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Elektronikproduktion | 11 Juli 2012

Deutsche Zulieferer verdienen Vertrauen

Die deutschen Automobilzulieferer haben sich sehr erfolgreich von der Krise 2009 erholt. Dennoch warten in den kommenden Jahren große Herausforderungen. Der globale Automobilmarkt dĂŒrfte zwar auf Wachstumskurs bleiben, ist aber auch im Umbruch.
Durch die kontinuierliche Verschiebung hin zu neuen MĂ€rkten und Technologien, immer stĂ€rker werdende asiatische Player, zunehmende Konsolidierung und steigenden Kostendruck entstehen fĂŒr die etablierten Supplier klare Risiken. Viele deutsche Zulieferer sind sehr gut positioniert, diese Entwicklungen als Chance zu nutzen, benötigen dafĂŒr aber ausreichende Finanzkraft. Angesichts der momentanen Verunsicherung in den KapitalmĂ€rkten gilt es, mögliche Risiken gegenĂŒber den Kapitalgebern proaktiv anzusprechen und eine ĂŒberzeugende Strategie fĂŒr die nĂ€chsten Jahre darzustellen. Dann können gerade innovative deutsche Zulieferer im internationalen Wettbewerb ĂŒberaus erfolgreich sein. Das sind Ergebnisse der aktuellen Oliver Wyman-Studie Risikomuster in der Automobilzulieferindustrie. Überraschend schnell hat sich die globale Automobilindustrie von ihrem historischen Tief 2009 erholt. Weltweit wurden 2011 rund 76,8 Millionen Fahrzeuge produziert. Dies entspricht gegenĂŒber den 70,4 Millionen des Vorkrisenjahrs 2007 einem Plus von knapp zehn Prozent. Der Weltmarkt indes hat sich verĂ€ndert. So erfolgte eine klare Verschiebung hin zu China, Indien oder Indonesien und – damit einhergehend – hin zu einfacheren Fahrzeugzeugklassen. Insgesamt konnte Asien die Fahrzeugproduktion von 2007 bis 2011 um rund 31 Prozent auf 36,5 Millionen steigern. Im gleichen Zeitraum ist der Markt in Westeuropa und Nordamerika um 13 Prozent geschrumpft. Profitiert haben neben den deutschen Premiumherstellern vor allem chinesische und sĂŒdkoreanische Autobauer. Sie legten auch wĂ€hrend der Krise beim Umsatz zu. Zwischen 2007 und 2010 beliefen sich die jĂ€hrlichen Wachstumsraten auf 23 beziehungsweise 17 Prozent. Im gleichen Zeitraum haben viele europĂ€ische Hersteller nach den massiven Umsatzverlusten im Jahr 2009 gerade erst das Niveau von 2007 wieder erreicht. OEMs aus USA und Japan liegen sogar noch rund neun Prozent darunter. Vergleichbar ist die Entwicklung in der Zulieferindustrie. Chinesische und sĂŒdkoreanische Wettbewerber sind inflationsbereinigt um 55 beziehungsweise 45 Prozent gegenĂŒber 2007 gewachsen. Viele Zulieferer aus Europa, USA und Japan konnten im gleichen Zeitraum lediglich die Umsatzverluste aus 2009 ausgleichen oder liegen noch leicht unter dem Niveau von 2007. Zudem sind Zulieferer aus Asien im Schnitt mittlerweise deutlich profitabler. So realisierten beispielsweise chinesische Zulieferer 2010 im Schnitt eine EBIT-Marge von elf Prozent, wĂ€hrend europĂ€ische Wettbewerber im Mittel nur sechs Prozent erzielen konnten. Doch die Erfolge der asiatischen Hersteller und Zulieferer sind nicht das einzige Problem der westlichen Supplier. Es droht eine KonjunkturabkĂŒhlung des Gesamtmarkts, und die ÜberkapazitĂ€ten bei den OEMs sind so hoch wie vor der Krise. KĂŒnftige Markttrends als Chance begreifen In den nĂ€chsten Jahren sind im weltweiten Automobilmarkt weitere wichtige Entwicklungen abzusehen. So setzt sich die Verschiebung der Produktion in die neuen MĂ€rkte fort, was den Wettbewerbsdruck erhöht und die Spielregeln neu definiert. Der in der Krise entstandene M&A-Stau löst sich auf, die Industriestrukturen verĂ€ndern sich. Alternative Antriebskonzepte bringen neue technologische und strategische Herausforderungen mit sich. DarĂŒber hinaus greifen steigende Faktorkosten und erhöhter Kostendruck der OEMs die Margen der Zulieferer an. Und schließlich werden viele Module bei Neuserien einen geringeren Wertanteil je Fahrzeug haben. Dennoch sind diese Entwicklungen fĂŒr viele Automobilzulieferer eine Chance. „Wenngleich sich die MĂ€rkte stark nach Asien verschieben, sind viele deutsche Zulieferer doch sehr gut positioniert, um auch außerhalb von Europa erfolgreich zu sein“, ist Lars Stolz, Partner und Automobilzulieferexperte bei Oliver Wyman, ĂŒberzeugt. „Gerade innovative und strategisch gut aufgestellte Unternehmen werden sich im Wettbewerb mit Playern aus Fernost behaupten können.