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© corepics vof dreamstime.com Analysen | 20 Juni 2013

Japanische Unternehmen erfinden Branchenmodelle neu

Das traditionelle Geschäftsmodell großer japanischer Konzerne mit sehr diversifizierten Geschäftsportfolien und einer Ausrichtung auf den nationalen Markt bewährt sich in Krisen nicht.
Roland Berger Experten haben f√ľnf wichtige Merkmale eines erfolgreichen Gesch√§ftsmodells identifiziert
Japan hat in den vergangenen Jahren viel durchgemacht: Einige der größten Unternehmen des Landes verzeichnen erhebliche Verluste oder mussten ihre Gewinnprognosen korrigieren. Der Inlandsmarkt stagniert und bietet nur begrenztes Wachstumspotenzial: Die lokale Nachfrage ist schwach und die japanische Bevölkerung altert rasch.

Bis 2050 d√ľrfte die Bev√∂lkerung Japans von heute etwa 127 Millionen Einwohner auf unter 100 Millionen sinken. Vor diesem Hintergrund haben die Unternehmen bereits drastische √Ąnderungen ihrer Gesch√§fts- und Branchenmodelle angesto√üen. Diese √Ąnderungen k√∂nnen aus kr√§nkelnden Akteuren wieder gesunde Unternehmen machen und ihnen die Flexibilit√§t und internationale Ausrichtung geben, die sie brauchen, um wirtschaftliche Schwierigkeiten zu meistern.

Stärkere Fokussierung der Geschäfte und Internationalisierung sind nötig

Angesichts des stagnierenden Markts und der starken Konkurrenz durch ausl√§ndische Anbieter haben die japanischen Unternehmen mit der Entwicklung neuer Strategien begonnen. Dennoch herrscht in Japan weiterhin das traditionelle Gesch√§ftsmodell vor. Derzeit konzentrieren sich nur 63 Prozent der japanischen Unternehmen auf weniger als drei Gesch√§ftsbereiche, verglichen mit √ľber 80 Prozent in den USA, Frankreich oder Deutschland.

"In Japan ist die Meinung weit verbreitet, dass ein diversifiziertes Portfolio das Risiko minimiert", erl√§utert Martin Tonko, Partner bei Roland Berger Strategy Consultants und Co-Autor der Studie. "Dennoch haben Unternehmen mit breit gef√§cherten Gesch√§ftsportfolios unter den j√ľngsten Krisen genauso stark gelitten wie Unternehmen, die sich auf einzelne Sektoren konzentrieren. Und sie erholten sich schwerer!"

Tats√§chlich erzielten japanische Unternehmen, die sich auf eine einzige Branche konzentrieren, seit 2004 ein j√§hrliches Umsatzwachstum von √ľber 10 Prozent, deutlich h√∂her als diversifizierte Unternehmen.

Ein weiteres wichtiges Thema f√ľr japanische Unternehmen ist die Internationalisierung ihres Gesch√§fts ‚Äď ein Schritt, der einer gut durchdachten Strategie bedarf. "Japanische Unternehmen, die auch international aktiv werden, sind profitabler als Unternehmen, die sich nur auf den einheimischen Markt konzentrieren", sagt Tonko.

So mussten japanische Unternehmen, die nur auf dem Inlandsmarkt aktiv sind, 2011 einen EBIT-R√ľckgang um 0,5 Prozent hinnehmen. Unternehmen, die mehr als 50 Prozent ihres Umsatzes im Ausland erzielten, konnten dagegen mit einem EBIT-Zuwachs um 7,4 Prozent aufwarten.

Aber die Internationalisierung bietet nicht nur Zugang zu neuen Wachstumsm√§rkten, sie sch√ľrt auch den Wettbewerb mit globalen Anbietern. In vielen F√§llen m√ľssen sich japanische Unternehmen deshalb st√§rker spezialisieren, um Aufwand und Ressourcen gezielt einzusetzen und so den erforderlichen Grad an Qualit√§t hinsichtlich Produkt, Kosten und Service zu erreichen.

F√ľnf bemerkenswerte Erfolgsfaktoren japanischer Unternehmen

Angesichts Japans hoher Anf√§lligkeit f√ľr Naturkatastrophen, wie zuletzt der Tsunami von 2011 zeigte, haben einige Unternehmen begonnen, ihre Aktivit√§ten ins Ausland zu verlagern, um so eine nat√ľrliche Absicherung f√ľr ihre Supply-Chain-Risiken zu schaffen. Verschiedene japanische Unternehmen haben √Ąnderungen ihrer Branchenmodelle angesto√üen, um weltweit erfolgreich zu werden.

In ihrer Studie haben die Experten von Roland Berger die Strategien japanischer Unternehmen analysiert und f√ľnf wesentliche Merkmale international erfolgreicher Unternehmen herausgearbeitet:
  • Kompaktes Gesch√§ftsportfolio mit klaren sparten√ľbergreifenden Synergien
  • Gezielte langfristige Kundenbindung
  • Gewinnf√§higkeit auch bei k√ľrzer werdenden Produktzyklen
  • Hohe Flexibilit√§t und Kontrolle der Wertsch√∂pfungskette
  • Kulturelle Vielfalt als Basis f√ľr Innovation

Die bei japanischen Unternehmen beobachteten Ver√§nderungen reichen von neuen Markteintrittsstrategien √ľber neue Herangehensweisen beim Umgang mit Lieferanten, Kunden und der Produktentwicklung bis hin zu neuen internen Organisationsstrukturen und ver√§nderter Personalpolitik.

"Um ihr Gesch√§ftsmodell zu ver√§ndern, m√ľssen die Unternehmen einen dreistufigen Prozess durchlaufen", erkl√§rt H√©l√®ne Burger, Senior Project Manager bei Roland Berger Strategy Consultants: "Zun√§chst gilt es, das Portfolio einschlie√ülich der nicht zum Kernbereich geh√∂renden Gesch√§fte zu optimieren, danach muss das Gesch√§ftsmodell erneuert und zuletzt die Internationalisierung verst√§rkt werden. Ist das umgesetzt, bezahlen die Unternehmen unn√∂tige Diversifizierung nicht mehr mit r√ľckl√§ufigen Gewinnen, sondern erschlie√üen sich einen gr√∂√üeren Wettbewerbsvorteil."
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2019.01.17 14:20 V11.11.0-1