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© lcro77 dreamstime.com Analysen | 07 Juli 2014

VDMA: Maschinenbau muss Weichen für die Zukunft selbst stellen

Die deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wollen sich den Herausforderungen der Internationalisierung auch kĂŒnftig vornehmlich von ihrem heimischen Standort aus stellen. Nur jeder fĂŒnfte Unternehmer plant eine echte Produktionsverlagerung ins Ausland.
Stattdessen setzen die Unternehmen ĂŒberwiegend auf eine stĂ€rkere Automatisierung der Fertigung, Prozessinnovationen und integrierte Lösungen, um auch vom Standort Deutschland aus wettbewerbsfĂ€hig zu bleiben. Dies sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie mit dem Titel „Zukunftsperspektive deutscher Maschinenbau“, die der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und die Unternehmensberatung McKinsey & Company gemeinsam erstellt haben. An der Studie nahmen 333 Unternehmen aus allen Bereichen des Maschinen- und Anlagenbaus teil. Zum Teilnehmerkreis gehörten Unternehmen aller GrĂ¶ĂŸenklassen.

„Die deutsche Maschinenbau-Industrie hat ihren Wettbewerbsvorteil durch konsequenten Ausbau der in ihrer eigenen Verantwortung stehenden Standortbedingungen erarbeitet, trotz der bestehenden Standortnachteile wie Lohnkosten, Steuern und Regelungsdichte“, sagte VDMA-PrĂ€sident Dr. Reinhold Festge bei der Vorstellung der Studie am Montag in Frankfurt. Der Trend zur Vernetzung von Produktionsprozessen im Rahmen von Industrie 4.0 biete eine herausragende Chance. Dadurch können die Technologie- und Logistikketten optimiert werden. Dies alles fĂŒhre zur Sicherung der WettbewerbsfĂ€higkeit des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus und sichere damit auch die BeschĂ€ftigung in der Produktion, so Festge.

„Wir haben die Zukunft also selbst in der Hand, wenn wir weiterhin qualitativ bessere und wirtschaftlichere Maschinen bauen als der Wettbewerb oder eine Produktnische besetzen. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen wir natĂŒrlich immer unsere ProfitabilitĂ€t gewĂ€hrleisten.“, bilanzierte der VDMA-PrĂ€sident. Der Analyse zufolge sehen sich sehr viele Unternehmen als „InnovationsfĂŒhrer“ oder „frĂŒhe Innovationsfolger“, sechs von zehn siedeln ihr Angebot im Premiumsegment an. Eine Premiumpositionierung allein sei jedoch kein Erfolgsgarant, so Festge.

‚Made in Germany‘ erlaube dem deutschen Maschinen- und Anlagenbau zwar noch immer einen höheren Preis zu fordern. Der Vorteil nehme jedoch in dem Maße ab, wie internationale Wettbewerber mit geringeren Kosten ihre QualitĂ€t weiter steigern.

„Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland stehen vor der anspruchsvollen Aufgabe, Wachstum und ProfitabilitĂ€t langfristig zu sichern – bei deutlich verĂ€nderten Wettbewerbsbedingungen“, sagte Dr. Christian Malorny, Leiter des europĂ€ischen Maschinenbaubereichs von McKinsey & Company.

Erfolgsmuster der Maschinenbauindustrie

Aus der Befragung wurden zehn Erfolgsmuster der Maschinenbau-Industrie identifiziert. FĂŒr die einen ergibt sich Erfolg durch GrĂ¶ĂŸe, Innovationskraft und Internationalisierung, aber auch durch Fokussierung auf das KerngeschĂ€ft und operative Exzellenz. Andere profitieren von den spezifischen Vorteilen als Lösungs- oder Komponentenanbieter, einem erfolgreichen Aftersales- und ServicegeschĂ€ft oder einer Premiumposition.

Weichen fĂŒr weiteren Erfolg stellen

Um auch in Zukunft erfolgreich zu bleiben, werden in der Studie sechs Handlungsfelder zur Diskussion gestellt, die sich aus der Kombination der Erfolgsmuster mit den Trends ergeben:
  • Zielgerichtete Internationalisierungs- und Wachstumsstrategie, um die Chancen und Herausforderungen der Internationalisierung mit dem jeweils passenden GeschĂ€ftsmodell anzugehen;
  • Ausbau des Aftersales-/ServicegeschĂ€fts durch integrierte, innovative Lösungsangebote und durch eine optimierte Servicenetzwerkstrategie, um die wachsende Bedeutung dieses Feldes Gewinn bringend zu nutzen;
  • Standardisierung und Modularisierung unter Wahrung kundenspezifi-scher Angebote sowie neuer GeschĂ€ftsmodelle, um der steigenden Nachfrage nach individuellen Systemlösungen effizient zu begegnen;
  • Kontinuierliche Optimierung des Produkt-/Portfoliowertes durch kundenwertorientierte Innovation und kontinuierliche Reduzierung der Produktkosten, um mit Wettbewerbern aus neuen MĂ€rkten Schritt zu halten;
  • Exzellenz insbesondere in der heimischen Wertschöpfung (z.B. Industrie 4.0), um die QualitĂ€ts- und ProduktivitĂ€tsvorteile des Standortes Deutschland zu erhalten;
  • Stringentes, risikodifferenziertes Projektmanagement im LösungsgeschĂ€ft, um attraktive Margen zu sichern.

Wettbewerb wird hÀrter

Mit einer durchschnittlichen EBIT-Marge von ĂŒber sechs Prozent im Jahr 2012 und einem Umsatzwachstum von jĂ€hrlich mehr als zwei Prozent seit 1995 ist der Maschinen- und Anlagenbau ein Symbol fĂŒr die deutsche Wirtschaftskraft“, bilanzierte VDMA-PrĂ€sident Festge. Doch die Wettbewerbsbedingungen verĂ€ndern sich: Markteintritte von „Low-Cost-Anbietern“ mit steigender QualitĂ€t verschĂ€rften den Wettbewerb in Branchen, in denen das GĂŒtesiegel ‚Made in Germany‘ noch der Benchmark sei, und setzten Margen unter Druck. Gleichzeitig forderten Kunden verstĂ€rkt individuelle Systemlösungen, was zusĂ€tzliche Anforderungen an die Ausgestaltung des Angebots und der internen Prozesse stelle.

Wichtige Trends – Standort Deutschland bleibt gefragt

74 Prozent aller Umfrageteilnehmer sehen die steigende Nachfrage nach kundenspezifischen System- und Integrationslösungen als einen der Top-Trends, dicht gefolgt von der Verlagerung der Nachfrage in LĂ€nder außerhalb Europas (70 Prozent). Ebenfalls auf der Agenda stehen die steigende Bedeutung von Aftersales/Service (60 Prozent), der zunehmende Wettbewerb durch neue Marktteilnehmer (47 Prozent) und die wichtiger werdenden Wettbewerbsfaktoren am Standort Deutschland (45 Prozent).

Auf alle Trends, so das Ergebnis der Studie, sehen sich die Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus im Durchschnitt gut vorbereitet. Die wichtigen Entwicklungen werden von den befragten Firmen zudem ĂŒberwiegend als Chance denn als Risiko gesehen. Zudem geht fast jedes zweite befragte Unternehmen davon aus, dass sich sowohl die Vor- als auch die Nachteile des Standorts Deutschlands in Zukunft noch stĂ€rker als bisher auf ProfitabilitĂ€t und Wachstum der Maschinen- und Anlagenbauer auswirken werden.
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