Navitas übernimmt Power-Management-Spezialisten Claros
Der US-amerikanische Halbleiterhersteller Navitas Semiconductor will den US-Stromversorgungsspezialisten Claros übernehmen. Das geht aus einer Mitteilung des Unternehmens vom 24. August hervor. Mit der Übernahme will Navitas seine Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren bis zum Prozessor ausbauen und damit die gesamte Versorgungskette vom Stromnetz bis zum xPU abdecken.
Stromversorgung bis zum KI-Prozessor
Mit Claros will Navitas sein Angebot für die Stromversorgung von KI-Systemen um die letzte Stufe bis zum Prozessor erweitern. Die VPD- und IVR-Lösungen des Energiemanagement-Spezialisten integrieren Stromwandlung, Regelung, Ansteuerung und passive Komponenten in einem kompakten Aufbau. Zusammen mit Navitas’ GaN- sowie Hochvolt- und Ultrahochvolt-SiC-Technologien soll daraus ein Stromversorgungsangebot entstehen, das auch für neue 800-Volt-HVDC-Architekturen ausgelegt ist.
Für die weitere Entwicklung der Stromversorgungssysteme gewinnt Navitas mit Claros zusätzliche technische Kompetenzen. Dazu gehören digitale Regelung, passive Integration, fortschrittliches 2D- und 3D-Packaging sowie moderne Leistungs- und analoge Mixed-Signal-Technologien. Ergänzt wird das Portfolio zudem um eigenständige Digital- und Controller-Lösungen.
Stromversorgung wird zum Engpass für KI-Leistung
Mit jeder neuen Generation leistungsfähiger KI-Prozessoren steigen auch die Anforderungen an ihre Stromversorgung. GPUs, CPUs, TPUs, NPUs und andere Beschleuniger benötigen mittlerweile Ströme von mehreren Tausend Ampere und müssen sehr schnell auf Lastwechsel reagieren. Herkömmliche Spannungsreglermodule stoßen laut Mitteilung deshalb zunehmend an technische Grenzen: Sie verteilen den Strom seitlich über die Leiterplatte, was bei den steigenden Stromanforderungen moderner xPUs zum Engpass wird.
Die Claros-Technik soll diese Stromwege deutlich verkürzen. VPD und IVR platzieren die Stromwandlung direkt unter oder innerhalb des Chipgehäuses beziehungsweise der Leiterplatte, sodass der Strom nur noch wenige Millimeter zurücklegen muss. Navitas erwartet dadurch schnellere Reaktionen auf Lastsprünge, geringere Impedanzen und eine höhere Effizienz bei Spannungen unter einem Volt. Die Technik soll Leistungsdichten ermöglichen, die kommende Generationen von KI-Prozessoren benötigen.
Chris Allexandre, President und CEO von Navitas, sagte: „Die Zukunft der KI hängt davon ab, zunehmend stromhungrige Prozessoren mit Tausenden Ampere und mit bislang unerreichter Geschwindigkeit und Präzision zu versorgen.“
Die Transaktion hat einen Wert von bis zu rund 232,8 Millionen US-Dollar. Navitas will die Übernahme noch vor Jahresende abschließen, sofern die erforderlichen Genehmigungen vorliegen. Das Unternehmen erwartet, dass sich der für 2030 identifizierte adressierbare Markt durch die Übernahme auf mehr als acht Milliarden US-Dollar und damit mehr als verdoppelt. Mindestens 3,5 Milliarden Dollar sollen VPD und IVR beisteuern; weitere 3,5 Milliarden Dollar entfallen auf GaN sowie Hochvolt- und Ultrahochvolt-SiC und rund eine Milliarde Dollar auf neue JFET-Technologien. Einen zusätzlichen Wachstumsschub durch Claros erwartet Navitas ab 2028 beziehungsweise 2029.


