KI-gestütztes Chipdesign: Siemens vereinbart Übernahme von Precision Innovations
Der deutsche Technologiekonzern Siemens will den US-amerikanischen EDA-Softwareanbieter Precision Innovations übernehmen. Das teilte Siemens am 20. Juli mit. Mit dem geplanten Zukauf will der Konzern seine Werkzeuge für die frühe Planung und Bewertung komplexer System-on-a-Chip-Architekturen erweitern. Damit reagiert das Unternehmen auf die wachsende Komplexität moderner SoCs, deren Machbarkeit und mögliche Zielkonflikte möglichst früh geprüft werden müssen.
KI-gestützte Architekturplanung für durchgängige SoC-Workflows
Mit der Übernahme will Siemens eine EDA-Software in sein Portfolio aufnehmen, die Halbleiterteams bereits in einer frühen Entwicklungsphase bei der Bewertung neuer SoC-Architekturen unterstützt. Die Software von Precision Innovations baut auf dem Open-Source-Framework OpenROAD auf und ermöglicht mithilfe von KI zu prüfen, welche Entwurfsvarianten technisch umsetzbar sind. Siemens will die Technologie mit seinen bestehenden Werkzeugen für digitales Design, Implementierung und Verifikation verbinden. Daraus soll ein durchgängiger Entwicklungsablauf entstehen, der von der Architekturplanung bis zum Silicon-Lifecycle-Management reicht. Nach Angaben von Siemens setzen bereits führende Unternehmen aus der Halbleiter- und Technologiebranche die Lösungen von Precision Innovations ein.
Frühere Entscheidungen sollen Entwicklungszyklen verkürzen
Einen wesentlichen Nutzen sieht Siemens am Anfang des Designprozesses: Mögliche Konflikte zwischen Architektur und technischer Umsetzung sollen erkannt werden, bevor sie aufwendige Überarbeitungen nach sich ziehen. Die Analysen sollen Halbleiterteams eine fundierte Grundlage für die nächsten Entwicklungsschritte geben und helfen, weniger geeignete Entwürfe rechtzeitig auszusondern. So könnte sich die Zahl der Designschleifen verringern. Darüber hinaus soll die Technologie Energieeffizienz, Leistung und benötigte Chipfläche optimieren. Siemens erwartet dadurch kürzere Entwicklungszeiten bis zum fertigen Silizium und eine schnellere Markteinführung.
Ankur Gupta, Executive Vice President des IC-Portfolios bei Siemens EDA, sagte: „Mit der Übernahme von Precision Innovations erweitert Siemens seine Fähigkeit, Kunden zu unterstützen, die mit einer rasch zunehmenden Komplexität von SoCs konfrontiert sind und neue Architekturen schneller und effizienter erproben müssen. Die Integration der KI-gestützten frühen Design-Exploration von Precision Innovations in unser EDA-Portfolio beschleunigt die Zeit bis zum Silizium-Chip erheblich und verbessert Energieeffizienz, Leistung und Flächenbedarf.“
Das 2019 gegründete Unternehmen aus San Diego soll nach Abschluss des Geschäfts in Siemens integriert werden. Den Vollzug peilt der Konzern für das dritte Quartal 2026 an, sofern die noch ausstehenden Voraussetzungen erfüllt werden.