“ Die aktuelle Oliver Wyman-Studie hat die wichtigsten Faktoren fĂŒr kĂŒnftigen Erfolg ermittelt. Dazu zĂ€hlen ein globales GeschĂ€ftsmodell verbunden mit geeigneter Wertschöpfung in den WachstumsmĂ€rkten, die UnabhĂ€ngigkeit von einzelnen OEMs aus Europa, USA und Japan sowie eine starke Technologieposition oder gar Nischenstatus. Hinzu kommen Kosteneffizienz aufgrund operativer Exzellenz, eine wettbwerbsfĂ€hige Kostenstruktur sowie die Möglichkeit, aktiv an der Segmentkonsolidierung in Folge von wieder zunehmenden M&A-AktivitĂ€ten und neuen Partnerschaften teilzunehmen. Ausreichende Finanzkraft schaffen FĂŒr die Zulieferer heißt somit das Gebot der Stunde, diesen Umbruch im Markt als Chance zu begreifen und mit gezielten Maßnahmen Nutzen daraus zu ziehen. Dazu sollten Management oder Inhaber ihre Unternehmen anhand einer „Supplier Agenda 2015“ ausrichten. Im Rahmen einer ganzheitlichen Betrachtung gilt es, konsequent an den Themen Kosteneffizienz, Marktfokus, Innovationen, Vertriebsnetz, Partnerschaften sowie FĂŒhrung und Organisation zu arbeiten. Dies erfordert nicht zuletzt hohe Investitionen. Um die Finanzierung zu gewĂ€hrleisten, ist es von entscheidender Bedeutung, Gesamtstrategie und MaßnahmenbĂŒndel gegenĂŒber Banken klar zu kommunizieren. Denn diese betrachten vor dem Hintergrund der Bankenkrise und neuen Anforderungen aufgrund Basel III jede MarktverĂ€nderung zunĂ€chst einmal auch als Risiko. Daher sind viele Banken bei der Kreditvergabe zurĂŒckhaltend, insbesondere wenn ihnen detaillierte Kenntnisse der Branchenentwicklung fehlen. Je intensiver der Dialog mit den Banken ist, desto leichter wird es den Zulieferern fallen, mit ĂŒberzeugenden Strategien Kredite oder Anschlussfinanzierungen zu erhalten. Doch auch anderen Kapitalgebern gilt es zu erklĂ€ren, mit welchen Strategien die Risiken in Chancen umgewandelt werden können. Viele Automobilzulieferer wurden 2005 und 2006 von Finanzinvestoren zu Preisen gekauft, die starkes Wachstum unterstellten. Die Unternehmen stehen jetzt zum Verkauf an, konnten aber wegen der Krise ihre WachstumsplĂ€ne oftmals nicht realisieren. Entsprechend mĂŒssen die Zulieferer sicherstellen, dass der maximale Verkaufswert erzielt wird oder sich die AbzĂŒge potenzieller KĂ€ufer zumindest in Grenzen halten, sonst drohen Probleme bei der RĂŒckzahlung der Akquisitionskredite. Dazu muss nachgewiesen werden, dass keine Risiken bestehen oder wenn sie vorliegen, dass gezielte Gegenmaßnahmen bereits geplant oder eingeleitet wurden. „Die Zulieferer brauchen die richtige Story“, betont Lutz JĂ€de, Partner und Restrukturierungsexperte bei Oliver Wyman. „Haben sie die Risiken im Markt und im Wettbewerb nachvollziehbar im Griff und können sie ihre Strategie ĂŒberzeugend darstellen, werden sie Banken und Finanzinvestoren fĂŒr sich einnehmen. Und dann fließt auch das nötige Geld.“ Zukunftsorientierte AnsĂ€tze sind notwendig Dank ihrer starken Position haben deutsche Zulieferer gute Chancen, mit der richtigen Vorbereitung den signifikanten Wandel im Markt fĂŒr ihren eigenen Erfolg zu nutzen. Kapitalgeber sollten Unternehmen in ihrem Investment- beziehungsweise Kreditportfolio daher auf Basis ihrer Erfolgschancen im Licht dieser VerĂ€nderungen bewerten. Klassische Rating-Systeme greifen dabei zu kurz. Vielmehr muss ein zukunftsorientierter Ansatz verwendet werden, der Marktentwicklungen mit der Positionierung und LeistungsfĂ€higkeit der Unternehmen verbindet. Bei Zulieferern, die in attraktiven MĂ€rkten gut positioniert sind, gilt es, das Engagement auszubauen. Erweist sich, dass bei Marktentwicklung und Positionierung eines Unternehmens Chancen aber auch Risiken vorliegen, muss der Dialog mit dem Management hinsichtlich der richtigen Strategie intensiviert werden. Sind hohe Risiken im Markt erkennbar und zeigen sich Supplier schlecht vorbereitet, sollten die Kapitalgeber Restrukturierungsmaßnahmen forcieren. StĂ€rken Banken und Finanzinvestoren den gut positionierten deutschen Zulieferern finanziell den RĂŒcken, dĂŒrften sich viele von ihnen auch kĂŒnftig in der globalen Wettbewerbsarena durchsetzen können. Erfolgsfaktoren fĂŒr Zulieferer in Deutschland
  • Globales GeschĂ€ftsmodell
  • UnabhĂ€ngigkeit von einzelnen OEMs aus traditionellen MĂ€rkten
  • Starke Technologieposition und/oder Nischenstatus
  • Kosteneffizienz
  • Aktive Teilnahme an der Segmentkonsolidierung
----- Weitere Details sind bei Oliver Wyman zu finden.
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