die russische Regierung sollte statt auf weitere Sanktionen lieber auf Verbesserung der Rahmenbedingungen setzen, um den Markt langfristig zu stabilisieren und die lokale Produktion wettbewerbsf√§higer zu gestalten. Verschiedene Ans√§tze sind hier denkbar: von einem Nutzungsverbot f√ľr alte Fahrzeuge bis hin zu Finanzierungsprogrammen, um den Absatz anzukurbeln. Au√üerdem sollte das Land insbesondere die lokale Produktion von Komponenten f√∂rdern, um die lokale Kostenbasis der Hersteller zu verbessern. "Pkw-Produktion in Russland muss auch auf langfristige Sicht wirtschaftlich sinnvoller sein, als der Import von Fahrzeugen", fasst Uwe Kumm zusammen.
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