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© irochka dreamstime.com Komponenten | 02 Juni 2017

Brauchen Distributoren nun eine BOM-BOM-BOM-Liste?

Über die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit und Umsetzbarkeit der EU-Regularien
© FBDi
Das Wohl der Umwelt und der menschlichen Gesundheit sollte uns allen wichtig sein. Damit sich auch die Industrie an Regeln hĂ€lt, trat in 2007 die REACh Verordnung ((EG) 1907/2006) der EuropĂ€ischen Union in Kraft. Es ist eines der strengsten Chemikaliengesetze und darĂŒber hinaus ein ĂŒberaus detailliertes Regelwerk. GrundsĂ€tzlich ist daran nichts auszusetzen – wenn nicht jede Neuerung noch grĂ¶ĂŸere HĂŒrden bei der Umsetzung mit sich brĂ€chte 
 Nun also liegt die neue Version 4.0 des REACh Guides an – noch ist sie nicht veröffentlicht (Stand 11. Mai), und schon heiß diskutiert. Beispielsweise unter Bauelemente Distributoren, die als Importeure von Produkten automatisch die Pflichten eines Herstellers und damit auch die Verantwortung ĂŒbernehmen. FĂŒr die meisten Verfahren nach REACh ist die eindeutige Identifizierung von Stoffen eine Vorbedingung. Die Akteure der Lieferkette mĂŒssen ĂŒber ausreichende Informationen ĂŒber die IdentitĂ€t ihres Stoffes verfĂŒgen – so der theoretische Ansatz. Denn mit dem Auskunftsrecht haben Verbraucher/innen die Möglichkeit sich selbst ĂŒber solche Stoffe zu informieren und ihre Kaufentscheidungen zu treffen. GrundsĂ€tzlich mĂŒssen Produzenten und Importeure gemĂ€ĂŸ Artikel 7 einen SVHC in Erzeugnissen bei der ECHA notifizieren, wenn dieser SVHC in diesen Erzeugnissen in einer Menge von insgesamt mehr als 1 Tonne (als Gesamtmenge in allen importierten Einzelerzeugnissen) pro Jahr und pro Importeur bzw. Produzent enthalten ist. Es stellt sich jetzt die Frage, wann und was ist ein Erzeugnis? Das sollte uns doch der neue REACh Guide 4.0 beantworten können. TatsĂ€chlich zeigt sich schon im Entwurf: Er ist nicht klar verstĂ€ndlich. Und - noch schlimmer - es gibt Regelungen, deren Umsetzung effektiv nicht realisierbar ist! Das bestĂ€tigt ORGALIME (Dachverband der europĂ€ischen InvestitionsgĂŒterindustrie) in der Anmerkung 578 (Appendix 5, Example 2) am Beispiel Leiterplatte: ‚nicht machbar‘ bzw. ‚not for discussion‘. Der genaue Blick auf die Handhabung zeigt – wenn jeder Bestandteil eines komplexen Objektes (z.B. Leiterplatte) auf seine ursprĂŒnglichen Erzeugnis-Ebene heruntergebrochen werden muss, ist fĂŒr jede Ebene eine eigene BOM notwendig. Das macht also bei drei Ebenen drei BOMs oder eine BOM-BOM-BOM-Liste. Hierzu ist allerdings noch anzumerken, dass die frĂŒhere Interpretation des Erzeugnisses (das Bauelement an sich) durch die neue Interpretation im Guide nicht mehr relevant ist – jetzt ist das Erzeugnis (z.B. ein Kondensator) ein komplexes Objekt, das schon selbst eine BOM benötigt. Damit sind schon fĂŒr Cent-Artikel unter UmstĂ€nden einige hundert Stunden Aufwand nötig, um die Basisinformationen zu ermitteln – desto mehr desto komplexer! Es ist schlicht unmöglich diese Datenmengen handzuhaben – gerne aber könnte das ein Vertreter der ECHA mal probieren. Wir könnten ihm dazu auch den FBDi Kompass als Handlungshilfe ausleihen – aber nur, wenn wir eine Antwort auf die Frage der VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit erhalten. Autor: Jens Dorwarth, Manager E&C Hy-Line, Vorsitzender AK Umwelt&Compliance im FBDi
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2019.02.20 12:04 V12.2.3-1