Nahostkonflikt treibt Leiterplattenpreise um 40 % nach oben und belastet Elektronik-Lieferketten
Der Krieg im Nahen Osten hat die Versorgung mit wichtigen Rohstoffen für die Leiterplattenfertigung (PCB) beeinträchtigt und die Preise deutlich steigen lassen. Damit verschärft sich der Kostendruck auf die Elektronikindustrie, der bereits zuvor durch die hohe Nachfrage nach KI-Infrastruktur zugenommen hatte. Darüber berichtet Reuters unter Berufung auf Branchenvertreter und Marktquellen.
Laut einer von Reuters zitierten Analyse von Goldman Sachs stiegen die PCB-Preise allein im April um bis zu 40 Prozent gegenüber dem Vormonat. Ausschlaggebend seien sowohl die stark wachsende Nachfrage nach KI-Serverinfrastruktur als auch Materialengpässe infolge des Nahostkonflikts.
Cloud-Anbieter seien demnach bereit, weitere Preissteigerungen zu akzeptieren, da sie davon ausgehen, dass die Nachfrage das Angebot noch über Jahre hinweg übersteigen wird.
Besonders betroffen sind mehrere zentrale Rohstoffe der Leiterplattenindustrie. Die Lieferzeiten für Epoxidharz haben sich laut Reuters von drei auf mittlerweile 15 Wochen verlängert. Ein leitender Manager des südkoreanischen PCB-Herstellers Daeduck Electronics erklärte gegenüber Reuters, das Unternehmen befinde sich bereits in Gesprächen mit Kunden über Preiserhöhungen.
Der Manager, dessen Name nicht genannt wurde, sagte, dass sich die Prioritäten des Unternehmens inzwischen von Kundengesprächen hin zur Sicherung von Lieferantenbeziehungen verlagert hätten.
Auch Glasfasermaterialien und Kupferfolie stehen unter Druck. Wie Reuters unter Berufung auf Branchenquellen berichtet, sind die Preise für Kupferfolie seit Jahresbeginn um bis zu 30 Prozent gestiegen, wobei sich der Anstieg insbesondere seit März beschleunigt habe.
Kupfer macht laut dem chinesischen PCB-Hersteller Victory Giant Technology, einem Zulieferer von Nvidia, rund 60 Prozent der gesamten Rohstoffkosten bei der Leiterplattenfertigung aus. Das Unternehmen warnte bereits Anfang des Monats, dass der Nahostkonflikt die Preise für Harze und Kupfer weiter in die Höhe treiben könnte.
Die Preise für Leiterplatten steigen bereits seit Ende vergangenen Jahres, ursprünglich ausgelöst durch die boomende Nachfrage nach KI-Servern. Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten haben die Situation nun zusätzlich verschärft.
Laut einem von Reuters zitierten Bericht des Marktforschungsunternehmens Prismark soll der weltweite PCB-Markt im Jahr 2026 um 12,5 Prozent auf 95,8 Milliarden US-Dollar wachsen.
Für Elektronikhersteller stellt die Entwicklung eine zusätzliche Herausforderung dar. Viele Unternehmen kämpfen bereits mit steigenden Kosten für Speicherchips. Beide Trends gehen letztlich auf den massiven Ausbau der KI-Infrastruktur zurück, der die Nachfrage entlang der gesamten Elektronik-Lieferkette verändert.



