QuantumDiamonds erhält 91 Millionen Euro für quantenbasierte Chipinspektion
Das Münchner Quantensensorik-Startup QuantumDiamonds bringt seine quantenbasierte Chipinspektion mit einer Finanzierung über 91 Millionen Euro in die nächste Entwicklungsphase. Das teilte das Unternehmen am 9. Juli mit. Mit den Mitteln will QuantumDiamonds die Fertigung in München hochfahren und den Einsatz seiner Systeme bei Chipherstellern ausweiten. Die Technologie soll Defekte in tieferliegenden Strukturen moderner 3D-Chiparchitekturen lokalisieren.
Quantenbasierte Prüfung für komplexe Chipstrukturen
QuantumDiamonds will die Finanzierung nutzen, um weitere Systeme bei großen Chipherstellern einzusetzen und die Inspektion kompletter Wafer mit hohem Durchsatz weiterzuentwickeln. Die Technologie arbeitet mit atomaren Defekten in synthetischen Diamanten. Sie erfasst Magnetfelder sehr präzise und macht dadurch Stromflüsse in Chips sichtbar. Das erste kommerzielle System QDm.1 erstellt zerstörungsfreie 3D-Strombilder im Nanomaßstab und soll Defekte nach Position und Tiefe lokalisieren. QuantumDiamonds zielt damit auf ein Problem der Chipfertigung: Herkömmliche Inspektionssysteme stoßen bei verdeckten Fehlerstellen in komplexen 3D-Strukturen an Grenzen. Nach Branchenanalysen kann ein Prozentpunkt mehr Ausbeute bei einem Hochvolumenprodukt mehrere Millionen Dollar pro Woche ausmachen.
Das im Jahr 2022 gegründete Unternehmen beschäftigt derzeit 70 Mitarbeitende; das Engineering-Team soll innerhalb von zwölf Monaten auf mehr als die doppelte Größe wachsen. Noch in diesem Jahr soll ein erster betriebsfähiger Teil der neuen Produktionsstätte in München öffnen. Der Standort ist mit 152 Millionen Euro veranschlagt und soll aktuelle sowie künftige Systeme fertigen.
Kevin Berghoff, CEO und Mitgründer von QuantumDiamonds, sagte: „Das ist ein wichtiger Schritt, um Quantensensorik weltweit in Halbleiterfabriken einzusetzen. Die Rückmeldung führender Chiphersteller ist eindeutig: Sie sehen unsere Technologie als entscheidend, um Probleme bei der Produktionsausbeute zu lösen, an denen heutige Systeme an Grenzen stoßen.“
In den vergangenen Monaten hat QuantumDiamonds laut Mitteilung seine Präsenz außerhalb Europas ausgebaut. Im März eröffnete das Unternehmen einen Standort in Taiwan. Im April folgten Installationen bei Eurofins EAG Laboratories in Sunnyvale, Kalifornien, und bei Integrated Service Technology in Hsinchu, Taiwan.
Förderung aus dem European Chips Act
Die Finanzierung stützt sich vor allem auf öffentliche Mittel: 76 Millionen Euro wurden auf EU-Ebene im Rahmen des European Chips Act bewilligt, weitere 15 Millionen Euro kommen aus einer Eigenkapitalrunde. Die öffentlichen Mittel stellen das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der Freistaat Bayern bereit. Nach Angaben von QuantumDiamonds könnte das Unternehmen als einziges Startup eine Fertigungsförderung im Rahmen des European Chips Act erhalten. Die Eigenkapitalrunde führte World Fund an; Bayern Kapital beteiligte sich ebenfalls. Dazu kamen bestehende Investoren wie IQ Capital, Earlybird, First Momentum, UnternehmerTUM, Creator Fund, Onsight Ventures und Business Angels.



