TUM erprobt E-Lkw als mobile Stromspeicher mit bis zu 350 Kilowatt
Ein Forschungskonsortium unter Leitung der Technischen Universität München (TUM) hat Elektro-Lkw als mobile Stromspeicher erprobt und dabei eine Rückspeiseleistung von bis zu 350 Kilowatt erreicht. Das geht aus einer TUM-Mitteilung vom 30. Oktober hervor. Die Fahrzeuge sollen Strom für andere Fahrzeuge, Betriebshöfe und das öffentliche Netz bereitstellen können. Im Projekt SPIRIT-E untersuchten die Forschenden deshalb, wie Speditionen ihre Fahrzeugflotten wirtschaftlich für die Stromversorgung nutzen können.
Rückspeisung über bidirektionale Gleichstromtechnik
In Zusammenarbeit mit der Spedition Schmid im Raum Regensburg testeten die Partner einen Elektro-Lkw mit 480 Kilowattstunden nutzbarer Batteriekapazität. Über eine bidirektionale DC-Ladestation versorgte der Lkw andere Fahrzeuge mit Energie. Er speiste Strom in das öffentliche Netz ein und trug zur Stromversorgung des Betriebshofs bei. Die Kommunikation mit der Ladeinfrastruktur erfolgte über den Standard ISO 15118-20.
Für den Versuch entwickelten und erprobten die Beteiligten Schnittstellen zwischen Fahrzeugen, Ladesäulen, Energiemanagementsystemen, Stromvermarktern und Netzbetreibern. Dazu gehörte ein System zur Reservierung von Ladepunkten. In einer Testumgebung simulierten sie außerdem, wie Lkw-Batterien bei niedrigen Strompreisen Energie aufnehmen und bei höheren Preisen wieder abgeben können.
Bis zu zehn Prozent niedrigere Energiekosten
Mit der Nutzung von E-Lkw als Stromspeicher könnten Speditionen ihre Energiekosten senken und zusätzliche Einnahmen aus dem Stromhandel erzielen. Wie groß die wirtschaftlichen Vorteile ausfallen können, untersuchte eine begleitende TUM-Studie anhand von Fahrdaten aus sechs deutschen Schwerlastflotten über insgesamt 2,15 Millionen Kilometer. Die intelligente Einbindung in Stromnetz und Strommarkt verringerte die errechneten Gesamtkosten der Mitteilung zufolge um durchschnittlich 1,7 Cent pro Kilometer; mit bidirektionalem Laden waren es 6,1 Cent. Die gemeinsame Planung von Fuhrpark und Betriebshof mit Photovoltaik und stationären Speichern brachte gegenüber einer reinen Flottenumstellung um 25 bis 44 Prozent höhere Einsparungen.
Das Projektteam schätzt, dass Speditionen ihre Energiekosten um etwa zehn Prozent senken könnten. Besonders geeignet seien Lkw im Regionalverkehr mit regelmäßigen Standzeiten am Depot. Bei reservierten öffentlichen Ladepunkten könnte der Zeitverlust gegenüber Diesel-Lkw je nach Szenario im Median auf rund ein bis vier Prozent sinken. Begrenzte Netzanschlüsse an Betriebshöfen und uneinheitliche technische Lösungen für die Stromvermarktung erschweren nach TUM-Angaben derzeit eine breite Nutzung.
Prof. Markus Lienkamp, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Fahrzeugtechnik, erklärte: „SPIRIT-E hat gezeigt, dass schwere Elektro-Lkw weit mehr sein können als nur neue Stromverbraucher. Sie lassen sich technisch als flexible Speicher in das Energiesystem integrieren. Jetzt gilt es, die erprobten Lösungen zu standardisieren, zu skalieren und in tragfähige Geschäftsmodelle zu überführen – dafür braucht es Forschung, Netzbetreiber, Industrie, Logistik und Politik gemeinsam.“
Das vom Bund geförderte Projekt SPIRIT-E lief von August 2023 bis Oktober 2026. Beteiligt waren unter anderem Fraunhofer IEE, MAN Truck & Bus, TenneT und Hubject.


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