Batteriespeicherhersteller Sonnen meldet Insolvenz an
Der deutsche Batteriespeicherhersteller Sonnen hat Insolvenz angemeldet. Erst im Sommer hatte der Energiekonzern Shell das Unternehmen an das Family Office Tiven verkauft. Während zahlreiche Tochtergesellschaften abgewickelt oder restrukturiert werden sollen, ist geplant, die Betreuung der mehr als 150.000 Bestandskunden fortzuführen.
Wie pv magazine unter Berufung auf das Handelsblatt berichtet, wurden die rund 400 verbliebenen Beschäftigten der Sonnen GmbH am Donnerstag, dem 22. Oktober 2026, über den Insolvenzantrag informiert.
Das Unternehmen mit Sitz in Wildpoldsried im Allgäu bestätigte dem Handelsblatt das Verfahren. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lag allerdings noch keine offizielle Veröffentlichung im Insolvenzregister vor.
Nur ein Produktionsstandort soll erhalten bleiben
Die Insolvenz könnte weitreichende Folgen für die Unternehmensstruktur haben. Nach Informationen des Handelsblatts sollen zahlreiche Tochtergesellschaften entweder abgewickelt oder in Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung überführt werden.
Zudem soll künftig nur noch ein Produktionsstandort weiterbetrieben werden. Welche Produktionsstätte erhalten bleibt, wurde zunächst nicht bekannt gegeben.
Trotz der geplanten Restrukturierung soll das Geschäft mit den mehr als 150.000 bestehenden Kunden fortgeführt werden. Einzelheiten zur künftigen Organisation der Kundenbetreuung wurden bislang nicht veröffentlicht.
Insolvenz folgt kurz nach Verkauf durch Shell
Die Insolvenzmeldung kommt nur wenige Monate nach dem Eigentümerwechsel. Im Sommer 2026 hatte Shell den Batteriespeicherhersteller nach einer mehrjährigen Suche nach einem Käufer an das Family Office Tiven verkauft.
Bereits nach der Übernahme waren Fragen zur weiteren strategischen Ausrichtung und Zukunft des Unternehmens aufgekommen.
Nach Angaben von pv magazine blieben entsprechende Anfragen an Sonnen unbeantwortet. Auch die Kommunikationsagentur, die Sonnen in Deutschland vertrat, wollte sich im Sommer nicht zur Geschäftsstrategie nach dem Eigentümerwechsel äußern.
Ende August hatte sich Franc Comino, Geschäftsführer von Sonnen Ibérica, gegenüber pv magazine noch zuversichtlich über die Entwicklung des spanischen Geschäfts geäußert. Das Unternehmen wolle in Spanien bleiben und habe dort hohe Erwartungen. Auf spätere Anfragen reagierte Sonnen jedoch nicht mehr.
US-Geschäft meldet gleichzeitig starkes Wachstum
Während Sonnen in Deutschland ein Insolvenzverfahren eingeleitet hat, berichtet die US-Tochtergesellschaft von einer deutlich positiveren Geschäftsentwicklung.
Sonnen USA teilte am selben Tag mit, dass sich der Umsatz in den Vereinigten Staaten gegenüber dem Vorjahr verdoppelt habe. Die Produktion sei im gleichen Zeitraum sogar auf das Dreifache gestiegen.
Das Unternehmen hat zudem seine Fertigungsstätte im US-Bundesstaat Georgia erweitert, unter anderem um die Abhängigkeit von globalen Lieferketten zu verringern.
Für 2026 erwartet Sonnen USA den Absatz von Batteriespeichern für Privathaushalte mit einer Gesamtkapazität von mehr als 180 Megawattstunden.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist das Geschäft mit virtuellen Kraftwerken. Dabei werden dezentrale Batteriespeicher miteinander vernetzt, um gemeinsam zur Energieversorgung und Netzstabilität beizutragen.
Besonders wichtig ist nach Unternehmensangaben die Zusammenarbeit mit Solrite. Allein in Texas beteiligen sich bereits mehr als 6.000 Haushalte an einem Modell, das Solaranlagen, Batteriespeicher, Energiemanagement und virtuelle Kraftwerke miteinander verbindet.
Sonnen-USA-Chef Blake Richetta betonte, dass das Unternehmen weiterhin auf Innovationen im Bereich virtueller Kraftwerke und weiteres Wachstum in den USA setze. Der neue Eigentümer Tiven unterstütze die langfristige Entwicklung der US-Gesellschaft und deren Ziel, eine führende Position auf dem nordamerikanischen Markt für virtuelle Kraftwerke einzunehmen.
Zu den Entwicklungen bei Sonnen in Deutschland wollte sich die US-Tochtergesellschaft auf Anfrage von pv magazine allerdings nicht äußern.
Damit bleibt zunächst offen, welche Auswirkungen die Insolvenz und die geplante Restrukturierung auf die internationalen Aktivitäten des Batteriespeicherherstellers haben werden.



