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© nickondr dreamstime.com Analysen | 04 Juni 2013

Performance & Optimismus europäischer Firmen in China lassen nach

Der zunehmende Marktdruck und die oft diskriminierenden regulatorischen Rahmenbedingungen in China haben das Umsatzwachstum und die ProfitabilitÀt europÀischer Unternehmen auf dem dortigen Markt erheblich beeintrÀchtigt.
Die ProfitabilitĂ€tserwartungen haben daher einen Tiefstand erreicht. Unternehmen, die in China aktiv sind, halten die Reformen zur Verbesserung der Rechtssicherheit und fĂŒr mehr Fairness im Wettbewerb fĂŒr die wichtigsten Treiber der kĂŒnftigen chinesischen Wirtschaft.

Allerdings herrscht unter den befragten Unternehmen Unsicherheit, ob die politische FĂŒhrung in China die notwendigen Wirtschaftsreformen wirklich angehen wird. Dies sind die Ergebnisse des GeschĂ€ftsklimaindex 2013 ("Business Confidence Survey 2013") von der Handelskammer der EuropĂ€ischen Union in China und Roland Berger Strategy Consultants.

Die nachlassende Dynamik und die zunehmende Reife der chinesischen Wirtschaft setzen die Gewinne europÀischer Unternehmen in China immer stÀrker unter Druck. Nur 62 Prozent der europÀischen Firmen mit Sitz in China konnten ihre UmsÀtze steigern und lediglich 44 Prozent ihren Gewinn verbessern. Insgesamt waren nur 64 Prozent der europÀischen Unternehmen in China profitabel.

Wichtigster negativer Einflussfaktor: die steigenden Arbeitskosten. Doch auch das nachlassende Wirtschaftswachstum in China und Europa und der zunehmende Wettbewerb wirkten sich negativ auf die Firmenleistung aus. Hinzu kommen die fĂŒr auslĂ€ndische Firmen diskriminierenden regulatorischen Rahmenbedingungen auf dem chinesischen Markt.

An erster Stelle stehen Schwierigkeiten beim Marktzugang: Etwa die HĂ€lfte der europĂ€ischen Unternehmen vermeldete verpasste GeschĂ€ftsgelegenheiten mangels Marktzugang oder aufgrund hoher regulatorischer Anforderungen. EuropĂ€ische Firmen zweifeln daher an der Zusicherung der Regierung, dass in China gleiche Spielregeln fĂŒr alle Unternehmen gĂ€lten.

Trotz Schwierigkeiten leistet der chinesische Markt nach wie vor einen bedeutenden Beitrag zum Gesamtumsatz europÀischer Firmen. Etwa die HÀlfte der Befragten gibt an, dass sie in China mehr als 10 Prozent ihres weltweiten Umsatzes erzielt. Die Wachstumserwartungen wurden zwar reduziert, doch immerhin 71 Prozent der Firmen sind zuversichtlich, dass sie in China weiter wachsen werden.

China hat damit seinen festen Platz in der globalen Strategie der Unternehmen. Deshalb engagieren sich europĂ€ische Unternehmen auf dem chinesischen Markt: 86 Prozent planen weitere Investitionen, um ihre aktuellen KapazitĂ€ten aufzustocken und ihren Wettbewerbsvorsprung gegenĂŒber der Konkurrenz vor Ort zu halten.

Dabei sehen die meisten Unternehmen zahlreiche Möglichkeiten, wie die neue chinesische FĂŒhrung das Wirtschaftswachstum des Landes mit passenden Reformen weiter steigern kann. An erster Stelle steht hier die Förderung verbesserter Rechtssicherheit: Drei Viertel der Befragten sehen sie als wichtigen Treiber, um die chinesische Wirtschaftsleistung in den kommenden Jahren zu verbessern.

Davide Cucino, PrĂ€sident der Handelskammer, kommentierte dies so: "Interessanterweise Ă€ußert die HĂ€lfte der europĂ€ischen Unternehmen Zweifel daran, ob die notwendigen und lĂ€ngst ĂŒberfĂ€lligen wirtschaftlichen Reformen tatsĂ€chlich umgesetzt werden. Auch wenn hochrangige Politiker in China immer wieder beteuern, dass das regulatorische Umfeld verĂ€ndert und durch marktwirtschaftliche Ausrichtung fairer werden soll, haben europĂ€ische Unternehmen bislang kaum konkrete VerĂ€nderungen wahrgenommen. Die finanzielle Performance nimmt ab und die Zuversicht hinsichtlich der ProfitabilitĂ€t ist auf dem Tiefpunkt angelangt. Jetzt ist die rasche Umsetzung zielgerichteter VerĂ€nderungen gefragt, um steigende Kosten durch ProduktivitĂ€tsverbesserungen abzufedern, Marktgelegenheiten zu erschließen und ein effizientes und gut funktionierendes GeschĂ€ftsumfeld auf der Grundlage einheitlicher Wettbewerbsbedingungen zu etablieren."

Charles-Edouard BouĂ©e, Leiter des Asia-GeschĂ€ftes und Mitglied der weltweiten GeschĂ€ftsfĂŒhrung von Roland Berger Strategy Consultants, sagte: "Die lokalen Anbieter verbessern sich weiter auf Gebieten, die lange Zeit von auslĂ€ndischen Firmen dominiert wurden. Und das Wettbewerbsumfeld ist noch hĂ€rter umkĂ€mpft. Darauf reagieren europĂ€ische Unternehmen mit der Expansion ihrer Produktionsstandorte und ihres geografischen Einzugsgebiets. Das verbessert die Skalenvorteile. Zudem bauen Unternehmen ihre StĂ€rke in Bereichen weiter aus, in denen sie bereits einen Vorsprung haben."

Doch die steigenden Arbeitskosten in China drĂŒcken die Gewinnspannen erheblich. "Im Personalbereich stellt der FachkrĂ€ftemangel eine große Herausforderung dar", erklĂ€rt BouĂ©e. "Außerdem beeintrĂ€chtigen die hohen Erwartungen der chinesischen FachkrĂ€fte bezĂŒglich Bezahlung und Sozialleistungen die Gewinnerwartungen auslĂ€ndischer Firmen. Diese Faktoren stellen erhebliche Risiken fĂŒr die WettbewerbsfĂ€higkeit des chinesischen Markts dar. Um ihnen zu begegnen, mĂŒssen die ProduktivitĂ€tssteigerungen mit den Lohnsteigerungen Schritt halten."
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2019.01.17 14:20 V11.11.0-2