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Markt |

ASML-Chef kritisiert EU-Pläne zur Steuerung von Chip-Lieferketten

Der niederländische Halbleiterausrüster ASML warnt die EU vor zu viel politischer Steuerung in der Chipversorgung. Davon berichtete die Financial Times am 9. Juni. Im Gespräch mit der Zeitung macht ASML-Chef Christophe Fouquet deutlich, wie stark Europas Chipindustrie weiterhin von außereuropäischen Strukturen abhängt. Statt auf Eingriffe in Lieferketten zu setzen, solle Europa aus seiner Sicht europäische Chipunternehmen international wettbewerbsfähiger machen.

Lieferkettensteuerung braucht industrielle Stärke

Fouquet kritisiert den politischen Anspruch, die Versorgung mit Halbleitern in Krisen gezielt lenken zu können. Sein Einwand: Europa kontrolliert zentrale Teile der Wertschöpfung bisher kaum selbst. ASML erzielt laut Financial Times nur rund 1 Prozent seines Umsatzes in Europa. Auf Asien entfallen dagegen rund 80 Prozent. Für den Konzern schafft diese Verteilung eine Abhängigkeit von Märkten, in denen die wichtigsten Kunden der Chipindustrie sitzen.

Christophe Fouquet, CEO von ASML, sagte der Financial Times: „Wenn man keine eigene Lieferkette hat, wie will man dann in diese Lieferkette eingreifen?“

Der ASML-Chef warnt damit vor einer Strategie, die politische Eingriffe über den Aufbau industrieller Stärke stellt. Brüssel solle aus seiner Sicht keine Aufgaben übernehmen, die in der Branche selbst liegen. Das beträfe etwa Pläne für Chipfabriken und Rechenzentren, über die die EU ihre technologische Eigenständigkeit stärken will.

Zugleich sieht Fouquet Europas Ausbau durch lange Verfahren gebremst. Ein Fabrikbau dauert in Europa nach seinen Angaben rund vier Jahre. Auch die Ausbildung von Fachkräften und die Erweiterung des Zuliefernetzes begrenzen das Tempo.

KI-Boom erhöht den Druck auf Europas Chipausbau

Auslöser der Kritik sind neue Pläne für Europas Chipstrategie. Die EU will bei Engpässen stärker in die Versorgung eingreifen und zugleich die eigene Halbleiterindustrie ausbauen. Damit reagiert Brüssel auf die Abhängigkeit von US-Technologieunternehmen und asiatischen Herstellern. Der politische Druck wächst, weil KI-Rechenzentren den Bedarf an fortschrittlichen Halbleitern stark erhöhen. Zugleich verschärft der Boom bei KI-Rechenzentren den Druck auf die Halbleiterproduktion. Die Nachfrage nach fortschrittlichen Chips wachse schneller als die Fertigungskapazitäten. 

Stärkere Anbieter in der europäischen Chipbranche

Fouquet fordert den Aufbau europäischer Anbieter entlang der Halbleiter-Lieferkette. Europa benötige mehr Unternehmen, die international eine tragende Rolle spielen können. So soll der Kontinent widerstandsfähiger werden und seine Abhängigkeit von außereuropäischen Strukturen senken.

Reine Kaufvorgaben reichen Fouquet zufolge dafür nicht aus. „Buy European“ funktioniere erst, wenn Europa in wichtigen Technologiefeldern eigene wettbewerbsfähige Angebote habe. Frankreich und weitere Länder drängen auf stärkere entsprechende Klauseln bei öffentlichen Aufträgen.

Europas Gewicht in der Chipbranche soll nach Fouquets Vorstellung stärker dem wirtschaftlichen Gewicht der EU entsprechen. Europas Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung liegt bei rund 18 Prozent. Dafür brauche es bessere Bedingungen für wachsende Technologieunternehmen: schnellere Genehmigungen, besseren Zugang zu Kapital und einen innovationsfreundlicheren Umgang mit KI-Regulierung.

Der Konzern will den Aufbau stärkerer europäischer Technologieunternehmen auch mit eigenen Investitionen stützen. Der Konzern hat bereits in das französische KI-Unternehmen Mistral und in das deutsche Optikunternehmen Zeiss investiert und stellt weitere Beteiligungen in Aussicht. Auch operativ baut ASML aus. Nahe dem Hauptsitz im niederländischen Veldhoven erweitert ASML seine Kapazitäten. Die Produktion der neuesten EUV-Maschinen soll in diesem Jahr um 50 Prozent steigen.


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