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© andrzej thiel / dreamstime.com Elektronikproduktion | 11 April 2012

EMS-Branche: Tag des Gewissens?

Die Apple / Foxconn Untersuchung hat den Charakter der USD 360 Milliarden schweren Elektronik-Auftragsfertigung verändert.

Für die Schuh- und Bekleidungsindustrie kam dieser Tag in den 90er Jahren: als Unternehmen wie Nike mit Enthüllungen über Sweatshop-Produktion konfrontiert wurden. Damals wurde – als Ergebnis dieser Enthüllungen – die Fair Labour Association (FLA) gegründet. Für die Elektronikindustrie kam dieser Tag dann in 2010. Eine FLA-Untersuchung zeigte massive Probleme beim Auftragsfertiger Foxconn auf. Foxconn ist vor allem für Eins weltbekannt: seine Beziehung zum Überflieger Apple. Die Untersuchung unterstreicht die Gefahr welche für das öffentliche Bild eines Elektronik-Unternehmens besteht. Sie wird die Aufmerksamkeit wahrscheinlich verstärkt auf Compliance richten. Kosten für Elektronik-Marken werden ebenfalls steigen, heißt es beim Marktforscher IHS. "Ein Großteil der Presse-Berichterstattung zur FLA-Untersuchung konzentrierte sich auf die Auswirkungen auf Apples Margen oder auf die Preise, die Verbraucher für das iPhone oder iPad nun zahlen werden müssen", sagte Thomas Dinges, Senior Principal Analyst, Electronics Contract Manufacturing für IHS. "Allerdings sind die Auswirkungen auf das Verhältnis von Elektronik-Marken zu Vertragsherstellern wie Foxconn höher einzuschätzen. Unternehmen erkennen nun, dass das größte Risiko in den potenziellen Katastrophen im Bereich Öffentlichkeitsarbeit liegt. Vor allem wenn diese aus Problemen bei Arbeitnehmerrechten entstehen." Die USD 360 Milliarden Frage Für Elektronik-Marken, sind die Auswirkungen von arbeitsrechtlichen Fragen massiv. Vor allem angesichts ihrer grundlegenden Abhängigkeit durch die Produktionsverlagerung zu Auftragsfertiger. Das weltweite Geschäft mit der Auftragsfertigung besteht aus Electronics Manufacturing Services (EMS) und Original Design Manufacturing (ODM) Unternehmen, welche 2011 einen Umsatz von unglaublichen USD 359,5 Milliarden erwirtschaftet haben. Durch die Auslagerung der Produktion durch OEM-Unternehmen hat das Segment der Auftragsfertigung in den letzten Jahren ein enormes Wachstum erlebt. 2006 betrug der Jahresumsatz der Branche noch USD 264 Milliarden. Während der Umsatz in 2012 wahrscheinlich etwas fällt, wird die Industrie in den kommenden Jahren weiter expandieren: für 2015 wird ein Umsatz von USD 426,1 Milliarden vorausgesagt. Auftragsfertigung ist heute ein wesentlicher Teil der Elektronik-Industrie; mit einem Anteil von 20,2% am Gesamtumsatz (Produktion) in 2011. "Tatsache ist, dass alle Elektronik-Marken auf Auftragsfertiger setzen,obwohl der Fokus in jüngster Zeit auf Apple und Foxconn lag", erklärt Dinges. "Aus diesem Grund sind fast alle Marken auch der Gefahr von negativen Schlagzeilen in regionalen Zeitungen ausgesetzt." Die Zeit ist gekommen Für Elektronik-Marken ist nun der Augenblick gekommen, in dem sichergestellt werden sollte, dass der Produktionsparter die FLA-Regeln einhält. IHS erwartet weitere Überprüfungen, welche wiederum weitere Probleme aufdecken werden. OEM Unternehmen werden gezwungen ihre Geschäfte und Aktivitäten im Bereich Supplier Responsibility & Compliance weiter auszubauen. Während Auftragsfertiger sich um Compliance bemühen, müssen eben jene Fertiger auch die Belegschaftszahlen und Löhne in China erhöhen. Dadurch werden auch die Kosten steigen. Angesichts der Tatsache, dass Herstellungskosten nur einen geringen Prozentsatz der BOM ausmachen, wird dies jedoch keinen wesentlichen Einfluss auf die Margen der Unternehmen oder die Verbraucherpreise haben. Durch steigende Kosten in China werden Auftragsfertiger angespornt nach alternativen und kostengünstigeren Standorten für die Fertigung zu suchen. Sowohl die bereits umfassend etablierten Lieferketten als auch die Infrastruktur im Land, werden China den Status des Produktionsprimus innerhalb der weltweiten Elektronik-Industrie weiter sichern.
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2019.05.21 21:58 V13.3.9-1