TrendForce: KI-Nachfrage erhöht Engpassrisiko bei High-End-MLCCs
Die wachsende Nachfrage nach High-End-MLCCs für KI-Serverplattformen und kundenspezifische ASICs von Cloud-Service-Providern verschärft die Lage am Markt für mehrschichtige Keramikkondensatoren. Das geht aus einer Analyse des taiwanischen Marktforschungsunternehmens TrendForce vom 6. Juli hervor. Besonders gefragt sind Bauteile mit hoher Kapazität, niedriger Spannung und kleinen Bauformen. Für die zweite Jahreshälfte 2026 sieht TrendForce ein erhöhtes Risiko für Lieferengpässe.
Book-to-Bill-Werte zeigen Druck im MLCC-Markt
Bei den großen MLCC-Herstellern aus Japan und Südkorea zeigt sich der Nachfrageanstieg inzwischen deutlich in den Auftragskennzahlen. Murata kam Ende Juni auf einen Book-to-Bill-Wert von 1,30, Samsung Electro-Mechanics auf 1,31 und Taiyo Yuden auf 1,25. Für die gesamte Branche nennt TrendForce einen Durchschnittswert von 1,04. Werte über 1 bedeuten, dass die neuen Bestellungen über den abgerechneten Lieferungen liegen.
Wie stark die Auftragslage inzwischen angezogen hat, zeigt der Vergleich zu 2018: Bei dem japanischen Bauelementehersteller Murata erreichte das Verhältnis von Auftragseingang zu Auftragsbestand im ersten Quartal 2026 einen Wert von 1,27. Zu Beginn der schweren Engpassphase im Jahr 2018 hatte Murata einen Wert von 1,25 ausgewiesen. Aus Sicht von TrendForce spricht der aktuelle Stand dafür, dass sich die Auftragsbestände schnell füllen.
Der Druck entsteht allerdings nicht gleichmäßig über alle Endmärkte hinweg. Smartphones und Notebooks liefern nach Angaben des Marktforschungsunternehmens weiterhin wenig Rückenwind. Stärker gefragt sind dagegen MLCCs mit hoher Kapazität, niedriger Spannung und kleinen Bauformen für KI-Beschleunigerplattformen wie Google TPU, AWS Trainium und Meta MTIA. In der PC-Lieferkette kommt zusätzlicher Beschaffungsdruck auf, weil Intel und AMD ihre CPU-Produktion stärker auf KI-Anwendungen ausrichten und klassische PC-Anwendungen knapper bedienen. ODMs müssen Komponenten dadurch kurzfristiger einkaufen.
Engpasssorgen erreichen Auto- und Konsumgütermärkte
Die angespannte Lage bei High-End-MLCCs bleibt laut TrendForce nicht auf KI-Server beschränkt. Erste Kunden sichern sich früher Material als üblich: Apples Lieferkette startete den Lageraufbau ein bis zwei Monate früher, Automobil-ODMs verlegten Beschaffungen von Juli auf Mai. Diese Vorzieheffekte deuten darauf hin, dass Unternehmen im zweiten Halbjahr mit knapperen Liefermöglichkeiten rechnen.
Auch im chinesischen Vertrieb zeigen sich bereits Preisbewegungen. Distributoren erhöhten im Juni die Preise für gängige X5R-MLCCs für Konsumanwendungen um durchschnittlich 15 bis 25 Prozent. Wenn japanische und koreanische Hersteller weiter KI-bezogene High-End-Aufträge bevorzugen, könnten Kunden stärker auf andere Anbieter ausweichen. Davon würden laut TrendForce im dritten Quartal unter anderem Yageo, Walsin Technology und Viiyong profitieren, insbesondere bei X5R-MLCCs mit mittlerer bis hoher Kapazität.
Für die zweite Jahreshälfte rechnet TrendForce mit anhaltend hoher Auslastung. Neue KI-Plattformen von Nvidia, Google und AMD sollen im dritten Quartal in die Massenproduktion gehen. Zusammen mit dem frühen Lageraufbau der Kunden könnte das Lieferzeiten verlängern und weitere Preissteigerungen bei High-End-MLCCs auslösen. Das vierte Quartal dürfte zeigen, ob aus der angespannten Versorgungslage ein ausgeprägter Engpass wird.



