Vantor und Rheinmetall planen 3D-Informationsplattform für militärische Aufklärung
Der Geodaten-Spezialist Vantor und der Düsseldorfer Verteidigungskonzern Rheinmetall wollen über ein geplantes Joint Venture in Deutschland eine europäische Plattform für militärische 3D-Lagebilder aufbauen. Das geht aus einer Pressemitteilung von Rheinmetall vom 18. Juni hervor. Mit der Plattform wollen die Partner die Auswertung räumlicher Aufklärungsdaten stärker unter europäische Kontrolle bringen. Ziel ist ein digitales Lagebild, das Einsatzkräfte bei Planung und Führung militärischer Operationen unterstützt.
Sensordaten für militärische 3D-Lagebilder
Die geplante Plattform soll Aufklärungsdaten aus Weltraum, Luft und Boden in ein digitales 3D-Lagebild übersetzen. Vantors Bildsatellitenkonstellation, die 2D- und 3D-Raumdatenbasis sowie die Einsatzsoftware des Unternehmens liefern zentrale Bausteine für die geplante Lösung. Die Einbindung in militärische Anwendungen soll über Rheinmetalls Führungs- und Leitsysteme erfolgen. So sollen Aufklärungsdaten schneller für militärische Entscheidungen nutzbar werden.
Die Lösung soll Bild- und Sensordaten aus unterschiedlichen Aufklärungssystemen verarbeiten. Dazu gehören satellitengestützte Daten sowie staatliche und kommerzielle Bildquellen. Auch luftgestützte Sensorik soll in die Auswertung eingehen. Das gemeinsame Angebot basiert auf Vantors Plattform Tensorglobe. Sie soll Sensoraufträge steuern und die Datenfusion organisieren. Die KI-gestützte Analyse wertet die zusammengeführten Daten aus und macht die Ergebnisse für Nutzer verfügbar. Laut Rheinmetall sollen europäische Kunden Vantors Satelliten direkt beauftragen und Bilddaten bereits 15 Minuten nach der Erfassung sicher herunterladen können.
Mehr Datenhoheit für militärische Aufklärung
Europäische Staaten investieren zunehmend in Satelliten, Drohnen und taktische Plattformen. Der operative Vorteil entsteht jedoch erst, wenn aus den erfassten Daten schnell belastbare Informationen werden. Die geplante Lösung soll diese Auswertung stärker in europäisch kontrollierten Systemen verankern. Dort sollen Datenflüsse geschützt und Informationen schneller für Einsatzkräfte verfügbar werden.
Für das digitale Lagebild sind Missionsplanung und Zielerfassung vorgesehen. Nach Kampfeinsätzen kann die Technik zur Schadensbeurteilung beitragen. Die Infrastruktur zielt damit auf bestehende und neue europäische Programme für Nachrichtengewinnung und militärische Aufklärung.
Dan Smoot, Chief Executive Officer von Vantor, sagte: „Um den Entscheidungsvorteil im Tempo heutiger Konflikte zu wahren, benötigen die europäischen Streitkräfte die Kontrolle über die Architektur, die diese Daten in verlässliche Fakten vor Ort umwandelt.“
Armin Papperger, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall AG, sagte: „Die Zukunft der Aufklärung wird nicht allein von Sensoren bestimmt, sondern von der Fähigkeit, Informationen aus einer Vielzahl von Quellen schnell und zuverlässig zu verarbeiten und nutzbar zu machen. Gemeinsam mit Vantor legen wir den Grundstein für eine souveräne europäische Kompetenz im Bereich der Geodaten-Intelligenz.“
