Volkswagen steht vor Entscheidung über größten Konzernumbau
Der Volkswagen-Aufsichtsrat will am Freitag über das bislang größte Restrukturierungsprogramm des Autobauers abstimmen. Die Pläne für weitere Stellen- und Kapazitätskürzungen stoßen allerdings auf erheblichen Widerstand von Gewerkschaften und dem Anteilseigner Niedersachsen.
Der Aufsichtsrat von Volkswagen soll am Freitag über das größte Restrukturierungsprogramm in der Geschichte des Konzerns abstimmen. Das berichtet Reuters. Die Pläne des Managements sehen weitere Stellen- und Kapazitätskürzungen vor und haben zu einem Konflikt mit Arbeitnehmervertretern und dem Land Niedersachsen geführt.
Die geplante Neuordnung ist Teil einer längeren Entwicklung bei Volkswagen. Bereits im September 2024 hatte der Konzern angesichts sinkender Verkäufe in China und Europa sowie hoher Betriebskosten erstmals in seiner Geschichte mit der Schließung deutscher Automobilwerke gedroht. Nach monatelangen Verhandlungen und Warnstreiks einigten sich Volkswagen und die Gewerkschaften im Dezember desselben Jahres auf den Abbau von bis zu 35.000 Arbeitsplätzen in Deutschland.
Gleichzeitig verschlechterte sich die Position des Konzerns auf seinem lange besonders wichtigen chinesischen Markt. 2024 verlor Volkswagen dort seine Position als meistverkaufte Automarke an den chinesischen Wettbewerber BYD. Ein Jahr später fiel der deutsche Hersteller hinter Geely auf den dritten Platz zurück. Ein intensiver Preiskampf belastete zusätzlich die Profitabilität des China-Geschäfts.
Im Juni 2026 wurden schließlich Pläne für ein noch umfassenderes Restrukturierungsprogramm bekannt. Dieses könnte laut Reuters die bereits vorgesehenen Stellenstreichungen verdoppeln und zur Schließung von vier Werken führen. Zudem steht eine rechtliche Ausgliederung der Pkw- und Komponentensparten des Konzerns zur Diskussion.
Im Juli konkretisierte Volkswagen weitere Sparmaßnahmen. Die Modellpalette soll schrittweise um bis zu die Hälfte reduziert werden. Gleichzeitig will der Konzern seine jährliche Produktionskapazität von derzeit rund zehn Millionen auf neun Millionen Fahrzeuge senken.
Die Umsetzung der Pläne wird durch die besondere Eigentümer- und Führungsstruktur von Volkswagen erschwert. Das Land Niedersachsen hält seit der Privatisierung des Unternehmens im Jahr 1960 einen Anteil von 20 Prozent. Das sogenannte Volkswagen-Gesetz verschafft dem Bundesland eine effektive Sperrminorität bei Hauptversammlungen und schreibt für Werksschließungen eine Mehrheit im Aufsichtsrat vor.
Auch Arbeitnehmervertreter verfügen traditionell über erheblichen Einfluss. Der Konflikt zwischen Management, Gewerkschaften und Niedersachsen könnte deshalb weiter eskalieren. Sollte bei der anstehenden Aufsichtsratssitzung keine Einigung über das Restrukturierungsprogramm erzielt werden, könnte nach Angaben von Reuters sogar eine außerordentliche Hauptversammlung folgen.
Für Volkswagen ist der Umbau ein weiterer Versuch, seine Kosten- und Produktionsstruktur an den zunehmenden Wettbewerbsdruck anzupassen insbesondere vor dem Hintergrund des Aufstiegs chinesischer Hersteller und der schwächeren Position des Konzerns auf dem chinesischen Automarkt.





